Im Anfang war ein Papagei
Die Entscheidung für das Akkordeon ist aus der Sicht Haanens völlig gerechtfertigt: „Es kann nicht genug im Rampenlicht stehen, weil nicht genug Leute wissen, was dieses Instrument alles kann“, sagt der gebürtige Niederländer.
Er erzählt, dass er als Kind in seiner Heimatstadt Maastricht diesem Instrument verfiel: „Es gab da eine Kneipe mit einem Papagei, eine Wirtin mit Hochsteckfrisur und samstags einen Akkordeonspieler, der mühelos für Stimmung sorgte.“
Eigentlich nur ein Haufen Metall mit Plastikplättchen
Die Erfindung eines Wiener Instrumentenbauers, von Musikkritikern und Klassikliebhaber als „Quetschkommode“ oder „Heimatluftkompressor“ bespöttelt, ist für Haanen nur genial einfach: „Das ist ein Haufen Metall mit Plastikplättchen drin, die irgendwie durch Luft schwingen.“
Das Erlernen sei zudem sehr einfach: „Sobald man auf eine Taste drückt, an dem Instrument zieht oder es drückt, kommt ein Ton raus.“ Ein weiterer Vorteil: „Es muss nicht so oft gestimmt werden wie eine Geige oder eine Harfe.“
Weniger Oktaven als ein Konzertflügel
Daher werde das Akkordeon inzwischen in vielen Stilen der Weltmusik benutzt, auch im Jazz und im Hiphop, und verdränge andere Instrumente. Haanen, der selbst moderne klassische Musik für Akkordeon komponiert, sagt zu den Anforderungen: „Man muss aufpassen, dass die Stücke nicht so groß sind. Ein Konzertflügel hat viel mehr Töne (und Oktaven) als ein Akkordeon.“
Festival für das Akkordeon
Sein Festival „Akkordeonale“, das er seit 2009 gestaltet, gibt Haanen in diesem Jahr ab. Zur Frage, ob seine Arbeit dazu beigetragen hat, das Akkordeon zum Instrument des Jahres zu küren, meint Haanen bescheiden: „Das weiß ich nicht. Ich weiß nur, dass die Akkordeonale, mein Festival, dazu beigetragen hat, dass in Deutschland mehr Leute das Instrument kennen.“
Instrument des Jahres
Score Snacks – Die Musik deiner Lieblingsfilme Lieblingsfolge: Die fabelhafte Welt der Amélie - Hauptsache Französisch
Klavier, Akkordeon, Glöckchen - fertig ist der Pariser Sommernachtstraum mit Yann Tiersens Musik in „Die fabelhafte Welt der Amélie“.
Musikgespräch Verschmolzen mit dem Akkordeon: Eva Zöllner über das Akkordeon und die zeitgenössische Musik
„Es ist wie eine erweiterte Lunge“ sagt Eva Zöllner über das Akkordeon. Dadurch werde das Instrument sehr menschlich. Schon über 300 Werke hat sie auf dem Instrument uraufgeführt und ist damit eine der wichtigsten Interpretinnen der zeitgenössischen Musik. Sie ist die erste Preisträgerin des Interpret:innenpreises der Deutschen Gesellschaft für Neue Musik. Was ihr der Preis bedeutet und warum sich das Akkorden besonders gut für zeitgenössische Musik eignet, erzählt sie im SWR Kultur Musikgespräch.
Musikthema Das Akkordeon im brasilianischen Musik- und Tanzstil Forró
Das Akkordeon ist „Instrument des Jahres 2026“. Es wird in vielen Musikrichtungen eingesetzt: in der Volksmusik, der Klassik, dem Jazz und auch in der Tanzmusik. So auch in der Tanzmusik Lateinamerikas: dem argentinischen Tango, dem Merengue típico der Dominikanischen Republik, dem mexikanischen Norteño (Nortenjo) und dem brasilianischen Forró.