Handschriften, Erstdrucke, Briefe und Fotografien – die Sammlung des Lübecker Brahms-Instituts ist genauso einmalig wie sie umfangreich ist. Um die wertvollen Dokumente einer möglichst breiten Öffentlichkeit zugänglich zu machen, hat man sich in Lübeck nun dazu entschieden, den Bestand zu digitalisieren und im Rahmen des neuen „Brahms-Portals“ online verfügbar zu machen.
Über 10.000 digitalisierte Objekte sind bereits online abrufbar. Das Besondere: Von Musikwissenschaftler*innen geschriebene und journalistisch aufbereitete Werkeinführungen sowie Videopartituren geben profunde Einblicke in die Welt von Johannes Brahms.
Videopartitur zu Brahms' Klavierquartett A-Dur op. 26
„Brahms wäre kein Fan gewesen“
Brahms selbst hätte sich wohl nicht sonderlich für ein derartiges Projekt erwärmen können, scherzt Dr. Teresa Cäcilia Ramming, kommissarische Geschäftsführerin des Brahms-Instituts.
Der Komponist galt als sehr kritisch, was die Veröffentlichung seiner Kompositionsskizzen und Korrespondenzen betraf. Seine Briefe an Clara Schumann versenkt er etwa bei einer Dampferfahrt in den Fluten des Rheins.
Einem Digitalisierungsprojekt hätte der ohnehin eher konservative Komponist daher wohl kritisch gegenübergestanden, meint Ramming. Wobei: Vielleicht wäre er dem Ansinnen etwas offener begegnet, wenn er geahnt hätte, dass seine Werke noch mehr als 125 Jahre nach seinem Tod gehört und geliebt werden.
Musikstunde Das Klavierwerk von Johannes Brahms (1-5)
Mit Matthias Kirschnereit
Internationales Kompetenzzentrum der Brahms-Forschung
Das Brahms-Insitut der Musikhochschule Lübeck gilt als internationales Kompetenzzentrum der Brahms-Forschung. Den Grundstein bildete die Sammlung Hofmann, die 1991 in den Besitz der Musikhochschule überging und bis dahin als weltweit größte private Brahms-Sammlung galt.
Wichtig für die Mitarbeitenden des Brahms-Instituts sei, dass das „Brahms-Portal“ nicht nur als Datenbank für Musikwissenschaftler*innen genutzt werde, so Institutsleiterin Teresa Cäcilia Ramming. Auch interessierte Laien könnten sich so vor einem Konzertbesuch einlesen oder auf die Recherche nach historischen Aufnahmen machen.
Das neue Portal werde laufend erweitert. „Wir werden die Bestände weiter erfassen und mit Digitalisaten ausstaffieren“, sp Ramming. Auch der Einsatz von K.I. und eine Ausweitung auf den Bereich der Musikvermittlung seien künftig denkbar. Doch das sei aktuell noch Zukunftsmusik.