Ab in die Arktis!

Leinen los! Ulrike Draesner bereist das Nordmeer

Die Autorin Ulrike Draesner setzt die Segel: Sie reist von Tromsø ins nachtdunkle Nordmeer. Auch ihr neuer Lyrikband erzählt von einer Reise. Er spielt auf „penelopes sch()iff“.

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Wir erreichen Ulrike Draesner im norwegischen Tromsø. Kurz vorm Ablegen. „Ich gehe auf ein Schiff und fahre elf Tage durchs Nordmeer, durch die Dunkelheit. Ich will Wale beobachten und Polarlichter sehen.“

Keine Angst vor Dunkelheit und Seegang? „Doch, vor dem Seegang habe ich jede Menge Angst. Ich werde nämlich immer seekrank und habe deshalb Tabletten eingepackt“, erklärt Ulrike Draesner aufbruchsfreudig.

Ulrike Draesner
Ulrike Draesner

Das dunkle Nordmeer als Selbstexperiment

„Vor der Dunkelheit habe ich aber weniger Angst“, sagt sie. Zur Dunkelheit will sie recherchieren. Denn im Herbst publiziert sie im Mare-Verlag einen arktischen Doppelessay. Der erste Text heißt „Radio Silence“ und ist schon fertig.

Diesen Text schrieb Draesner nach einer Arktis-Reise im Sommer 2019. 2020 erhielt sie dafür den Deutschen Preis für Nature Writing. „Ich war unglaublich angerührt von dieser Landschaft und von ihrer scheinbaren Unberührtheit. Wir wissen aber, dass sie nicht unberührt ist. Sie ist von Umweltverschmutzung betroffen und vom Aussterben bedroht“, sagt sie im Gespräch mit SWR Kultur.

„Radio Silence“ will sie kombinieren mit einem Arktis-Essay über Dunkelheit. Deswegen ist sie nach Tromsø geflogen. „Ich setze mich hier einem Selbstexperiment aus: Was macht diese Dunkelheit mit mir?“

Auf „penelopes sch()iff“ die Adria hoch

Auch in ihrem aktuellen Lyrikband setzt Ulrike Draesner die Segel: In „penelopes sch()iff“ schreibt sie die Odyssee fort. Auch davon berichtet sie in ihrem Gespräch. Eigentlich kennt man Penelope als treue Ehefrau, die zwanzig Jahre lang auf die Rückkehr ihres Gatten Odysseus wartet.

Draesner versteht Penelope jedoch als kluge Königin, und sie macht sie sogar zur Seglerin. Zusammen mit anderen Frauen segelt Draesners Penelope die Adria hoch und… gründet Venedig! Hey, warum nicht? Lyrik darf das!

Einen utopischen Raum erschreiben

„Schreibend konnte ich mitgehen auf Penelopes Reise“, erinnert sich Ulrike Draesner, „und das hat mir auch erlaubt, einen utopischen Raum zu erreichen. Das war für mich selbst vielleicht die allergrößte Überraschung: das, was sich nach dem Zusammenbruch der alten Ordnung während der Fahrt die Adria hoch entwickelt hat.“

Denn es ist keine Fahrt, die auf Eroberung aus ist. „Die Frauen suchen Begegnungen, weil sie Essen tauschen und Wasser aufnehmen müssen, sie wollen handeln, Kompetenz und Güter mitzubringen. Sie fahren die Adria in Kooperation rauf, übrigens auch in Kooperation mit der Natur.“ Kurzum: friedlich. „In meinem Buch“, sagt Draesner, „weht also ein anderer Geist als der, der aktuell politisch weht.“

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Erstmals publiziert am
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Das Gespräch führte
Katharina Borchardt
Gespräch mit
Ulrike Draesner