Sperrig, anti-„homogen“. Keine „schmeichelnden Texturen“ und dergleichen, wie man es sonst oft an Kammermusik-Ensembles lobt. Das ist hier nicht aus Unvermögen anders, sondern mit Absicht.
Das international besetzte Ensemble Tamuz, gegründet 2017 in Berlin, hat sich diese Spielweise bewusst auf die Fahnen geschrieben.
70 Streichquartette und -quintette komponiert
Obwohl George Onslow alles Mögliche komponierte, auch Opern und Sinfonien, hatte vor allem seine kunstvolle Kammermusik Erfolg, unter anderem 70 Streichquartette und -quintette.
Da gibt es logischerweise noch einiges zu entdecken. So ist auch eines der beiden Streichquintette, die das Ensemble Tamuz für sein Debüt-Album aufgenommen hat, eine offizielle Weltersteinspielung.
Musik voller Schmerz
Beide aufgenommene Werke stammen aus den späteren Jahren von Onslow, von 1839 und von 1848, fünf Jahre vor Onslows Tod. Diese Musik ist nicht nur kontrapunktisch gefinkelt, sondern steckt auch voller Schmerz.
Beide Quintette sind tief besetzt, also nicht mit doppelter Bratsche, sondern mit zwei Celli. Bei den extremen Tempoverschiebungen der Aufnahme kann einen schon mal das Gefühl beschleichen, da fehle ein „Grundtempo“, so dass für unser heutiges Ohr manchmal zunächst der Zusammenhang zu zerfallen droht.
Historisch improvisatorische Praxis
Aber die Interpretation folgt einem strikten Konzept, das das Ensemble im Album-Beiheft genau darlegt: Historische Spielweise heißt hier nicht bloß ein bisschen Vibrato-Scham und Darmsaiten aus dem Bioladen.
Stattdessen sollen historische improvisatorische Praktiken nachgeformt werden: neben den Tempowechseln und Portamenti sind das etwa „ornamentale Tremolo-Effekte“ und freie Verzierungen, gerade bei Wiederholungen.