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Neueinspielung: Klavier- und Violin-Konzerte von Florence Price

1951 hat das Chicago Symphony Orchestra die 1. Sinfonie von Florence Price uraufgeführt. In den letzten Jahren feiert die Musikwelt die Wiederentdeckung der Komponistin. Jetzt sind zwei Violinkonzerte und ein Klavierkonzert in einer Neueinspielung mit dem Malmö Opera Orchestra erscheinen.

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Von Autor/in Thilo Braun

Mit verträumten Klängen eröffnet Florence Price ihr Klavierkonzert: Blech- und Holzbläser werfen einander melancholische Phrasen zu, ein Frage-Antwort-Spiel in Moll. Der Einsatz des Pianisten kurz darauf wirkt wie ein Weckruf.

Kraftvoll, energisch, selbstbewusst: so interpretiert Solist Han Chen diesen ersten Klaviereinsatz. So wollte sich wohl auch Komponistin Florence Price zeigen mit diesem Werk, das sie 1934 selbst am Klavier uraufführte. 

Piano Concerto in One Movement in D Minor (Ed. N. Greer & C. Lark) in D Minor: Andantino

Erste Schwarze Komponistin, die von den „Big Five“ aufgeführt wird

Im Jahr zuvor hatte Florence Price einen gewaltigen Karriereschritt gemacht: Das Chicago Symphony Orchestra hatte ihre erste Sinfonie gespielt. Damit war sie die erste Schwarze Komponistin, deren Sinfonie von einem der „Big Five“, also der fünf besten US-amerikanischen Orchester, aufgeführt wurde. 

Der erhoffte „Durchbruch“ blieb jedoch aus: Kompositionsaufträge ließen auf sich warten, prominente Dirigenten ignorierten ihre Anfragen, sexistische und rassistische Ressentiments machten ihr das Leben schwer. 

Pianist Han Chen spielt präzise, mit gestochen scharfer Rhythmik

Womöglich hatte Pianist Han Chen dieses Schicksal beim Spielen im Hinterkopf. Sein Anschlag am Flügel wirkt jedenfalls kühl, manchmal fast hart. Alles atmet Strenge, das klingt etwas kontrolliert, dafür aber präzise, mit gestochen scharfer Rhythmik.

Ein übermütiger Ragtime als Finale ist typisch Florence Price: In fast allen ihren Werken mischte sie klassisch-romantische Orchestertradition mit Elementen afroamerikanischer Musik.

Blues-mäßige Harmonik und perkussive Tutti-Schläge

In ihrem ersten Violinkonzert, entstanden 1938, sind die Bezüge etwas versteckter, lassen sich aber erahnen in der blues-mäßigen Harmonik und perkussiven Tutti-Schlägen, die von Sklaventänzen inspiriert wurden. 

Was das etwas zahnlose Malmö Opera Orchestra an Spannung vermissen lässt, macht die französische Solistin wett: Fanny Clamagirand. Sie spielt mit Verve, wagt kräftige Kontraste, kostet genüsslich die romantischen Gesänge aus. Das macht vor allem ihre Kadenzen zu einem mitreißenden Vergnügen.

Violin Concerto No. 1 in D Major: I. Tempo moderato

Ehepaar aus Chicago entdeckte vor wenigen Jahren Noten von Price

Beinahe wäre diese fantastische Musik für immer verloren gegangen. Erst 2009 hatte ein Ehepaar auf dem Dachboden eines Hauses in Chicago, das Price einmal bewohnte, Noten entdeckt: Darunter beide Violinkonzerte und das Klavierkonzert in einem Satz.

Das zweite Violinkonzert entstand 1952. Ein Jahr bevor Florence Price im Alter von 66 Jahren durch einen Schlaganfall starb. Es ist noch reicher instrumentiert als das Erste und sieht neben Streichern und Bläsern auch Klavier, Celesta und Percussion vor.

Blühende, leicht zugängliche Musik vereint viele Stile

Das Malmö Opera Orchestra unter Leitung von John Jeter bringt diese instrumentale Vielfalt zum Strahlen. Es fasziniert, wie viele Stile Florence Price in ihren Werken vereint. Das ist blühende, leicht zugängliche Musik.

Für die Interpreten allerdings nicht trivial und das Malmö Opera Orchestra tut sich stellenweise schwer. Doch das schmälert nicht den Wert dieser Aufnahme. 

Florence Price sollte einen festen Platz im Kanon haben, es lohnt sich, sie zu entdecken. Und dazu trägt dieses Album mit den Solisten Fanny Clamagirand und Han Chen in jedem Fall bei.

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Autor/in
Thilo Braun
Thilo Braun
Künstler/in
Fanny Clamagirand (Violine), Han Chen (Klavier), Malmö Opera Orchestra, John Jeter