Schwungvolle Eleganz, markante Rhythmik
An den Anfang seines Albums stellt das Kebyart Ensemble Ravels Evergreen „Le Tombeau de Couperin“. Dieses Arrangement für Saxofon-Quartett fließt so natürlich, dass man meinen könnte, Maurice Ravel hätte es für diese Besetzung geschrieben. Schwungvolle Eleganz, markante Rhythmik und plaudernde Melodien – es sind gleich alle Zutaten dabei, die das Kebyart Ensemble zu einem gefeierten Saxofon-Quartett machen.
Technische Virtuosität und guter Geschmack zeichneten auch den Jubilar Ravel aus, der als Komponist ebenso wie als Klaviervirtuose Erfolge feierte. Seine musikalische Liebe galt jedoch dem Holzbläserklang in seiner ganzen Vielfalt, dazu gehört auch das Saxofon.
Auf diesem Album kann die Schönheit dieser Instrumentenfamilie bewundert werden: Vom goldschimmernden Sopran über die warmen Mittelstimmen von Alt und Tenor bis zum sonoren Schnarren des Baritons.
Erstaunlich authentisch
Mit „Le Tombeau de Couperin“ hat Ravel der französischen Barockmusik ein Denkmal gesetzt. Das Kebyart Ensemble folgt diesen Spuren und hat seinerseits eine Cembalo-Suite von Jean-Philippe Rameau arrangiert. Obwohl es das Saxofon zu Rameaus Lebzeiten noch gar nicht gab, klingt diese Bearbeitung erstaunlich authentisch.
Der Sound erinnert an das Chalumeau, einen Vorläufer der Klarinette. Stimmig wird die Einspielung jedoch vor allem dadurch, wie das Kebyart Ensemble spielt: Ganz im Sinne historischer Aufführungspraxis atmen die Melodien, wobei sich die Stimmen im polyphonen Geflecht flexibel umspielen.
Spanische Musiker spielen spanisch/französische Komposition
Den Höhepunkt des Albums bilden zwei zeitgenössische Kompositionen, sie sind eigens für dieses Projekt entstanden und wurden inspiriert von den beiden Komponisten Ravel und Rameau. Die erste stammt von Mikel Urquiza. Er kommt wie das Kebyart Ensemble aus Spanien, hat jedoch am Pariser Konservatorium studiert und ist eng mit der französischen Kulturszene verbunden. Das bezeugt auch sein Werk „Les Perfectibilités“.
Alles passt!
Die zweite Neukomposition des Albums stammt von Joan Pérez-Villegas, ebenfalls aus Spanien. Er stellt mit „Debout, Maurice“, übersetzt „Aufwachen, Maurice!“ eine kreative Frage: Wie würde Ravel klingen, wenn er heute leben würde? Die Antwort mischt auf originelle Weise Ravel-Zitate mit moderneren Musikstilen.
Auf diesem Album stimmt einfach alles: „Unraveled“ kombiniert höchstklassiges Ensemblespiel mit einer cleveren Album-Dramaturgie und zwei wertvollen Neuschöpfungen für die Gattung Saxophonquartett.