Unannehmlichkeiten im Café
Kennen Sie das auch: Sie sitzen im Café in einer schönen Altstadt mit Kopfsteinpflaster, doch die Nerven liegen blank. Der Tisch kippelt und gleich kommen die vollen Getränke. Mit etwas Glück kann man den Tisch zurechtschieben oder den Platz wechseln. Aber wissen Sie, wer es nicht so einfach hätte, seinen Platz zu wechseln? Pianisten, wenn vor Ihnen ein wackeliges Klavier stehen würde.
Vom Cembalo zum Hammerklavier
Wir befinden uns in Italien um das Jahr 1697, genauer in Florenz. Damals gab es die frühen Tasteninstrumente, die Cembali. Diese waren zierlich, hatten vier bis sechs Beine und einen leichten Holzkorpus. Der Ton war recht einseitig, und deswegen hatten die Musiker einen Traum: ein Instrument mit mehr Varianz und Ausdruck!
Das ist bisher noch nicht möglich, denn die Saiten eines Cembalos werden mit Plektren angezupft. Der Florentiner Cembalo-Bauer Bartolomeus Cristofori feilt an einer Alternative, die ohne sein Wissen den Grundstein für den modernen Flügel legen sollte: das erste Hammerklavier.
Immer mehr Kilos
Diese frühen Hammerflügel standen übrigens auch noch auf vier, fünf oder sogar noch mehr zierlichen Beinen, ähnlich wie die Cembali. Die typische Flügelform blieb erhalten. Mit der Weiterentwicklung des Flügels wurde dieser jedoch immer schwerer: zwischen 250 und 600 Kilogramm!
Der Großteil dieses enormen Gewichts lastet auf dem Rahmen und den vorderen zwei Beinen unterhalb der Tastatur. So musste man die Beine dicker anfertigen. Und mit drei Beinen hatte man da die optimale Stabilität, ohne den Klang zu beeinflussen.
Wackelfrei dank drei
Warum steht der Flügel bis heute auf drei Beinen? Zum einen sind drei Beine die einzige Möglichkeit, das Klavier auf jedem Untergrund absolut wackelfrei abzustellen. Das Prinzip ist Physik: die Dreipunktauflage. Zum anderen verwindet sich ein dreibeiniger Korpus nicht, heißt der Resonanzboden verspannt sich weniger und die Stimmung des Klaviers hält sich besser.
Außerdem schwingt der Resonanzboden weitestgehend in der Luft und der warme Klang des Flügels kann sich gleichmäßig verteilen. Diesen modernen Standard setzten Carl Bechstein und Henry E. Steinway, heute bekannte Klavierbauer.
Gut, dass Pianisten nicht mit kippelnden Klavieren kämpfen müssen – das wäre weitaus problematischer als in der Café-Situation. Vielleicht sollten wir aber Tische im Außenbereich auch vermehrt nach dem Prinzip der Dreipunktauflage umgestalten, so wie Kamerastative, Vermessungsgeräte oder Feldstaffeleien.
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