Liedpianistin Elenora Pertz im Gespräch

Noch immer Männerdomäne? Der Verein „Lied the Way“ fördert Liedbegleiterinnen

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Liedbegleitung: Nach wie vor eine Männerdomäne

Die Liedbegleitung ist seit dem 20. Jahrhundert aus ihrem Schattendasein getreten und zu gleichberechtigten künstlerischen Partnern der Sängerinnen und Sänger geworden. Doch bis heute scheint die Liedbegleitung vor allem eine Männerdomäne zu sein.

Elenora Pertz will das ändern. Sie ist selbst eine gefragte Liedbegleiterin, leitet die Klasse für Liedgestaltung an der Musikhochschule Bremen und hat vor vier Jahren den Verein „Lied the Way“ gegründet, der ein Netzwerk für Frauen in der Kunstliedszene sein will.

Liedpianistin Elenora Pertz vom Verein "liedtheway"
Liedpianistin Elenora Pertz vom Verein „Lied the Way“.

Frauen waren immer sehr präsent in der Liedbegleitung

Mit der Liedbegleitung verhalte es sich ein bisschen anders als mit der Sichtbarkeit von Dirigentinnen oder Komponistinnen, erklärt Pertz. Während wenige Frauen Dirigieren und Komposition studiert hätten, habe es immer genauso viele Frauen gegeben, die Liedbegleitung studierten, wenn nicht mehr.

Warum dennoch zumeist Männer sich in diesem Bereich hervortun, erklärt sich Pertz wie folgt: Die Karriere als Liedbegleitung schlagen Musikerinnen und Musiker meist im Alter jenseits der 30 ein, eine Zeit in der viele Frauen Mütter werden. Es gebe zudem keine Festanstellungen, Liedbegleitung sei generell eine freiberufliche Tätigkeit. Frauen scheitern zudem häufiger als Männer an unternehmerischen Hürden, so Elenora Pertz.

Zudem gebe es festgefahrene gesellschaftliche Vorstellungen: Viele Liedbegleiter arbeiten mit vielen unterschiedlichen Sängerinnen und Sängern zusammen. Männern gestehe man diesbezüglich auch im Beruflichen mehr Partnerwechsel zu als Frauen.

Valerie Eickhoff und Elenora Pertz interpretieren Korngolds Lied „Sommer“

„Lied the Way“ versucht, neue weibliche Netzwerke zu knüpfen

Darüber hinaus sei auch das Repertoire etwas ausgrenzend, erklärt Pertz weiter. Viele Lieder, insbesondere des 19. Jahrhunderts, seien von Männern geschrieben worden, nach lyrischen Texten von Männern. Frauen im Liedfach würden häufig den Einstieg durch feministische oder als feministisch besprochene Programme finden.

Auch im Bildungsbereich seien Frauen in Sachen Lied nach wie vor unterrepräsentiert: In Deutschland habe es noch nie eine weiblich besetzte Professur für Liedgestaltung gegeben, so die selbst unterrichtende Liedbegleiterin.

Mit ihrem Verein „Lied the Way“ will Pertz Frauen in der Kunstliedbranche zusammenbringen und berufliche Netzwerke knüpfen. Einmal im Jahr organisiert der Verein Workshops und ein Festival in Florenz, das zwischen dem 8. und 13. Juli in der Fondazione Masacarade stattfinden wird. Nicht nur Pianistinnen, sondern auch weibliche Liedduos sind in diesem Jahr eingeladen. Die zentrale Frage dabei: Wie können Frauen im Liedfach besser kollaborieren und weibliche Perspektiven in die Welt des Kunstlieds tragen?

Buch-Tipp Aliette de Laleu: „Komponistinnen. Frauen, Töne & Meisterwerke. Die wichtigsten Komponistinnen von der Antike bis heute“

Spätestens seit der #MeToo-Bewegung gibt es zahlreiche Bücher über Komponistinnen, Dirigentinnen und über vergessene Frauen der Musikgeschichte. Ist die Autorin Aliette de Laleu mit ihrem neu erschienenen Buch „Komponistinnen. Frauen, Töne & Meisterwerke“ also ein wenig spät dran? Auf keinen Fall, findet SWR Kultur-Rezensentin Hannah Schmidt: Das Buch füllt eine wichtige Lücke.

Treffpunkt Klassik SWR Kultur

Erstmals publiziert am
Stand
Das Interview führte
Kaharina Eickhoff
Interview mit
Elenora Pertz
Onlinefassung
Dominic Konrad