Akkordeon so weit das Auge reicht

Die Harmonikametropole Trossingen

Trossingen ist Harmonika-Stadt, Sitz der Firma Hohner, die Harmonikas herstellt. Die kleine Schubladen-Variante, die Mundharmonika, und das deutlich größere Akkordeon.

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Von Autor/in Andrea Schuster

Wie ein Instrument eine Stadt prägt

Die kleine Stadt Trossingen im Landkreis Tuttlingen hat an sich nichts Besonderes. Doch Trossingen ist die Heimstätte der Harmonika. Dort sitzt die Firma Hohner, die seit über 150 Jahren Harmonikas herstellt: Die kleine Schubladen-Variante, die Mundharmonika und das deutlich größere Akkordeon.

Die Firma Hohner hat das Städtchen geprägt und tut es bis heute. Es gibt das Hohner-Areal, das Deutsche Harmonikamuseum und die Hochschule für Musik, wo man Akkordeon – das Instrument des Jahres – studieren kann.

Akkordeon im Trossinger Harmonikamuseum
Etwa 1,50 Meter groß ist dieses Exemplar. Um es zu spielen, muss man zu dritt sein. Wohl deshalb wurde es nur einmal gespielt, und heute gibt es niemanden, der es spielen kann.

Hohner und das Harmonikamuseum

Im Hohner-Areal stehen frühere Fabrikgebäude aus alten Backsteinen. Sie beherbergen die Stadtbibliothek und das Deutsche Harmonikamuseum, wo die Geschichte der Harmonika erlebt werden kann.

Das Akkordeon kommt in den unterschiedlichsten Facetten daher: festlich oder rustikal, schwarz oder bunt, lackiert, aus Perlmutt oder mit Intarsien. Stets zu sehen: der Hohner-Schriftzug. Design, Schrift und Oberfläche verraten, aus welcher Zeit ein Akkordeon stammt.

Akkordeon im Trossinger Harmonikamuseum
Ein Club-X-Modell aus den 1930er Jahren. Ein alter Mann hat es dem Museum geschenkt. Das Instrument gehörte seinem Vater, der als Soldat im Zweiten Weltkrieg war. Er hatte es auf dem Kriegsschiff und in der späteren Gefangenschaft dabei.

Obwohl Hohner weiterhin einen Großteil seiner Instrumente in Trossingen produziert und Marktführer im Bereich Akkordeons ist, hat sich die Hohner-Community zunehmend ins Internet verlagert. Der Austausch im Museum werde seltener, wie der Museumsleiter Salvatore Martinelli bedauert.

Das Akkordeon als Studienfach

Nur wenige Minuten vom Museum entfernt liegt die Staatliche Hochschule für Musik Trossingen. In dem 70er-Jahre-Bau können Menschen im Hauptfach studieren. Wer von außen kommt und einen Akkordeon-Schliff möchte, kann an Workshops und Meisterkursen teilnehmen.

Akkordeon im Trossinger Harmonikamuseum
Anmutung und Ausstattung eines Akkordeons verraten, aus welcher Zeit es kommt und wofür es gebaut wurde. Roter Lack und andere Verzierungen waren natürlich eher für glamouröse Bühnenauftritte gedacht.

Professor Hans Maier liebt das vielseitige Instrument, das sich wie ein Chamäleon jeder musikalischen Umgebung anpassen könne. Er tüftelt an besonderen Akkordeonvarianten zusammen mit Instrumentenbauern, musiziert selbst, unterrichtet und versucht, den Kindern im Trossinger Kindergarten zeitgenössische Musik nahezubringen.

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Erstmals publiziert am
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Autor/in
Andrea Schuster
Andrea Schuster arbeitet in der aktuellen Redaktion des SWR in Tübingen
Onlinefassung
Janine Putzek