- Schottlands heimliches Nationalinstrument
- Frankreichs Edel-Dudelsack
- Schottlands Militärinstrument
- Ungarns transsilvanischer Dudelsack
- Der Dudelsack in der Metal-Musik
- Der Dudelsack in der Oper
Schottlands heimliches Nationalinstrument
„Scotland the Brave“ nennt sich die heimliche schottische Nationalhymne, sie ist sicherlich der bekannteste Dudelsack-Hit überhaupt. Typisch für diese Art von Musik ist der liegende Grundton aus den so genannten Bordunpfeifen.
Dazu kann der Spieler oder die Spielerin auf den Spielpfeifen eine Melodie spielen – mit ähnlichen Griffen wie auf der Blockflöte. Und diese typische Art von Mehrstimmigkeit hat es immer wieder mal auch in die Kunstmusik geschafft.
Georg Philipp Telemann zum Beispiel imitiert in der Einleitung zu seinem Flötenkonzert in e-Moll die typischen Dudelsack-Klänge, so, wie er sie in polnischen Gasthäusern gehört hat.
Natürlich verwendet Telemann für sein Werk eine „kunstmusikalische“ Besetzung, keinen originalen Dudelsack. Denn diese Instrumente sind im 18. Jahrhundert vor allem bei der ländlichen Bevölkerung in Mode: Kein Dorffest ohne Dudelsack.
Frankreichs Edel-Dudelsack
Bei den Kunstmusikern hat der Dudelsack kein gutes Image, denn er ist häufig verstimmt und sein durchdringender Klang stört die feinen höfischen Instrumente wie Flöten, Oboen oder Violinen. Ausschließlich in Frankreich sieht man das anders, hier entsteht die so genannte „Musette de cour“ – eine Art Edel-Dudelsack.
Der französische Adel findet es auf einmal schick, sich mit ländlichen Klängen zu umgeben und in eine idealisierte Welt der Schäferinnen und Schäfer hineinzuträumen. Die hat mit der sozialen Realität der ländlichen Bevölkerung natürlich nichts zu tun.
Schottlands Militärinstrument
Während man in Frankreichs Adelshäusern zu solchen Klängen diniert, sieht das in den schottischen Highlands etwas anders aus. Dort wird der Dudelsack etwa ab dem 14. Jahrhundert vor allem als Militärinstrument verwendet.
Langsam reift er dort zur heutigen „Great Highland Pipe“ heran und tritt meist in Rudeln auf. Und der Sound dieser Kapellen wird zum ikonischen Klang von Schottland an sich: Keine Schottland-Pauschalreise ohne Dudelsack-Ensemble.
Ein Beispiel ist „An Orkney Wedding“, ein Orchesterstück des britischen Komponisten Peter Maxwell Davies. Für das schottische Kolorit sorgen hier die obligatorischen „Bagpipes“, die Dudelsäcke.
Heutzutage hat es der Dudelsack noch nie so leicht gehabt in der Kunstmusik. Das liegt auch daran, dass die strengen Grenzen zwischen Kunst- und Volksmusik mehr und mehr verschwimmen.
Ungarns transsilvanischer Dudelsack
Zu diesem Trend hat sicher auch der ungarische Komponist Béla Bartók seinen Teil beigetragen. Die Klaviersonatine Sz. 55 von Béla Bartók klingt deutlich nach Dudelsack und er hat das Stück auch „Dudások“ betitelt. Diesmal ist es aber kein schottischer, sondern ein transsilvanischer Dudelsack. Im heutigen Rumänien hat der fleißige Volksliedsammler Bartók diese Melodie aufgeschnappt und in seine Sonatine aufgenommen.
Der Dudelsack in der Metal-Musik
Schottenmusik und Dudelsack sind die bekannteste Kombination, man sieht aber auch, dass selbst der Adel dem Instrument nicht weichen wollte und dass die Kunstmusik stets vom Dudelsack inspiriert ist.
Doch findet der Dudelsack auch in modernen Musikrichtungen Verwendung? Ja, und zwar nicht dort, wo man ihn unbedingt erwarten würde.
Fans der Metal-Band „Korn“ können dem Dudelsack bei den Liveshows nicht entkommen, denn der Leadsänger Jonathan Davis bringt stets den Dudelsack auf die Bühne, nicht nur als Gimmick für die Auftritte, sondern auch auf den Alben.
Der Dudelsack in der Oper
Ein Blick auf die Opernbühne, dort macht sich der Dudelsack allerdings eher rar. Maximal als Repräsentanten für das Landleben oder das Hirtendasein treten Dudelsack spielende Figuren auf, so etwa in Giovanni Paisiellos Oper „Nina“.
Im Jahr 1927 hat der tschechische Komponist Jaromír Weinberger dem Dudelsackspieler immerhin ein klingendes Denkmal gesetzt: Schwanda, der Dudelsackpfeifer heißt seine Oper. Sie basiert auf einer alten tschechischen Volkssage.
In dieser Oper hat der Dudelsack magische Kräfte und seine Klänge können das zu Eis erstarrte Herz einer verzauberten Königin wieder erwärmen.
Eines ist klar, ob man den Dudelsack mag oder nicht: Sein charakteristischer Sound regt auf jeden Fall die Fantasie an – früher wie heute.