„Das Geisterhaus“ als Aushängeschild des magischen Realismus
Wie gut, dass in dieser Serie auch die Kamera Geister sehen kann und zeigen, wie die kleine Clara mit ihrem Lieblingsonkel Marcos im Gras liegt. Obwohl der zu dem Zeitpunkt eigentlich schon tot ist. Es sind Szenen wie diese, die Isabel Allendes „Geisterhaus“ den Ruf einbrachten, ein Aushängeschild des magischen Realismus zu sein.
Eine literarische Welt, in der Wunsch, Vorstellung und Erinnerung ineinander fließen, und die Geister der Vorfahren vor allem für die Frauen der Familie del Valle zu Gesprächspartnern werden. Magisch ist aber nicht nur das.
Die besonderen Fähigkeiten der Clara del Valle
Die Geschichte beginnt in den 1920er-Jahren. Clara bemerkt früh, dass sie besondere Fähigkeiten hat: Sie kann in die Zukunft sehen und Dinge bewegen ohne sie zu berühren. Nach dem tragischen Tod ihrer großen Schwester Rosa spricht sie jahrelang kein Wort. Und heiratet dann den Mann, der eigentlich um die Hand von Rosa angehalten hatte: Esteban Trueba.
Familiensaga über mehrere Generationen
Was folgt, ist eine Familiensaga über mehrere Generationen. Esteban hat mit harter Hand einen Landsitz aufgebaut. Lange steht er für das alte männliche Herrschaftsgebaren, das sich Frauen unterwirft und jede Form von Mitbestimmung ablehnt.
Dagegen pflegt Clara mehr und mehr das bürgerlich liberale Gedankengut ihres Elternhauses. Und das vermittelt sie auch ihrer Tochter Blanca und die wiederum ihrer Tochter Alba, die am Ende als Erzählerin den Bogen zurückschlägt.
Serie rückt näher an den Roman
Die Verfilmung mit Jeremy Irons und Meryl Streep aus dem Anfang der 90er-Jahre war ein großer Wurf, aber der von Bernd Eichinger produzierte Film hat schon merklich Patina angesetzt. Als Serie hat „Das Geisterhaus“ nun weniger Starappeal, rückt aber deutlich näher an den ursprünglichen Roman heran.
Nicht nur, weil die Serie mit mehr Ruhe und mehr Figuren ausladender erzählt. Man meint, der Bildsprache den weiblichen Blick von Isabel Allende anzumerken. Die Kamera ist immer auf Augenhöhe mit ihren weiblichen Figuren, spielt mit den Farben und Temperaturen des Lichts.
Politische Ebene ist authentisch erfahrbar
Gleichzeitig ist die politische Ebene authentisch erfahrbar, die Auseinandersetzungen um soziale Ungleichheit, Macht und Gewalt, die in den 1970er-Jahren zum Militärputsch führen.
In dieser ersten spanischsprachigen Verfilmung erkennt man das „Geisterhaus“ wieder als Kulminationsort lateinamerikanischer Erfahrung von Unterdrückung und Befreiung, Härte und Sehnsucht, Fantasie und Wirklichkeit. In der lärmenden Aufführung autoritärer Ideen unserer Zeit klingt diese Erzählung umso eindringlicher nach.
Trailer „Das Geisterhaus“, ab 29.4.2026 auf Prime Video
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