Die volle Bandbreite an Misogynie und Rassismus
Lee, Ricky und Jazzy: Sie nannten sich gemeinsam Tic Tac Toe und rappten ab Mitte der Neunzigerjahre auf Deutsch. Allein das habe es zu dem Zeitpunkt noch nicht gegeben, sagt Meret Reh, Host des neuen BR-Podcasts „Reclaim: Tic Tac Toe“.
Dazu habe sich Tic Tac Toe direkt harten, politischen Themen gewidmet: In den Texten ging es etwa um weibliche Wut, Sucht oder Suizid. Dadurch hätten die Frauen „natürlich auch die volle Bandbreite der Misogynie und auch des rassistischen Feuilletons der 90er entgegen bekommen“, berichtet Reh.
„Ich find' dich scheiße“ war den Radiosendern zu vulgär
Weitere Skepsis sei der Band etwa von Radiostationen entgegengebracht worden. Einer ihrer bekanntesten Hits etwa, „Ich find' dich scheiße“ hätten diese ihren Hörern „nicht antun wollen“, die Sprache sei einfach „zu vulgär“.
Ich find' dich scheiße / So richtig scheiße / Ich find' dich scheiße /
So richtig sch- sch- sch- sch- sch- sch- scheiße.
Dabei war es gerade diese Art des Ausdrucks, die Fans ansprach: „Die haben gesagt: endlich mal Texte, die wir verstehen, und haben sich davon total abgeholt gefühlt.“
Bruch nach intensiver Schaffensphase
Innerhalb kürzester Zeit, erzählt Reh, hätten Tic Tac Toe dann die Musiklandschaft durcheinandergewirbelt und sämtliche Rekorde gebrochen. Dann war es plötzlich aus und vorbei mit der Band – zumindest für eine gewisse Zeit. Warum dieser Bruch? Unter anderem dieser Frage ist Reh mit ihrem Team für den Podcast nachgegangen.
Bandmitglieder waren am Limit
Ein Faktor sei sicherlich die hohe Belastung der Bandmitglieder gewesen, einfach „zu einem gewissen Zeitpunkt am Limit“ waren. Außerdem habe es mehrere Gelegenheiten gegeben, in denen Tic Tac Toe vom Management und der eigenen Plattenfirma schlecht beraten wurden.
Dabei habe das Schaffen der Band die deutsche Musikszene nachhaltig geprägt, sagt Reh: Zum einen als Vorreiterrinnen des Deutschrap, aber auch für Sängerinnen anderer Stilrichtungen. Jennifer Weist („Jennifer Rostock“) etwa habe angegeben, sie sei von Tic Tac Toe geprägt worden.
Ähnlich habe es auch Nadja Benaissa von den No Angels gesagt. Schließlich könne man Tic Tac Toe auch mit ganz aktuellen Rap-Stars in einer Linie sehen – etwa mit Rapperin Ikkimel, deren Texte auch heute hoch provozieren.