Dem Musiktheater im Barock war kaum etwas Zwischenmenschliches fremd: Teilzeitlesben, Crossdresser, Metrosexuelle, Drag Queens, Immergeile, Dauerkeusche, Verliebte, Verrückte – zumindest bevor Klerus und Obrigkeit für Jahrhunderte der Oper einen Moralmaulkorb verpassten. Man weiß solches von Monteverdi und auch von Francesco Cavalli, der seit 1668 dessen Nachfolger als Domkapellmeister an San Marco war. Cavalli wurde mit seiner besten Oper „La Calisto“ im letzten Sommer beim Festival von Aix-en-Provence gefeiert. Die kostbare Inszenierung ist nun auf CD erschienen und hat Manuel Brug überzeugt.