Mehr als 80 Grundschulkinder sind im Probesaal der Pariser Philharmonie. Sie stimmen sich bei der Generalprobe ein für das große Konzert am nächsten Tag.
Mattia Bornati leitet das Kinderorchester. Er fühlt sich gut vorbereitet. Die Kinder seien in gewisser Weise aber auch unvorbereitet. „Sie wissen noch gar nicht, was ein Konzert ist.“, erklärt der Orchesterleiter. Die Kinder spielen erst seit einem Jahr im Orchester.
Kinder kennen weder Orchester noch Instrumente
Die ersten Proben haben ohne Instrumente angefangen, erzählt Bornati. Für ihn sei das ziemlich kurios gewesen: „Da kommst du als Orchesterleiter zur Probe und siehst aber keine Instrumente.“ Die Kinder wüssten zunächst einmal nicht, was ein Orchester ist und welche Instrumente es überhaupt gibt, erinnert er sich.
Bei den ersten Übungen ging es darum, ein Gespür für die Gruppe zu bekommen und mit dem Körper Klänge zu erzeugen, zu tanzen und zu singen. „Dann haben wir uns an die Instrumente gewagt und auf drei Töne geeinigt, die alle unisono gespielt haben. Es klang richtig gut nach gerade einem Monat mit Instrument.“, freut sich der Orchesterleiter.
Jugendzentren in sozialen Brennpunkten wählen Kinder aus
Die Kinder proben bis zu dreieinhalb Stunden in der Woche, meistens in kleineren Gruppen mit Musiklehrern. Klassische Musik ist für die Kinder neues Terrain.
Die Chance im Orchester zu spielen, verdanken sie Jugendzentren in sozialen Brennpunkten. Diese wählen die Kinder aus. Dabei achten sie darauf, dass sich die Bevölkerungsstruktur im Viertel widerspiegelt.
Musik soll für alle da sein
Vor fünfzehn Jahren ging es mit vier Orchestern im Pariser Raum los. Inzwischen gibt es über 50 sogenannte Demos-Jugendorchester in ganz Frankreich. Ein zentrales Credo: Die Familien der Kinder sollen aktiv miteinbezogen werden, etwa im Eltern-Chor. Öffentliche Gelder, Mäzen und kleine Privatspenden fördern das soziale Projekt.
Gilles Delebarre ist der Ideengeber hinter dem Projekt. Er ist der Meinung, dass insbesondere klassische Musik nicht einem kleinen Teil der Bevölkerung, die ein gehobenes Einkommen hat, vorbehalten sein dürfe. „Wir haben festgestellt, dass Kinder, die eingewandert sind, erst im Projekt das Gefühl bekommen, endlich dazu zu gehören.“
Am Tag vor dem Konzert proben die Kinder alle Abläufe minutiös. Dann kommt der große Konzerttag. Die Philharmonie von Paris lädt zum Galaabend ein. Das Debüt hat allen Lust auf mehr gemacht. Nach der langen Sommerpause können die Kinder ihr zweites Jahr im Orchester kaum erwarten.