Tradwives und Christfluencer

„Die Macht der Radikalisierung aus dem Zuhause heraus“: Wie zwei Romane zeigen, warum einfache Wahrheiten so gefährlich sind

Zwei Romane, zwei Parallelwelten: Hannah Lühmann und Caroline Schmitt erzählen in „Heimat“ und „Monstergott“ von Figuren, die zwischen Ideologien und Sinnsuche ins Wanken geraten.

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Zwischen Sinnsuche und Versuchung

„Die Macht der Radikalisierung aus dem Zuhause heraus – das wird uns noch beschäftigen“, sagt Autorin Hannah Lühmann im Gespräch im SWR Kultur „lesenswert Magazin“.

Ihr neuer Roman „Heimat und Caroline Schmitts „Monstergott erzählen von Figuren, die in Krisen geraten – und darin nach Halt und Bedeutung suchen. Beide Bücher öffnen den Blick auf Welten, die abgeschottet scheinen, aber viel über unsere Gegenwart verraten.

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Verloren im Vorort

Autorin Hannah Lühmann
Autorin Hannah Lühmann

In „Heimat beschreibt Lühmann das Leben der jungen Mutter Jana, die in ein Neubaugebiet zieht und dort zunehmend den Halt verliert. Ihre Ehe kriselt, den Job hat sie gekündigt, sie ist schwanger mit dem dritten Kind.

Da taucht Karolin auf: Selbstbewusst, makellos, aktiv auf Instagram. Sie verkörpert das Ideal der sogenannten Tradwife: der traditionellen Hausfrau, die sich ihrem Mann unterordnet und das Heim zur Bühne macht.

Fasziniert von dieser vermeintlichen Geborgenheit gleitet Jana in ein Weltbild, das sich langsam politisch und ideologisch verdichtet. Lühmann erzählt, wie subtil rechte Ideologien im Gewand familiärer Sehnsucht auftreten – als trügerische Antwort auf Einsamkeit und Sinnsuche in einer digitalisierten Welt.

Glauben, Zweifel, Identität

Autorin Caroline Schmitt
Autorin Caroline Schmitt

Caroline Schmitt führt in „Monstergott in eine andere Parallelwelt – die einer evangelikalen Freikirche. Die Geschwister Esther und Ben wachsen in einer Gemeinschaft auf, die klare Grenzen zieht: Gut und Böse, Mann und Frau, Himmel und Hölle.

Als sie beginnen, diese Dogmen zu hinterfragen, geraten sie in Konflikt mit ihrem Glauben und mit sich selbst. Schmitt, selbst in einer Freikirche groß geworden, erzählt, wie spirituelle Gewissheiten kippen können, wenn Zweifel zugelassen wird.

Zwei Seiten derselben Gegenwart

Ob im Speckgürtel oder in der Glaubensgemeinschaft – beide Autorinnen erkunden, wie Ideologien Sinnversprechen liefern, wo Gesellschaft und Moderne Halt verlieren. „Heimat“ und „Monstergott“ sind Romane über Identität, Sinnsuche in einer digitalisierten Welt und die gefährliche Versuchung klarer Wahrheiten.

„Ich glaube nicht, dass die Leute das trotz der Radikalität faszinierend finden – sondern wegen der Radikalität“, sagt Lühmann.

Ein Satz, der bleibt.

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Erstmals publiziert am
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Das Gespräch führte
Nina Wolf
Gespräch mit
Hannah Lühmann
Caroline Schmitt