Am 1. Juni wird die Schriftstellerin Petra Morsbach 70 Jahre alt. Sie ist eine Autorin, die sorgfältig recherchiert und sich beim Schreiben Zeit lässt. Ihr letzter Roman „Justizpalast“ erschien vor neun Jahren und wurde mit dem Wilhelm-Raabe-Preis ausgezeichnet.
Ein Leben über sechs Jahrzehnte
In ihrem neuen Roman „Orion“ erzählt Petra Morsbach ein vermeintlich wenig bedeutsames Leben über mehr als sechs Jahrzehnte hinweg.
Nora Meyer, so der Name ihrer Hauptfigur, studiert in den 1960er-Jahren in München und jobbt nebenbei im Bayerischen Hauptstaatsarchiv. Dort lernt sie auch ihren späteren Ehemann, den verklemmten Theseus Dellendrücker, kennen.
Nora wird als Lehrerin arbeiten, die Ehe wird scheitern, doch was stets präsent bleiben wird, ist die Literatur als Spiegel des eigenen Lebens.
Satirische Figurenzeichnung
Der Literaturkritiker Paul Jandl hebt im Gespräch die Eleganz von Petra Morsbachs Schreiben hervor: „Ich finde das so gelungen, weil es so vielfältig ist.“ Morsbach sei eine Meisterin der Milieuschilderungen und der satirisch überhöhten Figurenzeichnung. Ihre Beschreibungen, so Jandl, „schärfen den eigenen Blick.“
Bereits in der Exposition werde das Motiv der „Literatur als Lebensratgeber“ herausgearbeitet: Noras Großmutter singt sich aus dem Tag heraus; stimmt Abend für Abend ein Lied an, das morbider nicht sein könnte: „Das ist die erste Zündstufe“, so Jandl.
Idee der Selbstverbesserung
Er liest in „Orion“ eine „pädagogische Idee der Selbstverbesserung.“ Als Lehrerin wolle Nora nicht nur Wissen vermitteln, sondern von ihren Schülern selbst auch etwas lernen.
Die Hoffnung, dass Lesen als existentielle Technik noch relevant ist, wird bei Petra Morsbach nicht aufgegeben.
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