Immer neue Wörter schießen, brodeln und ploppen hervor aus der Alltagssprache. Annette Klosa-Kückelhaus vom Leibniz-Institut für Deutsche Sprache, Sandra Richter vom Literaturarchiv Marbach, Medienwissenschaftler Bernhard Pörksen und weiteren Expert*innen erklären, was die Neuschöpfungen bedeuten.
Wort der Woche Brandmauer – erklärt von Prof. Bernhard Pörksen
Eine Brandmauer ist eine gemauerte Wand, die dazu dient, das Übergreifen von Feuer und Hitze auf andere zu verhindern. Im ursprünglichen Zusammenhang ist der Begriff aus der Architektur vermutlich weit weniger bekannt als in politischen Kontexten. Dort wird der Begriff verwendet, um Distanz und Abgrenzung zum politischen Gegner zu signalisieren. Ob die Brandmauer dafür die geeignete Metapher ist, darüber hat sich der Medienwissenschaftler Prof. Bernhard Pörksen von der Universität Tübingen Gedanken gemacht.
Wort der Woche „Nikotinbeutel“ - erklärt von Annette Klosa-Kückelhaus
Der Zigarettenkonsum in Deutschland ist dank umfangreicher Aufklärung und Warnung zurückgegangen. Ein anderes Produkt hat dafür an Beliebtheit gewonnen, denn seit 2022 macht das Wort „Nikotinbeutel“ die Runde.
Wort der Woche Heilwald - erklärt von Annette Klosa-Kückelhaus
Ein ausgeruhter Waldspaziergang senkt Herzfrequenz, Blutdruck und Adrenalin-Ausschüttung und stärkt das Immunsystem. In diesem Zusammenhang wird seit einigen Jahren auch von Heilwald gesprochen. In Deutschland gibt es etwa Heilwälder in Usedom oder im rheinland-pfälzischen Lahnstein. Über die Bedeutung des Begriffes und in welchem Kontext er auch historisch zu sehen ist, darüber hat sich Dr. Annette Klosa-Kückelhaus vom Leibniz-Institut für Deutsche Sprache in Mannheim Gedanken gemacht.
Wort der Woche Lifehack - erklärt von Bernhard Pörksen
Im Internet begegnen sie einem immer wieder: unkomplizierte Tipps, die das alltägliche Leben vereinfachen sollen. So genannte Lifehacks gibt es etwa in Form von kurzen Videos. Zum Beispiel zum optimalen Schälen eines Granatapfels oder dazu, wie man mit Hilfe von Eiswürfeln Dellen aus dem Teppich bekommt. Hinter dem Begriff steckt auch das Konzept des Hackers - die kreative Suche nach einer schnellen Lösung, in diesem Fall für alltägliche Probleme.
Gespräch Wort der Woche: Verschickungskinder
Viele von ihnen wurden gequält und misshandelt, obwohl sie sich eigentlich erholen und gesund werden sollten. Die sogenannten Verschickungskinder, die vom Kriegsende an bis weit in die 1980er-Jahre im guten Glauben von ihren Eltern in Kurheime geschickt wurden. Das Schicksal und die traumatischen Erfahrungen dieser Kinder werden erst seit einigen Jahren umfassend wissenschaftlich aufgearbeitet – mithilfe von Betroffeneninitiativen. Dr. Annette Klosa-Kückelhaus vom Leibniz-Institut für Deutsche Sprache Mannheim geht dem Begriff auf den Grund.
Wort der Woche gebäudescharf – erklärt von Annette Klosa-Kückelhaus
Dieser Begriff taucht immer mal wieder in Energiedebatten auf. Er beschreibt die Erhebung von Verbrauchswerten auf einzelne Immobilien bezogen. Als fachsprachlicher Ausdruck ist dieses Adjektiv ungewöhnlich, denn im Zusammenhang mit Gebäuden wirkt es unpassend. Messerscharf oder trennscharf dagegen ist logisch. Schon in den 90er-Jahren entstand das Wort, aber die Sprachwissenschaftlerin traut ihm keine große Verbreitung zu.
Wort der Woche Anthropozän - erklärt von Annette Klosa-Kückelhaus
Das Zeitalter des Menschen, das bezeichnet das Wort „Anthropozän“. Warum ein Chemiker diesen Begriff erfunden hat, die Geologen ihn als neue Zeitalterbezeichnung ablehnten und er aber trotzdem in aller Munde ist, erläutert Annette Klosa-Kückelhaus vom Leibniz-Institut für deutsche Sprache in Mannheim. Sie selbst findet das Wort übrigens ganz passend.
Wort der Woche Panzer – erklärt von Sandra Richter
Die schwergewichtigen Ungeheuer spielen im Ukraine-Krieg eine maßgebliche Rolle, israelische Panzer rücken in Gaza vor. Panzer - ein Wort, das Angst machen kann. Allerdings meint das Wort ursprünglich kein Kriegsgerät, sondern einfach eine harte Schicht, die in weicheres Innen schützt, erklärt Prof. Sandra Richter, Direktorin des Deutschen Literaturarchivs in Marbach.
Wort der Woche Respekt - erklärt von Bernhard Pörksen
Respekt ist ein menschliches Grundbedürfnis. Die Diskussion über einen respektvollen Umgang hat angesichts gesellschaftlicher Krisen und einer zunehmenden Verwilderung in den Sozialen Medien gerade in den letzten Jahren stärker an Bedeutung gewonnen. Gibt es noch verbindliche Regeln sprachlichen Respekts? Oder bewegt man sich damit in starren Mustern, die unserer Zeit nicht mehr entsprechen? Wie könnten zukünftig angemessene Formen eines respektvollen Umgangs aussehen?
Der Medienwissenschaftler Prof. Bernhard Pörksen konstatiert, dass sich der Respektbegriff - abgesehen von Entgleisungen in einzelnen sozialen Netzwerken - in einem positiven Wandel befindet. Etwa hin zu mehr Gleichberechtigung zwischen Eltern und Kindern, zwischen Mann und Frau, zwischen verschiedenen gesellschaftlichen Milieus. Aber in der Politik erweise er sich oftmals als diffuse Stimmungsvokabel - ein Versprechen ohne konkrete Umsetzung. Respekt, so Bernhard Pörksen, dürfe nicht nur sprachliche Symbolpolitik bleiben, sondern müsse zur gelebten Gleichberechtigung jenseits der sprachlichen Fassade führen.