Benjamin Appl startet das Album ganz bewusst mit Franz Schuberts „An die Musik“. Dieses Lied gipfelt in dem Satz „du holde Kunst, ich danke dir“. Damit formuliert es das Credo dieser Jahrhundertfigur als Botschafter des deutschen Liedes: Immer kleiner bleiben als das Werk, in dessen Dienst man sich stellt.
Lieder erzählen Leben des Sängers nach
„Für Dieter“ erzählt auf so ehrliche wie kluge und berührende Weise das Leben dieses sehr besonderen Sängers in 32 Liedern nach. Benjamin Appl hat aus Fischer-Dieskaus immensem Repertoire ausgewählt, um biografische Stationen und Schlüsselmomente zu beleuchten.
Dem jungen Dietrich Fischer-Dieskau schrieb sein Bruder Klaus Lieder. Zum Beispiel „Wehmut“ nach einem Goethe-Gedicht. Eine der vielen Überraschungen, die dieses Album samt seinem mustergültigen Booklet zu bieten hat.
Schüler macht dem Meister alle Ehre
„Für Dieter“ bietet feine, vielfach Fischer-Dieskau-Briefe zitierende Texte Appls an. Das ist frisch gesungen, mit dem versatilen James Baillieu am Klavier. Der Schüler macht dem Meister alle Ehre, kann dem heiklen Vergleich als moderner, reflektierender Interpret durchaus standhalten.
Man braucht also keine hunderte von Silberscheiben, um sich an das große Können, die einzigartige Meisterschaft und die Mission Dietrich-Fischer Dieskaus zu erinnern. Diese Sammlung schafft es spielerisch-ehrerbietig als Nussschale und Nukleus.
Musikthema Ein Jahrhundertsänger: Zum 100. Geburtstag von Dietrich Fischer-Dieskau
Als Liedsänger ist er bis heute unübertroffen: Über eintausend Lieder hatte Dietrich Fischer-Dieskau in seinem Repertoire – und das in einer vollendeten Einheit von Text und Musik. Hinzu kamen nahezu alle bedeutenden Opernpartien für sein Fach. Mehr als 40 Jahre währte die künstlerische Laufbahn des Jahrhundertsängers. Am 28. Mai feiert die Musikwelt den 100. Geburtstag des Ausnahmekünstlers.