Liebe und Wahnisnn, Träume und Tod, rauschhafte Zustände und Gefühlschaos – all das behandelt die „Symphonie fantastique“ von Hector Berlioz. Im ersten Konzert für Junge Leute in dieser Spielzeit am Mainzer Staatstheater gibt es gleich die ganze Gefühlspalette zu hören.
Und der neue Dirigent Gabriel Venzago setzt hier noch einen drauf: Er kombiniert die Musik, mit vier Autor*innen der Spoken Word Performance. Nach jedem Satz der Symphonie tritt eine Poetry Slammerin oder ein Poetry Slammer auf und liest einen eigenen Text dazu. Wie passt denn das zusammen?
Das passe total super, findet Dirigent Gabriel Venzago., die „Symphonie fantastique“ trage schon in sich eine starke Geschichte: „Es ist ein junger Mensch, der in die Welt herausgeht und mit Enttäuschungen und deren Verarbeitungen konfrontiert ist“, erklärt der Dirigent.
Ich finde, das ist eine wahnsinnig tolle Energie, dass wir heute junge Menschen da haben, die sich darüber ihre Gedanken machen. Deswegen kriegt das Programm eine zweite und dritte Ebene und kann wirklich abheben.
„Ich spüre diese tiefen Emotionen von Berlioz“
Innerliche Zerrissenheit zwischen der eigenen Innen- und Außenwahrnehmung und Selbstliebe sind die Themen von Aileen Schneiders Text.
Es sei genau dieses innerliche Durcheinander, das sie auch in Berlioz' Musik spüre, sagt die Poetry-Slammerin Schenider: „Ich spüre diese tiefen Emotionen, das Verstandenwerdenwollen von Berlioz, was ja ein sehr spätromantischer Gefühlsgedanke ist: Wie schaffe ich es, meinen Emotionen freien Raum zu lassen? Wie schaffe ich es, sie rauszulassen? Und wie schaffe ich es, da in eine Kommunikation zu treten? Und daher habe ich das Gefühl, das passt sehr gut zueinander.“
Das SWR Symphonieorchester unter Christoph Eschenbach spielt Berlioz
Lyrische Auseinandersetzung mit der Musik
Die Slammer*innen wie auch ihre Themen sind ganz unterschiedlich. Leander Bauer zum Beispiel, der einen Text über die Liebe in Zeiten des Krieges vorträgt, war noch nie in einem klassischen Konzert. Aileen Schneider dagegen inszeniert selbst Opern. Doch was alle Texte gemeinsam haben: Sie sind ernst und nachdenklich.
Sie erzählen von Liebe, die nicht sein darf. Vom Konflikt zwischen den Generationen. Vom Unverständnis der Alten für die Jugend. Von Träumen, aus denen man gerissen wird, und Alpträumen aus denen es kein Erwachen gibt. Von Selbstzweifel und innerer Zerrissenheit.
Die Texte sind keine 1:1-Übersetzungen der Musik. Sie greifen einen Gedanken der Musik auf, entwickelt ihn ganz individuell weiter und machen eine Metaebene auf. Die Musik trennt die Texte voneinander, und die Texte die Musik. Dadurch entsteht eine sehr kraftvolle Wechselwirkung.
Ein Theatererlebnis von jungen Menschen für junge Menschen
Die Slammer*innen haben eine besondere Begabung, Gefühle zu transportieren, sagt Dirigent Venzago: „Da gibt es keine Grenze, keine Mauer, die treffen einfach mit ihren Worten direkt ins Herz. Und wenn man die Sinfonie am Stück dirigiert, dann hat die auch ihren eigenen Bogen, dann kann man sich an den Noten die Welt ergründen.“
Die Slammer*innen hat Venzago selbst gemeinsam mit seiner Mitarbeiterin Maya Herrera Torrez gesucht, gefunden und eingeladen. Sie konnten sich ihre Texte selbst zu einem bestimmten Satz der Sinfonie auswählen. So wird das erste Konzert der Reihe „Konzert für junge Leute“ zu einem besonderen Theatererlebnis, Nicht nur für, sondern auch von jungen Menschen.