DDR-Roman von Peggy Mädler

Von Zwängen und Illusionen

In „Selbstregulierung des Herzens“ erzählt Peggy Mädler Lebensläufe aus der DDR von den 1960er-Jahren bis an die Gegenwart heran. Ein Buch, wie man es noch nicht gelesen hat.

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Seit den frühen 1990er-Jahren sind viele Romane über Lebensläufe aus der gescheiterten Staatsform DDR erschienen. Die 1976 in Dresden geborene Peggy Mädler leistet mit ihrem dritten Roman „Selbstregulierung des Herzens“ einen ungewöhnlichen Beitrag zu diesem Genre.

Sandra Kegel, Leiterin des Feuilletons der Frankfurter Allgemeinen Zeitung, lobt im Gespräch die Verbindung eines intellektuellen Modells und einer großen Versiertheit im Erzählen.

Kybernetik als Gesellschaftssystem

„Selbstregulierung des Herzens“ begleitet unterschiedliche Figuren von den 1960er-Jahren bis nah an die Gegenwart heran. Im Mittelpunkt steht der Mathematiker und Computerexperte Georg, ein Experte für Kybernetik.

Diese in den 1940er-Jahren entstandene Wissenschaft erforscht das Modell von Systemen, die selbständig auf Einflüsse von außen reagieren und die daraufhin nötigen Entscheidungen treffen.

Diesen Gedanken überträgt Peggy Mägler, so Sandra Kegel, auf verblüffende Weise sowohl auf den Staat DDR als auch auf die Menschen, von denen sie erzählt.

Präzise und unsentimental

Das Ergebnis sei ein Roman, der präzise, unsentimental und ohne Anklage veranschauliche, wie Menschen sich in einem Zwangssystem veränderten und wie Illusionen an einer Staatsform zerschellten. Kunst, Wissenschaft und Liebe sind gleichermaßen betroffen.

Ein Buch, so urteilt Sandra Kegel, dass die DDR noch einmal mit einem neuen, differenzierten Blick betrachte.

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Erstmals publiziert am
Stand
Das Interview führte
Christoph Schröder
Interview mit
Sandra Kegel