„Marinićs Freiheit“: Blick hinter hitzige Debatten
Seit fünf Jahren bereits setzt sich Jagoda Marinić in ihrem Podcast „Freiheit Deluxe“ zusammen mit ihren Gästen ausführlich mit einem Thema auseinander. Ergänzend dazu präsentiert sich im wöchentlichen Wechsel nun das neue Format „Marinićs Freiheit“ mit gut 30 Minuten deutlich kompakter.
Der Anspruch: einen Blick hinter so manch hitzig geführte Debatte zu werfen und die Mechanismen hinter der Empörung offen zu legen.
Krisen, Kriege, Künstliche Intelligenz – täglich stellen sich neue Herausforderungen. „Irgendwo brennt die Welt immer“, meint Jagoda Marinić. Dass man da nicht mehr hinterherkommt, sich überfordert, hilflos und ohnmächtig fühlt, ist für die Journalistin und Kolumnistin kein Wunder.
Entscheidend ist die innere Freiheit
Mit ihrem neuen Podcast, der u.a. auch mit dem SWR entsteht, will sie den Blick auf „gute Erzählungen“ lenken, auf konstruktive und inspirierende Ansätze, um den Menschen das Gefühl zu vermitteln: „Ich lebe in einer Welt, in der kann ich etwas verändern“.
Bedroht sieht Jagoda Marinić die Freiheit vor allem durch die Unfreiheit im Kopf. „Solange wir nicht die Bedingungen schaffen für die Freiheit in unseren Köpfen, können wir umgekehrt draußen auch nicht für diese Freiheit kämpfen“, meint die Heidelbergerin.
Sie sieht eine Gefahr in der ständigen Berieselung: „Wir werden so zugemüllt von morgens bis abends“. Das sorge dafür, dass sich Ängste, Sorgen, schlechte Nachrichten und dystopische Zukunftsszenarien im Kopf festsetzten. Wie solle man da noch Räume schaffen, um über Zukunft nachzudenken, fragt die Podcasterin: „Wir brauchen eine Lösungslust!“
Debatten im Fokus: Superreiche, Naturschutz, Feminismus
In ihrem neuen Podcast erlaubt sich Jagoda Marinić auch ganz allein ins Nachdenken zu kommen.
In der jüngsten Folge „Nu(h)r Femizide?“ überlegt sie, warum Comedian Dieter Nuhr in der Öffentlichkeit einen Witz auf Kosten ermordeter Frauen äußern kann, und wundert sich, „dass es in Deutschland 2026 noch immer normal ist, dass solche Sachen passieren“. Statt ein kurzes Empörungsstrohfeuer zu entfachen, fordert sie dazu auf, in jeder Situation über Erniedrigung und Verachtung nachzudenken.
Ein beeindruckendes Beispiel für Widerstand schildert Jagoda Marinić in der Folge „Superreiche und Flamingos“. Mit der „Flamingo-Revolution“ protestieren Zehntausende seit Wochen gegen ein geplantes Luxusresort, das Trump-Tochter Ivanka und ihr Ehemann Jared Kushner ausgerechnet in einem Naturschutzgebiet Albaniens geplant haben.
Ihr Herzenswunsch – ein neuer Roman
Als Schriftstellerin hat Jagoda Marinić eine beeindruckende Bilanz aufzuweisen: Erzählungen, Essays, Romane, Theaterstücke. Viele Auszeichnungen sind darunter, auch eine Einladung zum Ingeborg-Bachmann-Wettbewerb in Klagenfurt. Seit Mitte der 2010er Jahren ist es aber vor allem die politische Autorin und Kolumnistin, die sich zu Wort meldet.
Die Arbeit am Aufbau des Internationalen Kulturzentrums Heidelberg und am dortigen Internationalen Literaturfestival hat sie gefordert. Die Fantasieräume seien dadurch „ein Stück weit zurückgetreten“, meint sie. Das soll sich ändern. „Ein Roman wäre ein Traumprojekt fürs nächste Jahr.“
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Jagoda Marinić, Schriftstellerin, Publizistin und Podcasterin | 13.12.2024 Bei Krisen weniger streiten, sondern echte Lösungen finden
Autorin Jagoda Marinić baut Brücken: statt auf Social Media zu streiten, sollten wir lieber gemeinsam machbare Lösungen suchen. Wie, beschreibt sie im Buch "Sanfte Radikalität".
Jagoda Marinić | Autorin | Warum streiten wir lieber, als gemeinsam nach Lösungen zu suchen? | SWR1 Leute
Wollen wir uns bestätigt sehen oder sind wir bereit, uns in Frage zu stellen? Jagoda Marinić regt zu beidem an. Denn am Ende ihres Buchs "Sanfte Radikalität" gibt sie eine Leseliste weiter, mit den Büchern, die sie für dieses Projekt beim Schreiben angeregt, irritiert oder inspiriert haben. Und diesen Dialog will sie weitergeben.
Sie beschreibt in ihrem Buch, wie wir aufgrund der globalen Krisen weniger auf Streit im digitalen Raum setzen sollten, sondern mehr auf reale Umsetzung von Ideen. "Brücken bauen" zeichnet Jagoda Marinić aus.
Zehn Jahre lang baute sie als Kulturmanagerin das Interkulturelle Zentrum in Heidelberg auf, wo sie heute das Internationale Literaturfestival "feeLit" kuratiert. Sie ist Host des erfolgreichen ARD-Podcast "Freiheit Deluxe" und wurde 2022 als Kulturjournalistin des Jahres ausgezeichnet.