Die Hälfte aller neuen Songs ist KI-generiert

Wenn KI die Charts erobert: 5 Tipps, um KI-Musik zu entlarven

KI-Musik überschwemmt Spotify und Co. Das Problem: Kaum jemand kann sie noch von echter Musik unterscheiden. Wir zeigen fünf Wege, um zu entlarven, ob hinter einem Hit noch ein Mensch steckt.

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Von Autor/in Lydia Huckebrink

  1. Ganz genau hinhören
  2. Die Credits prüfen
  3. Die Artists googlen
  4. Die Streamingdienste verstehen
  5. KI-Detektoren testen

Dieser Hit hat keinen Musiker

Es klingt ein bisschen wie Otis Redding: Eddie Dalton hat diese heisere Stimme, wie sie im Blues und Soul der 1960erJahre so charakteristisch war.

Als Eddie Dalton im April auf der musikalischen Landkarte auftaucht, begeistert der nostalgische Sound viele. Der Song „Another Day Old“ schießt in die Top 3 der offiziellen Single Charts Großbritanniens, landet in den iTunes-Charts in den USA und Australien an der Spitze.

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Was die meisten Hörerinnen und Hörer nicht durchschaut haben dürften: Eddie Dalton ist komplett KI-generiert.

Fast jeder zweite neue Song ist KI-generiert

Das ist kein Einzelfall. Schon im vergangenen Sommer tauchte mit The Velvet Sundown eine vermeintliche Akustik-Folkrock-Band auf, deren Stil stark an Neil Young erinnert. The Velvet Sundown wurde wie eine echte Band vermarktet, sammelte Hunderttausende Hörerinnen und Hörer auf Spotify. Erst dann stellte sich heraus: Musik und Auftreten stammen vollständig von KI.

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KI-Musik ist nicht mehr Nischenprodukt, sondern ein Massenphänomen, das in den Mainstream drängt. Das offenbaren auch aktuelle Zahlen: 44 Prozent aller Uploads auf der Streamingplattform Deezer stammen mittlerweile von KI. Das ist fast jeder zweite neue Track, 60 000 täglich.

Das Problem: Wer in Musik die menschliche Erfahrung sucht – und das dürfte für die große Mehrheit gelten – will keine KI-Musik hören. Streamingzahlen verschleiern das. Denn die meisten Menschen können menschengemachte Musik gar nicht von KI-Musik unterscheiden, selbst wenn sie wollten.

Wie behält man da den Überblick? Hier ein paar Tipps, die Licht ins Dunkel bringen im Wildwuchs der KI-Musik.

Ein KI-Musikstück wird auf dem Programm Suno erstellt
KI-Programme wie Suno oder Udio erstellen in Sekunden aus wenigen Text-Prompts ganze Musikstücke. ASSOCIATED PRESS | Robert F. Bukaty

1. Ganz genau hinhören

Die schlechte Nachricht vorweg: 97 Prozent der Hörerinnen und Hörer können laut einer Umfrage von Deezer nicht erkennen, ob ein Musikstück von einer KI stammt oder nicht. Kein Wunder: Noch vor kurzer Zeit fehlte KI-Musik jede Ecke und Kante. Inzwischen sind Musikprogramme wie Suno oder Udio viel besser darin geworden, Gefühle zu imitieren und kopieren auch das menschlich Unperfekte immer besser.

Trotzdem lohnt es sich, kritisch hinzuhören. Vor allem bei der Qualität der Lyrics: Texte von einer KI bleiben emotional oberflächlich. Bilder und Vergleiche bedienen Klischees, statt zu überraschen. Spricht hier jemand von eigenen Erlebnissen oder bleibt der Text bei Allgemeinplätzen? KI ist nämlich nicht sehr gut darin, persönliche Perspektiven zu simulieren.

2. Die Credits prüfen

Musik ist in der Regel ein Gemeinschaftswerk. Schaut man zum Beispiel in Spotifys Song-Infos zu Neil Youngs Track „Heart of Gold“, stehen da ganze neun Mitwirkende aufgelistet: Musikerinnen, Produzenten, Songwriter. Taucht in den Credits dagegen nur ein einzelner Name auf  – oder gar keiner – ist das zumindest auffällig.

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Ähnlich aufschlussreich sind Veröffentlichungsrhythmus und Bildsprache. Dass ein Projekt wie The Velvet Sundown innerhalb von nur zwei Monaten ganze drei Alben mit je 13 Tracks veröffentlicht, und das bei gleichbleibender Qualität, ist – genau: unglaubwürdig. Auch die Albumcover sprechen für sich: Sie sind pseudo-psychedelisch, seelenlos und austauschbar. Das denkt sich kein Mensch aus.

3. Die Artists googlen

Eine Künstlerin, die scheinbar aus dem Nichts auftaucht: Wer sicher sein will, dass hinter der Musik ein Mensch aus Fleisch und Blut steckt, sollte auch nach Indizien im echten Leben suchen: Interviews, Festivalauftritte, Tourdaten.

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Existieren Profil auf Instagram, auf TikTok? Gibt es dort eine erkennbare und aktive Fanbase? Und schließlich: Stehen die Streamingzahlen in einem plausiblen Verhältnis zur Reichweite in den sozialen Medien?

4. Die Streamingdienste verstehen

Deezer positioniert sich offensiv als eine Art Anti-KI-Streamingdienst. Als einzige Plattform kennzeichnet sie KI-Inhalte und schließt sie konsequent aus algorithmischen Playlists und Empfehlungen aus. Das trifft einen Nerv, denn es adressiert offensichtlich ein reales Bedürfnis vieler Nutzenden. Apple Music zieht nach und plant ebenfalls eine KI-Kennzeichnung.

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Laut einer Studie von Deezer können 97 Prozent der Befragten KI-generierte Musik nicht von menschengemachter Musik unterscheiden. IMAGO / SOPA Images

Spotifys Ansatz hingegen ist stärker Artist-zentriert. Bald sollen Inhalte gekennzeichnet werden, die nicht KI-generiert sind. Verifizierte Künstlerprofile erhalten dann ein grünes Häkchen. Zudem gibt es für Künster*innen Upload-Filter, die verhindern sollen, dass Fake-Veröffentlichungen auf deren Profilen erscheinen. 

Für Nutzerinnen und Nutzer heißt das: Plattformen verfolgen beim Thema KI-Musik unterschiedliche Interessen. Wer KI-Musik entgehen will, sollte deshalb auch darauf achten, wie Streamingdienste KI-Inhalte kennzeichnen und empfehlen.

Während Deezer KI-Inhalte sichtbar aus Empfehlungen heraushält, passt KI-generierte Musik grundsätzlich gut zu Spotifys Logik personalisierter Dauerbeschallung für jede Gelegenheit – vom Einschlafen bis zum Workout. Algorithmische Playlists und KI-gestützte Empfehlungen gehören seit Jahren zum Kern des Geschäftsmodells. KI-Musik fügt sich darin nahtlos ein.

5. KI-Detektoren testen

Unter anderem Deezer hat ein Tool entwickelt, das KI-generierte Musik zuverlässig erkennen will. Wie gut das tatsächlich funktioniert, ist aber umstritten. Kritische Stimmen warnen, dass KI-Detektoren neue Probleme schaffen. Zum Beispiel weil sie auch menschlich produzierte Tracks als KI einstufen. Die Folge: Sie landen nicht in Playlists oder Empfehlungen. Das ist ein spürbarer Nachteil für Künstlerinnen und Künstler.

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