Thomas Hettche, Jahrgang 1964, ist ein herausragender Stilist und einer der bedeutendsten deutschsprachigen Gegenwartsautoren. Und ein Schriftsteller, der etwas wagt. Wer würde sich sonst schon trauen, einen Roman schlicht und einfach „Liebe“ zu nennen?
Es beginnt mit einem Sommerfest an der Ostsee. Max entfernt sich von der Tischgesellschaft und setzt sich in die Dunkelheit mit Blick auf das Meer. Und dann ein plötzlicher Gruß im Dunkeln, eine Frau gesellt sich zu ihm, und zwischen den beiden entsteht ein Einverständnis, sofort und unbedingt.
Max ist 63 Jahre alt und nach mehreren gescheiterten Verbindungen alleinstehend und zweifacher Vater. Anna, so heißt die Frau, ist etwa im gleichen Alter und kinderlos verheiratet. Ihre Ehe will sie nicht aufgeben, doch die Anziehung zwischen Max und Anna ist zu groß, um voneinander zu lassen.
Ihre Liebe hat etwas berührend Selbstverständliches. So beschreibt Hettche sie auch, in all ihren Facetten, in allen Details. Ein Text in literarischen Nahaufnahmen.
Eigentlich erzählt Thomas Hettche eine einfache Liebesgeschichte. Liebe im Alter ist anders als eine Liebe zwischen jungen Menschen. Und doch ist sie im Kern dasselbe. Diesen Kern umkreist „Liebe“ auf raffinierte Weise. Dass Thomas Hettche bei diesem Thema niemals banal oder kitschig wird, ist verblüffend.