Immer neue Wörter schießen, brodeln und ploppen hervor aus der Alltagssprache. Annette Klosa-Kückelhaus vom Leibniz-Institut für Deutsche Sprache, Sandra Richter vom Literaturarchiv Marbach, Medienwissenschaftler Bernhard Pörksen und weiteren Expert*innen erklären, was die Neuschöpfungen bedeuten.
Wort der Woche Mikrojob - erklärt von Annette Klosa-Kückelhaus
Wer sich ein Zubrot zu seinem Gehalt oder seiner Rente verdienen möchte, kann einen Minijob annehmen. Für so eine Beschäftigung muss man keine Arbeitslosen-, Kranken-, Pflege- und Rentenversicherungsbeiträge bezahlen. Aber egal, ob Mini- oder Midijob, beides ist nicht zu verwechseln mit dem Mikrojob. Wo dieser Begriff herkommt und was es damit auf sich hat, das erläutert Annette Klosa-Kückelhaus vom Leibniz-Institut für Deutsche Sprache in Mannheim.
Wort der Woche News Avoidance - erklärt von Bernhard Pörksen
Den Kopf in den Sand stecken: Die Vogel-Strauß-Taktik ist eine Reaktion auf die Flut negativer Nachrichten, die immer mehr Menschen in Deutschland anwenden. Es gibt eine wachsende Gruppe von Mediennutzenden, die auf ein überforderndes Nachrichtenangebot und auf negative Schlagzeilen mit Abkehr reagieren. Das wird auch als News Avoidance bezeichnet.
Wort der Woche Xanthippe – erklärt von Sandra Richter
Es gibt nur wenige historische Quellen über die Ehefrau des Philosophen Sokrates. Antike Schriftsteller beschrieben sie als zänkisch und sie soll ihren Ehemann häufig kritisiert und provoziert haben. Vielleicht war sie aber einfach nur eine starke Frau, die sich nicht alles gefallen ließ. Heute wird „Xanthippe“ oft abwertend zur Beschreibung einer herrischen oder nörgelnden Frau verwendet. Was es mit dem Klischee auf sich hat, darüber hat Prof. Sandra Richter vom Deutschen Literaturarchiv in Marbach nachgedacht.
Wort der Woche Gehwegnase - erklärt von Annette Klosa-Kückelhaus
Kopfsteinpflaster und Fußweg sind geläufige Begriffe aus dem Straßenbau, die mit einem Körperteil zusammenhängen. Doch die Gehwegnase ist eine recht unbekannte Bezeichnung für eine Erweiterung des Gehwegs an einer Straßenkreuzung, um Fußgängern und Radfahrern ein gefahrloses Überqueren der Straße zu ermöglichen. Aus der Vogelperspektive dehnt sich der Gehweg wie eine Nase in den Raum aus.
Wort der Woche Quintenmacher - erklärt von Sandra Richter
Der Begriff Quintenmacher wird in der Musik etwas abwertend und spöttisch für wenig kreative Komponisten und Musiker verwendet, die sich der Quinte bedienen. Jenem Intervall, das fünf Tonstufen einer Tonleiter umfasst. Wo sich dieser eher selten verwendete Begriff in der Literatur findet und wofür er dort steht, das weiß Sandra Richter vom Deutschen Literaturarchiv in Marbach.
Wort der Woche Geisterbaustelle - erklärt von der Sprachwissenschaftlerin Annette Klosa-Kückelhaus
Wer kennt sie nicht, die Baustellen auf der Autobahn, die über viele Kilometer hinweg die Fahrbahn verengen - mehr aber auch nicht. Bauarbeiter sucht man vergebens und scheint auch sonst nichts zu passieren, was gerade in der Urlaubszeit für die Verkehrsteilnehmer der Horror ist. Warum die Baustellen „Geisterbaustellen“ genannt werden, dem ist Dr. Annette Klosa-Kückelhaus vom Leibniz-Institut für Deutsche Sprache in Mannheim auf die Spur gegangen.
Wort der Woche „Glückseligkeit“ – erklärt von Sandra Richter
Schon in der Antike wurde ein heftiger Streit um die Definition des Begriffs geführt. Im Gegensatz zum „schnöden“ Glück, bei dem auch Fortuna ihre Hand im Spiel haben kann, ist die Ausgangslage bei der Glückseligkeit deutlich komplizierter. Die Stoiker wollten die Glückseligkeit unbedingt an eine disziplinierte Lebensführung geknüpft sehen und Kant stellte die berechtigte Frage, ob wir überhaupt glückseligfähig seien. Für die Direktorin des Deutschen Literaturarchivs in Marbach Sandra Richter scheint Epikurs Annäherung stimmig, der Glückseligkeit als tiefe innere Zufriedenheit verstand.
Wort der Woche Oststolz - erklärt von Bernhard Pörksen
Oststolz ist ein Begriff der Nachwendegeneration. Als provokantes Plädoyer wurde er 2025 geprägt von dem Sachbuchautor Alexander Prinz. Der Begriff steht bei ihm für ein neues Selbstverständnis, auf die eigene Ost-Biografie stolz zu sein. Der Medienwissenschaftler Bernhard Pörksen begreift das Wort Oststolz als Symbol für einen nach wie vor existierenden Ost-West-Konflikt.
Wort der Woche Metakrise - erklärt von Bernhard Pörksen
Klimakrise, Energiekrise, Demokratiekrise, Bildungskrise oder Finanzkrise. Alle diese Krisen für sich betrachtet können schon zu einer echten Sinnkrise führen. Richtig kompliziert wird es, wenn man sich überlegt, wie Krisen miteinander verschränkt sein können: Der Klimawandel etwa beeinflusst die Nahrungsmittelsicherheit, was wiederum die Migration antreibt und geopolitische Konflikte verschärft. In diesem Zusammenhang fällt oft der Begriff Metakrise, über den sich der Medienwissenschaftler Bernhard Pörksen von der Universität Tübingen Gedanken macht.