Buchkritik

Das Kriegsende hat kein Datum: Martin Piekar im Gespräch

In seinem Debütroman „Vom Fällen eines Stammbaums“ erzählt Martin Piekar von Familientraumata und von der Scham, als aus Polen geflüchtete Frau in Deutschland anzukommen.

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Stand

Bei den Tagen der deutschsprachigen Literatur in Klagenfurt des Jahres 2023 stach der Schriftsteller Martin Piekar allein schon durch seine Erscheinung heraus.

Der in Schwarz gekleidete, langhaarige Mann mit den schwarz lackierten Fingernägeln lieferte noch dazu eine Performance ab, wie sie lange nicht zu sehen war.

Ein langer Schrei

In seinen Vortrag aus dem Text „Mit Wänden sprechen/Pole sind schwierige Volk“ hatte Piekar einen lauten, zwei Sekunden langen Schrei eingebaut:

Der Schrei der Überforderung eines jungen Mannes, der vaterlos mit seiner Mutter in einer engen Zwei-Zimmer-Wohnung aufgewachsen ist und die Mutter nach ihrer Krebs-Diagnose bis zu ihrem Tod gepflegt hat.

Vaterloses Aufwachsen

Nun hat Martin Piekar, geboren 1990 in Bad Soden am Taunus als Sohn polnischer Eltern, seinen Debütroman vorgelegt.

„Vom Fällen eines Stammbaums“, so der Titel, erzählt die Geschichte eines vaterlosen Aufwachsens in Deutschland als Sohn einer Mutter, die vor dem Fall des Eisernen Vorhangs nach Deutschland geflohen ist.

Geboren im Gulag

Im Gespräch erzählt Martin Piekar von der Geschichte seiner Mutter, die 1952 im russischen Gulag geboren wurde.

Von Traumata, die über Generationen hinweg weitergegeben wurden. Davon, dass das Kriegsende kein Datum hat. Von der Scham der Herkunft in einem Deutschland, in der Polenwitze Kultcharakter hatten. Und von der lebensrettenden Wirkung des Schreibens.

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Erstmals publiziert am
Stand
Das Gespräch führte
Christoph Schröder
Gespräch mit
Martin Piekar