Gespräch mit der Autorin

Karosh Taha erzählt in „Gulistan“ von irakischen Kurden: „Im Leib der Diktatur“

Gulistan sucht ihren Mann Çîya. Der wurde entführt und soll ein Double Saddam Husseins werden. In „Gulistan“ erzählt Karosh Taha von der Verfolgung der Kurden im Irak.

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Stand

Gulistan heißt Kurdistan

„Gulistan“ – so heißt die weibliche Hauptfigur in Karosh Tahas neuem Roman. Kein Zufall, dass der Name fast so klingt wie „Kurdistan“.

Denn Gulistan ist Kurdin. Sie lebt im Irak, zu Zeiten Saddam Husseins. Der Roman beginnt in den 1980er/90er Jahren und erzählt davon, wie Gulistan in große Not gerät, nachdem ihr Mann Çîya verschwindet.

Die Autorin Karosh Taha wurde 1987 selbst als Kurdin im Irak geboren. Zusammen mit ihren Eltern konnte sie 1997 nach Deutschland flüchten.

Karosh Taha
Karosh Taha Karosh Taha (c) Imago, Funke Foto Services, Olaf Carrier, Olaf Fuhrmann

Die Verfolgung der Kurden unter Saddam Hussein

In den vergangenen Jahren hat Karosh Taha im Irak recherchiert und dort mit Frauen gesprochen, die die Verfolgung unter Saddam Hussein überlebt haben.

Von 1979 bis 2003 war er Präsident des Irak. Vor allem in den späten 1980er Jahren ging das irakische Militär brutal gegen Kurden vor, wozu auch der Giftgasangriff auf die kurdische Stadt Halabdscha 1988 gehörte.

„Mein Buch findet für mich nicht im Nordirak statt, auch nicht im Südirak oder im mittleren Irak, sondern es handelt vom Irak als Saddams Konzept“, sagt Karosh Taha auf SWR Kultur.

Der gute Çîya wird ein Saddam-Double

Als Çîya im Roman verschwindet, macht sich Gulistan auf die Suche nach ihm. Sie findet ihn in Uniform – als ein Double Saddam Husseins.

Gulistan fängt an, Çîya anders zu sehen. Sie sieht, wie nicht er die Uniform trägt, sondern die Uniform trägt ihn, wie sein Bart ihn selber stutzt, wie das Hemd ihn anzieht.

Eine unheimliche Verwandlung. „Und auch in Çîyas Bewegungen und in seiner Sprache findet eine Verwandlung statt. Da weiß Gulistan, dass sie fliehen muss.“

„Gulistan“ als sprachliches Kunstwerk

Gulistans Verzweiflung überträgt sich auf ihre Sprache. Schon von Anfang an hat sie als Kurdin ein Sprachproblem.

„Gulistan ist eine kurdische Frau in einer überwiegend arabischsprachigen Stadt“, sagt Karosh Taha, „so wird ihr das Sprechen verboten. Ihre Sprache ist verdächtig.“

Die Verzweiflung über Çîyas Verschwinden bringt ihr Sprechen noch stärker unter Druck. „Ich habe angefangen, Sätze ineinander zu verschieben, und sie haben funktioniert. Das hat mich irritiert“, erinnert sich Taha.

Viele Wörter bekommen auf diese Weise doppelte Bedeutungen. In vielen Sätzen wechseln die Gedanken immer wieder die Richtung. Auch die Zeichensetzung geht zunehmend verloren.

Wie sich eine Diktatur anfühlt

„Ich hatte den Anspruch, diesen Menschen gerecht zu werden“, sagt Karosh Taha. „Außerdem wollte ich eine Geschichte erzählen, mit der viele Menschen etwas anfangen können, selbst wenn sie nicht durch den Leib der Diktatur gegangen sind.“

„Ich wollte, dass sie trotzdem durch die Sätze nachempfinden können, wie es sich anfühlen muss, in einer Diktatur und unter einem Regime zu leben, wo einem die Sprache verboten wird.“

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21. August 2025

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Erstmals publiziert am
Stand
Gespräch mit
Karosh Taha
Das Gespräch führte
Katharina Borchardt