Ort für Offenheit, Freude an der Musik und Gemeinschaft

„Rosa Note“ – Der queere Männerchor in Stuttgart

Ein musikalischer Beitrag zur queeren Sichtbarkeit kommt in Stuttgart von dem Männerchor „Rosa Note“. Seit den 1990er-Jahren begeistert er mit Humor und Haltung sein durchmischtes Publikum. Für die Sänger stehen Gemeinschaft, Freude am Singen und ein offener Umgang miteinander und mit allen möglichen queeren Themen im Zentrum.

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Von Autor/in Sophie-Caroline Menges

Die Stimmung vor der Probe im Weissenburg Zentrum Stuttgart ist locker und freundlich. Nach und nach trudeln die zwölf Sänger und die Chorleiterin Emilia Schneider ein. Man grüßt sich, tauscht sich über den Alltag aus, eben eine ganz normale Chorprobe. 

Doch schon beim ersten Lied wird deutlich: Das ist definitiv kein konservativer Männerchor wie er im Buche steht. Der Titel „Music“ von John Miles hat einen neuen Text verpasst bekommen und es gibt eine Chor-Choreografie, die allen Sängern sichtlich Spaß macht.

Queerer Männerchor Rosa Note aus Stuttgart
Die Sänger von „Rosa Note“ interpretieren Themen aus dem schwulen Alltag mit selbstironischen Texten und schwungvollen Choreographien.

Breit gefächertes Repertoire mit selbst geschriebenen Texten

Sänger und Vorstandsmitglied Oliver Rademann sieht den Unterschied zum klassischen Chor darin, dass sie die Texte selbst schreiben und an unterschiedliche Situationen aus dem schwulen Leben anpassen würden.

Seit dem vergangenen Jahr ist Emilia Schneider die neue Chorleiterin. Ihr geht es in erster Linie um gute Musik, Freude am Singen und Vielfalt. Das Repertoire sei sehr breit gefächert von Pop bis Klassik.

Rosa Note entwickelt eigenen Stil mit Chorkabarett

Mit „Wir sind hier“ hat der Queere Männerchor „Rosa Note“ aus Stuttgart sein Konzert im Theater der Altstadt im vergangenen Jahr eröffnet. Seit seiner Gründung 1991 haben die Sänger ihren eigenen Stil entwickelt: Chorkabarett. 

Probenchaos auf Schloss Kapfenburg

Keine Aktivisten, trotzdem auch politische Inhalte

Auch wenn sich der Chor nicht direkt als aktivistische Gruppe versteht, stehen neben den lustigen und selbstironischen Texten auch politische Inhalte auf dem Probenplan. Beispielsweise entstand ein neuer Text zum „Dies Irae“ und „Lacrimosa“ aus Mozarts Requiem als Reaktion auf die 2023 in Uganda eingeführte Todesstrafe auf Homosexualität.

Der neue Text erzählt die Geschichte eines schwulen Liebespaares, das aus seiner Heimat flüchtet und unterwegs getrennt wird. Die Geschichte endet mit dem Tod des Geliebten. Ein hartes Thema, aber Rademann ist überzeugt, dass Menschlichkeit immer die bessere Lösung ist als Hass.

Queerer Männerchor Rosa Note aus Stuttgart
„Rosa Note“ tritt mit einer Mischung aus vielfältigem Liedgut und schrägem Kabarett mehrmals im Jahr auf.

Mit dieser Botschaft tritt der Chor bei nationalen und internationalen Festivals auf, gibt Konzerte und läuft bei Paraden wie dem Christopher Street Day mit. Auch Hochzeiten sowie Trauerfeiern gehören zum Chorleben dazu.

Der Queere Männerchor „Rosa Note“ ist ein Ort für Offenheit, Freude an der Musik und natürlich Gemeinschaft.

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Sophie-Caroline Menges