Zwei ungleiche Freundinnen

Beatrice Salvioni setzt mit „Malacarne“ ihre Bestseller-Reihe fort

Ihr Debütroman „Malnata“ wurde in 35 Sprachen übersetzt. Jetzt schreibt Beatrice Salvioni in „Malacarne“ die Geschichte zweier ungleicher Freundinnen fort.

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Stand

Maddalena und Francesca sind die „Malnata“ und die „Malacarne“ – so werden die besten Freundinnen in ihrer Stadt in der italienischen Lombardei beschimpft. Sie sind die Unheilbringenden, die Schurkinnen. Kurz: Zwei üble junge Frauen.

Dabei kommt Francesca aus gutem Hause, doch das hat sie für die Freundschaft zu Maddalena aufgegeben.

Zeitsprung in die 1940er Jahre

Beatrice Salvioni erzählt von diesen zwei ungleichen Freundinnen in ihrem Erfolgsroman „Malnata“. Jetzt erscheint die Fortsetzung, die mit einem Zeitsprung in die 1940er Jahre beginnt.

Maddalena wurde in ein Irrenhaus interniert und hat keinen Kontakt zur Außenwelt. Als sie entlassen wird, fällt es Francesca schwer, zu verstehen, wie tief Maddalenas Seele von diesem Aufenthalt verwundet ist.

Maike Albath, Literaturkritikerin und Expertin für italienische Literatur, sagt in SWR Kultur, die Geschichte sei mit „unheimlich vielen Deus ex machina-Coups und Showdowns“ durchsetzt. Beatrice Salvioni lasse nichts aus.

Vorbild Elena Ferrante?

Von der Struktur her erinnern „Malnata“ und „Malacarne“ an einen anderen Bestseller aus Italien: „Meine geniale Freundin“ von Elena Ferrante. Diese Reihe spielt in den 1950er Jahren in Neapel und handelt ebenfalls von zwei ungleichen Freundinnen.

Doch Ferrante habe die kluge Entscheidung getroffen, ihren Roman aus der Perspektive einer älteren Frau zu erzählen, die sich zurückerinnert.

Bei Beatrice Salvioni gebe es hingegen ein paar Ungenauigkeiten und Ungereimtheiten in der ganzen narrativen Gestaltung. Etwa, wenn Francesca Gedanken und Formulierungen verwendet, die zu alt und weise für eine jugendliche Schulabbrecherin klingen.

Klischeehaftes Italienbild

Zentral für die Geschichte ist auch der politische Hintergrund des Romans. Er spielt in der 1940er Jahren, also zur Zeit des italienischen Faschismus. Francesca ist erst unpolitisch und interessiert sich wenig für die Verhältnisse.

Später schließt sie sich dem Widerstand an, während Maddalena Schutz an der Seite eines Faschisten sucht. Diese Umkehr der Charaktereigenschaften sei ein dynamisches Element, so Albath.

Fleißige Autorin

Um diese Zeit erfahrbar zu machen, habe Salvioni genau recherchiert. Eine Quelle waren ihre Großeltern, die aus derselben Stadt wie Francesca und Maddalena kommen.

Maike Albath nennt Salvioni mit Blick auf ihre genaue Beschreibung der Zeit eine fleißige Autorin, die jedoch leider ein Italien zeichne, wie es Leser*innen im Ausland lieben: „Möglichst archaisch, gewalttätig, kämpferisch.“

Auf der literarischen Ebene sei der Roman daher leider nicht überzeugend, so Albath. Ihr Eindruck ist, dass diese Reihe über Francesca und Maddelena auf Verfilmbarkeit und auf Fortsetzung hingeschrieben sei.

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Erstmals publiziert am
Stand
Das Gespräch führte
Kristine Harthauer
Gespräch mit
Maike Albath