Lara Rüter, geboren 1990 in Hannover, ist eine mehrfach ausgezeichnete Lyrikerin: Sie war Preisträgerin beim Nachwuchswettbewerb Open Mike, wurde mit dem Kranichsteiner Förderpreis und dem Ophil-Debütpreis ausgezeichnet. 2024 erschien ihr erster Lyrikband „amoretten in netzen“ im Verlag Das Wunderhorn.
Von der Lyrik kann man aber nicht leben. Lara Rüter war angeödet von ihrem Nebenjob, kündigte ihn und stöberte am Schwarzen Brett nach einer neuen Beschäftigung. Da war eine Stelle als „Aushilfe in der Primatenforschung“ ausgeschrieben.
Das könne, so dachte Rüter sich, keineswegs langweilig sein, bewarb sich und wurde angenommen, obwohl sie als Dichterin dafür nicht auf den ersten Blick qualifiziert war. „Im Nachhinein aber logisch – im Affenhaus arbeiten eigentlich nur Nerds“, sagt Rüter.
Fünf Jahre lang arbeitete sie mit den Affen und entwickelte eine ungeheure Faszination für die Tiere, die den Menschen scheinbar so ähnlich sind und in Wahrheit dann doch nicht. Ihr sei, sagt Rüter, schnell klar gewesen, dass sie über ihre Erfahrungen schreiben wolle.
Und auch, dass dies nicht in Form einer lustigen Anekdotensammlung geschehen könne. „Schaut man in ein Affengehege, begibt man sich in einen Pool aus Gleichzeitigkeiten“, so Rüter, „übersprudelnde Gefühle, wiederkehrende Muster, Leben, Tod, Gut und Böse. Trotzdem scheint am Ende alles in Balance zu sein. Ich denke, so ist es auch im menschlichen Leben.
Mich interessiert, wie lustige, absurde Situationen auch neben sehr ernsten oder traurigen stehen können. Und, dass sich all dies sogar bedingt, Trost und Verständnis schenkt, Hoffnung und Freude.“
Und weil Lara Rüter Dichterin ist, ist „Affenliebe“ aufgeladen mit literarischen Zitaten, Gedichtzeilen, Verweisen. Ein literarischer Text. Nicht ein einziges Mal hat Lara Rüter in den fünf Jahren ihrer Arbeit einen Affen berührt; ganz egal, was passiert. Das ist die erste Regel:
Es geht sieben Jahre gut, und im achten beißt dir ein Bonobo die Fingerkuppe ab.