Zwischen Grunge und Gegenwart

Warum Post Malone der perfekte Botschafter für den Record Store Day ist

Der Record Store Day feiert das Analoge: Und ausgerechnet Gen-Z-Star Post Malone steht im Mittelpunkt. Das ist kein Widerspruch, sondern Ausdruck eines neuen Musikbewusstseins, in dem Vinyl-Hype und Streaming-Kultur beide ihren Platz haben.

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Von Autor/in Samira Straub

Vinyl ist längst zurück – und das nicht als nostalgisches Nischenprodukt, sondern als kulturelles Phänomen. Während Streamingdienste rund um die Uhr Zugriff auf Millionen Songs versprechen, entscheiden sich immer mehr Musikliebhaber*innen bewusst für das Gegenteil: Den haptischen Fokus auf ein Album einer Künstler*in.

Es wundert also nicht, dass auch der Record Store Day Jahr für Jahr erfolgreicher wird. Seit 2008 steht der internationale Tag im Zeichen unabhängiger Plattenläden. Dieses Jahr steht die Veranstaltung am 12. April unter der symbolträchtigen Schirmherrschaft des amerikanischen Sängers Post Malone.

Post Malone
Post Malone tritt als Schirmherr des Record Store Days in Fußstapfen von Künstlern wie Metallica oder Taylor Swift.

Der Record Store Day und sein Botschafter Post Malone: Eine kulturelle Brückenfigur

Dass ausgerechnet ein junger Star, der in der Musikstreaming-Ära groß geworden ist, zur Stimme des Record Store Day wird, ist eine Entscheidung, die auf den ersten Blick überraschen mag – auf den zweiten aber ziemlich genau den Zeitgeist trifft.

Post Malone, bürgerlich Austin Richard Post, wurde mit Songs wie „Rockstar“ und „Circles“ zu einem der erfolgreichsten gegenwärtigen Künstler. Sein Sound: ein Mix aus melancholischem Pop, Trap-Beats und Rock-Zitaten, der mühelos Genregrenzen übersteigt.

Bekannt für seinen betont legeren Kleidungsstil und seine exzentrischen Gesichtstattos, ist „Posty“ (wie ihn seine Fans nennen) gewissermaßen der perfekte Star für die Generation Z: musikalisch überall zu Hause – und auf allen Plattformen präsent.

Aber er stellt auch eine kulturellen Brückenfigur dar: Denn obwohl Post Malone im hiesigen digitalen Musikzeitalter den Ton angibt, zeigt er sich nostalgisch, wie ein kommendes Nirvana-Tribute-Album nahelegt. Ein Streaming-Popstar, der Emo-Rap macht, und ein Multiinstrumentalist, der Grunge liebt.

Post Malone, Botschafter des Record Store Days 2025
Mit 65 Millionen monatlichen Hörer*innen weltweit gehört Post Malone zu den Top 10 der weltweit meistgestreamten Acts aller Zeiten. Sein Hit „Sunflower“ (rund 3.8 Milliarden Plays) ist einer der meistgestreamten Songs der Plattformgeschichte.

Zwischen Nirvana und Nostalgie

Post Malone, Jahrgang 1995 und somit erst nach dem Tod Kurt Cobains geboren, wurde mit Nirvana sozialisiert und machte seinen ganz persönlichen Fanboy-Moment zum weltweiten Pandemie-Streamingereignis.

Post Malone x Nirvana Tribute - Livestream

2020 coverte er Nirvana-Songs live aus seinem Wohnzimmer – Barhocker, Zigaretten, DIY-Flair inklusive – und hatte dabei namhafte Musiker-Kollegen wie Travis Barker von Blink 182 an seiner Seite. Das Video des Wohnzimmer-Konzerts ging viral, begeisterte alteingesessene Grunge-Fans und Gen Z gleichermaßen.

Post Malone killed it.

Jetzt erscheint der Gig als offizielles Nirvana-Tribute-Album, exklusiv zum Record Store Day, in einer streng limitierten Auflage von 17.000 Stück. Nicht nur ein PR-Stunt, sondern eine konsequente Weiterführung dessen, was Post Malone schon länger verkörpert: eine Popfigur mit Gefühlstiefe und Formatverständnis.

Malones Auswahl als RSD-Botschafter erscheint auch als klares Statement: Denn er repräsentiert eine Generation von Musiker*innen, die Genregrenzen nicht als Wände, sondern als Leitplanken betrachten. Der Grungerocker Kurt Cobain und Emorapper Juice WRLD? Gehören für diese Generation ins gleiche Plattenregal – oder eben in die gleiche Playlist.

Vinyl ist bei Gen Z beliebt

Dass es sich beim Vinyl-Hype nicht um einen nostalgischen Ausreißer handelt, belegen auch die Zahlen: In Deutschland wurden 2023 rund 4,6 Millionen Schallplatten verkauft – mehr als CDs.

Besonders bemerkenswert ist dabei das Kaufverhalten der Gen Z: Laut einer Studie der Vinyl Alliance besitzen 80 Prozent der unter 27-Jährigen einen Plattenspieler, und 76 Prozent kaufen mindestens einmal im Monat Schallplatten.

Auch im Freiburger „Plattenladen“ spiegelt sich dieser Trend, wie Tom Lissy, einer der Inhaber, im Gespräch mit SWR Kultur erzählt. Die Generation Z gehört auch dort zum festen Kundenstamm. Die Twenty-Somethings griffen bei ihm im Laden aber nicht nur zu aktuellen Platten, sondern auch zu alten Klassikern: Neben Alben von Popstars wie Taylor Swift würden auch Fleetwood Mac oder Led Zeppelin gekauft.

Woher das kommt? Diese Generation sei mit einem Gefühl der Omnipräsenz von Musik aufgewachsen, so Lissy. Musik ist in Zeiten von TikTok und Co. immer verfügbar. Genre-Ängste gäbe es da viel weniger als noch vor 20 Jahren und die jungen Leute seien viel offener, so Lissy.

Vinyl als Teil einer Haltung

Für viele geht es dabei nicht nur um Musik, sondern um ein kulturelles Statement. Laut einer britischen Erhebung des Labels Rough Trade betrachten 68 Prozent der jungen Käufer*innen das Stöbern und Teilen ihrer Plattensammlung als Teil ihrer Identität – ähnlich wie Mode oder Tattoos.

Vinyl ist damit nicht bloß Tonträger, sondern Teil einer Haltung: gegen die permanente Verfügbarkeit, für ein bewussteres Musikhören.

Post Malone mit einem Red Cup auf der Bühne
Ob bei Award-Shows oder auf der Bühne: Oft hat er einen Becher dabei, der längst zu seinem Markenzeichen geworden ist. Der Becher ist auch ein ironisches Popkultur-Zitat: Er transportiert College-Partys, Grunge-Referenzen und US-Feierkultur in einem.

Vinyl als Haltung – nicht nur als Format

Post Malone verkörpert jene hybride Haltung, die dem Record Store Day entspricht: Seine größten Erfolg feiert er zwar auf TikTok, YouTube oder Spotify – seine Alben erscheinen aber regelmäßig in begehrten Vinyl-Editionen, die sich anfühlen wie kleine Kultobjekte. Kurz gesagt: Er dominiert das Digitale, aber liebt das Analoge – wie die Gen Z auch.

Plattenläden sind magische Orte, an denen man immer neue Inspiration findet.

Denn entgegen dem Klischee will diese nicht nur algorithmisch beschallt werden. Plattenläden bieten ihnen etwas, das Streaming nicht kann: Community, Kontext und das Gefühl, dass es auf die Künstler*innen ankommt.

Der Botschafter, den der Record Store Day gebraucht hat

In einer Zeit, in der Musik allgegenwärtig, aber selten greifbar ist, bekommt der Record Store Day also weiter Gewicht. Nicht nur als Verkaufsplattform, sondern als kultureller Gegenentwurf zum Scrollen und Skippen. Vinyl ist damit kein antiquiertes, exklusives Nerd-Hobby – es ist eine Haltung und eine Geste gegen die Flüchtigkeit.

Die Wahl Post Malones spricht Vinyl-Fans, Millennials und Gen Z gleichermaßen an – weil er in seinem eigenen Soundkosmos lebt, der alle Welten vereint.

Und vielleicht liegt genau darin der Wert eines Tages wie dem Record Store Day: nicht in der bloßen Nostalgie, sondern im Aufzeigen kultureller Kontinuitäten.

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Autor/in
Samira Straub
Samira Straub, Autorin und Redakteurin bei SWR Kultur Digital