Doris Gercke hat den Buchmarkt revolutioniert
Wenn sie nicht gewesen wäre – wie sähen dann heute unsere Buchhandlungen aus? Hätte es je diesen Krimi-Boom gegeben? Vielleicht. Aber nicht so. Doris Gercke hat den Buchmarkt revolutioniert. In ihren Kriminalromanen geht es oft um Gewalt.
Sie glaube nicht, dass sie absichtlich viel Gewalt in ihre Bücher stecke, sagte sie in einem Interview, das sie vor 30 Jahren dem SDR gab:
„Ich habe mir von Anfang an vorgenommen, realistische Bücher zu schreiben, realistische Kriminalromane. Gewalt ist ein wesentliches Element in unseren gesellschaftlichen Beziehungen. Und wenn ich realistische Bücher schreibe über eine gewalttätige Gesellschaft, dann erscheint Gewalt in den Büchern, und insofern ist die Gewalt, eigentlich bedauerlicherweise, in meinen Büchern normal. Es ist so eine Art Widerspiegelung der Verhältnisse, wie sie Frauen begegnen, denke ich.“
Plötzlich war eine engagierte linke Feministin am Start
1988 hat Doris Gercke ihren ersten Kriminalroman veröffentlicht: „Weinschröter, du musst hängen“. Er erschien im kleinen Hamburger „Verlag am Galgenberg“, und er wies den Weg in die breit gefächerte deutschsprachige Krimilandschaft.
Denn bis dahin war das Panorama äußerst überschaubar. Den neuen deutschen Kriminalroman prägte eine Handvoll Autoren, Autorinnen gab es nur wenige. Und plötzlich war eine engagierte linke Feministin am Start, als Soloereignis, sie war 51 Jahre alt und Juristin.
Ihre bekannteste Protagonistin Bella Block wurde im Fernsehen berühmt
Sehr schnell wurde Doris Gercke zu einer Institution. Ihre bekannteste Protagonistin, die Ermittlerin Bella Block, ist durch Hannelore Hoger in der Titelrolle auch in der Fernsehwelt berühmt geworden. Neben etlichen Drehbüchern und Hörspielen hat Doris Gercke an die drei Dutzend Kriminalromane geschrieben. Mit ihren Büchern hat sie eine starke Bewegung entfacht – und plötzlich wurden massenhaft Krimis publiziert.
Bereits im Jahr 2000 hat Doris Gercke für ihr „Gesamtschaffen“ den Glauser Ehrenpreis bekommen – dazu zählt auch ihre Pionierleistung. Für viele Krimiautoren und -autorinnen war sie eine charismatische Kollegin. Sie hat sich für das Genre eingesetzt. Und für ihre Mitstreiterinnen. Wir Krimimacherinnen erinnern uns an entscheidende Impulse und blicken dankbar zurück auf ihre unermüdliche Solidarität.
Doris Gercke hat mit ihren Krimis den Bücherkosmos in Aufruhr versetzt
In fast vierzig Jahren hat die deutschsprachige Kriminalliteratur Verlage, Buchhandlungen und eine beträchtliche Fangemeinde erobert. Der Krimi stellt einen entscheidenden Anteil an den literarischen Neuproduktionen und ist ein wichtiger wirtschaftlicher Faktor.
Doris Gercke hat etwas angestoßen, dessen Dimension sie absolut nicht ermessen konnte. Der Markt für sogenannte Frauenkrimis ist schnell expandiert; der Markt für Regionalkrimis, auch da ist sie eine Pionierin, ist explodiert. Doris Gercke hat den Bücherkosmos in Aufruhr versetzt, und wir begegnen ihr bei jedem Gang in die Buchhandlung.
Doris Gercke ist am 25. Juli 2025 im Alter von 88 Jahren nach langer, schwerer Krankheit in ihrer Heimatstadt Hamburg verstorben.
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(Produktion: WDR 2025)