Der Prototyp der Bieroper
Wer diese ungemein poetischen Verse „Bier her, Bier her oder ich fall um“ eines deutschen Trinklieds gedichtet hat, ist nicht überliefert. Es könnten aber durchaus junge Nachwuchs-Akademiker gewesen sein. In Studentenkreisen hat sich schließlich eine ganz besondere Gattung des Musiktheaters entwickelt. Und das ist jetzt echt bier-ernst gemeint: die so genannte Bieroper.
Zwei Jenaer Studenten blödeln sich munter durch die Wein- und Bierseligkeit. Darum geht es grob gesagt im „Jenaischen Wein und Bierrufer“. Das komische Singspielchen gilt als Prototyp der Bieroper.
Und wer hat’s erfunden? Ein Bach! Nein, nicht Johann Sebastian, sondern Johann Nicolaus Bach. Was mag diesem Bach wohl lieber gewesen sein: Wein oder Bier? Eine wichtige Frage, die auch schon die „richtige“ Oper beschäftigt hat.
Eine wichtige Frage: Bier oder Wein?
„Vin ou bière“ („Wein oder Bier“) – den Studenten vor der Taverne im zweiten Akt von Gounods Faust-Oper ist es egal, was es zu trinken gibt.
In der deutschen Übersetzung des Librettos heißt es übrigens: Wein und Bier. Eine Anspielung an die Trinkgewohnheiten hierzulande mit ihren hin und wieder fatalen Folgen für den nächsten Morgen?
Klar ist jedenfalls – schon in der frühen Neuzeit hieß es: Wer froh sein will, liebt Bier und Wein. Naja, aber man kann auch ohne Alkohol Spaß ... ach, lassen wir das!
Bierselige Komponisten
Der Komponist Adam Krieger ist vor allem für seine feucht-fröhlichen Lieder bekannt. In seinem „anderen“ Leben hat er jeden Sonntag brav die Orgel in der Leipziger Nikolaikirche gespielt.
Orgel und Bier – hmm, da kommt doch gleich noch ein anderer Komponist in den Sinn: Max Reger. Der war schließlich ein besonders begeisterter Biertrinker. Mit 43 Jahren wurde ihm seine Bier-Liebe allerdings zum Verhängnis: 1916 ist er auch an den Folgen seines übermäßigen Alkoholkonsums gestorben.
Max Regers Heimat ist eine Gegend, wo in fast jedem Ort irgendjemand eine kleine Brauerei betreibt. In Weiden in der Oberpfalz wird sogar ein Max-Reger-Dunkelbier hergestellt. Die dafür verantwortliche Brauerei hat sich stolz nach dem vermeintlichen Erfinder des Bierbrauens benannt: Gambrinus heißt der.
Belgien: Ein Bierparadies
Sicher nicht zufällig taucht der Name dieses mystischen germanischen Herrschers erstmals in Flandern auf. Das heutige Belgien ist schließlich ein Paradies für Bierfreunde aus aller Welt. Und so ein feucht-fröhliches Chanson kann ja nur von einem Belgier gebraut werden:
„Auf das volle Glas, meine Freunde! Während man es trinkt, muss man es besingen!“, heißt es da. Diese kostbaren Verse stammen vom Komponisten Maurice Guillaume. Und er hat natürlich recht: Bier und Gesang bilden einen ganz wunderbaren Klang!
Bier als eine Art allegorische Figur
Das Feierabend-Bier gehört offenbar schon seit Jahrhunderten zum Sein dazu. In dem Lied „Lecker Beetgen en Cleyn Bier“ von Josquin Baston sogar als eine Art allegorische Figur. Auf Deutsch lautet der Text: „Leckerer Bissen und kleines Bier gingen aus der Stadt hinaus. Im Schutz der Dunkelheit kamen sie an die Tür der verrückten Nane ...“
Denkbar ist jedenfalls, dass „kleines Bier“ der Spieler eines Blechblasinstruments gewesen ist. Denn die haben ja eine besonders enge Beziehung zum Gerstensaft.
Richard Strauss als Bier-Bub
Das gilt sicher auch für den königlich bayerischen Hofhornisten Franz Strauss. Im Jahr 1863 hatte der Josephine Pschorr aus der gleichnamigen Münchner Bierbrauer-Dynastie geheiratet. Ihr Sohn Richard wurde dann zum Schöpfer des berühmten Rosenkavaliers. Ein halber Bier-Bub sozusagen ...
Seiner Bier-brauenden Familie mütterlicherseits hat Richard Strauss die Partitur seiner Oper „Der Rosenkavalier“ gewidmet. Wie sich die Verwandtschaft revanchiert hat, ist mir nicht bekannt.
Das Bier als Gottesgabe
Geselliges Biertrinken schweißt jedenfalls zusammen – das wussten schon die Mönche im Mittelalter – von den Paulanern über die Benediktiner bis zu den Franziskanern. Ihnen allen war schon immer klar: Es muss ein göttlicher Funke in diesem heiligen Gebräu stecken.
„Welch Gottesgabe ist das Bier“ singt der Chor in Bedrich Smetanas Oper „Die verkaufte Braut“. Und vielleicht ist dem Komponisten ja mit seinem Bierchor so etwas wie die inoffizielle Hymne der Biertrinkerinnen und Biertrinker gelungen. Ich finde sie jedenfalls in jeder Hinsicht berauschend. Na denn: Prost zusammen!
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