Farbenbunte aber unbekannte Operette
Kaum einer kennt die Operette „Der Prinz von Schiras“ von Joseph Beer, denn sie wurde erst Ende 2023 am Stadttheater Regensburg in Deutschland wieder aufgeführt. Uraufgeführt wurde sie 1934 in Zürich.
Sie spielt auf einem Luxusliner auf hoher See, in einem persischen Palast und auf einer Hazienda in Alabama. Und so vielgestaltig hört sich auch der Musikmix dieser farbenbunten, rhythmusflimmernden Partitur an. Eine Partitur die anhand des Klavierauszugs neuorchestriert werden musste.
Tenorschlager
„Du warst der selige Traum“ zum Beispiel ist der schwül orientalisch parfümierte Sehnsuchtsschlager des Stückes. Hier merkt der traditionsbewusste Prinz Nadir endlich, dass er ohne die Liebe zur freigeistigen, reichen Amerikanerin Violet nicht leben kann.
Das erinnert ein wenig an den chinesisch-österreichischen Kulturen-Clash im „Land des Lächelns“ einige Jahre vorher. Doch Joseph Beer komponiert ohne schluchziges Léhar-Melodram und Sentiment, bei ihm klingt alles weniger schwer und weltläufiger.
Happy End (??)
Der von Kavalier zu Kavalier flatternden Violet ist als moderner Frau anfangs eher nach Liebelei als Heirat zu Mute. Aber ehe sie sich versieht, hat sie sich in Nadir verguckt. Und die versierten Operetten-Librettisten Fritz Löhner-Beda und Ludwig Herzer lassen sie endlich in den Hafen der Ehe einfahren, auch wenn nach vielerlei Verwicklungen das Happy End durchaus mit einigen Fragenzeichen versehen ist.
Und natürlich sorgen, ganz genreüblich, noch einige Nebenfiguren für meist komische, und auch musikalisch pikante Abwechslung. So etwa neben einem französischen Vicomte und einem persischen Höflingspaar Violets Gesellschaftsdame Nell. Sie hat sich in den Chefsteward Mr. Winterstein verguckt und stimmt mit ihm diesen peppig russisch untermalten Foxtrott an.
Erstklassiger Gesang
Zu hören all das mit dem musicalversierten, im bittersüßen Walzerrausch schwelgenden Regensburger Orchesters. Unter ihrem Chef Stefan Veselka, der diese Aufnahme wirklich zupackend leitet. Auch das Ensemble liefert eine erstklassige Gesangsleistung, wie der zu großem Tauber-Tenorschmelz fähige Carlos Moreno Pelizari als Nadir ebenso.
Die sopranstarke Kirsten Labonte überzeugt als sich nicht so schnell unterkriegen lassende Miss Violet. Michael Haake ist ihr bald verflossener Verlobter, Scarlett Pulwey die kesse Begleiterin Nell. Der alerte Paul Kmetsch gefällt als frecher Steward, Matthias Störmer gibt lässig den eleganten Grafen.
Eine Empfehlung an die übrigen Theaterhäuser
Der „Prinz von Schiras“ verzaubert und begeistert. So wie einst halb Europa. Mit seinem Witz und seiner Klangfinesse, seinen lyrischen Bögen, den mitreißenden Ensembles, den sorgsam gesetzten Solonummern in immer neuem Klangkolorit.
Das kann sich durchaus neben Paul Abraham, dem Großmeister der Jazzoperette, hören lassen. Der damals erst 24-jährige Joseph Beer wusste, wie er Akzente setzt. Schon mit diesem Erstling ist er ein versierter Theaterkomponist auf der stilistisch-modischen Höhe seiner Zeit zwischen Schlager und Opernallüre.
Um so schöner, dass nach der „Polnischen Hochzeit“ auch dieses Stück als Einspielung Bestand haben wird. Den Theatern unbedingt zum Nachspielen empfohlen.