Kai Viehof

Warum der Enkel des Allkauf-Gründers auf sein Millionenerbe verzichtet

Kai Viehofs Großvater gründete die Warenhauskette Allkauf. Warum der Enkel auf sein Erbe verzichtet, wohin das Geld fließt und wie er über Reichtum denkt, erzählt er in SWR1 Leute.

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Stand

Der unbedingte Wille zur Geldvermehrung – aus unglaublich viel, immer noch mehr machen wollen. Das halte ich für eine große Ursache für viele Probleme, die wir in der Welt haben.

Milliardenschwere Unternehmerfamilie Viehof

Als Kai Viehof 17 Jahre alt ist, wird das Familienunternehmen 1998 für rund 2 Milliarden D-Mark verkauft. Er sei mit der Gewissheit aufgewachsen, dass es ein Familienvermögen gibt, das es über Generationen hinweg zu bewahren gelte und dem man sich ein Stück weit unterordnen müsse, sagt er. Irgendwann habe er begonnen, das zu hinterfragen.

Ich habe immer gemerkt: da schlagen zwei Herzen in meiner Brust. Einerseits möchte ich Wünsche erfüllen, die in diesem Vermögen stecken und auch den patriarchalen Geist umsetzen. Und auf der anderen Seite habe ich das Gefühl, das fühlt sich nicht richtig an. Ich habe da was gespürt, das in die entgegengesetzte Richtung geht.

Kai Viehof: Sein Millionenerbe soll Demokratie stärken und Menschen helfen

Im Zuge der vorweggenommenen Erbfolge bekam Kai Viehof bereits einen zweistelligen Millionenbetrag von seinem Vater. Das Geld habe er zum Großteil gespendet und in gemeinnützige Zwecke investiert.

So habe er Kontakt zu Organisationen wie ProjectTogether, Correctiv und HateAid bekommen. Dadurch sei ihm klar geworden, wie enorm wichtig es sei, in die Stärkung unserer Demokratie zu investieren. Er ist überzeugt, es gehe einer großen Zahl von Menschen deutlich besser, wenn wir keine rechtsradikale Regierung bekämen.

Ich finde es schwer aushaltbar, dass wirklich extrem rechte Kräfte noch mehr Eingang in unsere Parlamente finden und möglicherweise irgendwann in die Regierung. Das finde ich schwerer aushaltbar, als mein Vermögen radikal zu reduzieren.

Darüber hinaus unterstützt Kai Viehof Firmen aus dem Bereich Frauengesundheit, die beispielsweise besondere Tampons oder Perioden-Unterwäsche herstellen.

Ich habe im Gespräch mit Frauen, die Unternehmen gründen, gehört, dass oftmals die Patriarchen auf dem Geld sitzen und am liebsten ihresgleichen finanzieren. Das habe ich zum Anlass genommen, es mal anders zu machen.

Millionenerbe ausgeschlagen – Sorge vor Reaktionen der Familie

Die Gedanken, sein Erbe auszuschlagen, hat Kai Viehof erstmal nicht an die große Glocke gehängt. Zu groß waren seine Bedenken, sich damit etwas zu "verbauen" oder als ein "Spaltkeil" der Familie zu gelten. In erster Linie habe er mit seinem Vater, seinem damaligen Chef und seine Schwester gesprochen.

Das abgelehnte Erbe wird in eine gemeinnützige Stiftung fließen, die seinem Vater gehört. Diese setzt sich für "Umweltschutz, Denkmalschutz, aber auch Bildungsförderung und bürgerschaftliches Engagement" ein.

Ich habe gesagt, ich löse mich da raus. Aber das habe ich eben versucht, respektvoll zu machen und so, dass es möglichst wenig Auswirkungen auf das Leben von anderen Mitgliedern der Familie hat.

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Wie gerecht ist die Vermögensverteilung in Deutschland?

Ich betrachte Erben als leistungslos, denn ich habe dazu nichts als Person beigetragen und finde das nicht verdient.

Mit der Geburt Ansprüche auf ein besseres Leben zu erheben, sei nicht mit seinem persönlichen Menschenbild vereinbar, so Kai Viehof.

Die Verteilung von Vermögen in unserer Gesellschaft sieht er nicht als "Privatsache". Im Gegenteil. Auf dem Weg zu einem riesigen Vermögen, wie das seiner Familie, könne immer die Frage gestellt werden: An welcher Stelle hat jemand mehr daran verdient als andere, die mehr hätten bekommen können.

Beispielsweise nennt er die Rohstoffgewinnung in fernen Ländern, in denen Menschen ausgebeutet würden. Menschen im eigenen Unternehmen, die man vielleicht fairer hätte bezahlen können. Oder zu hohe Preise für Produkte im Supermarkt. Würden Produkte günstiger angeboten, würde das den Gewinn des Unternehmens verringern, aber zum Wohle der Gesellschaft beitragen.

Es gibt viele Stellen, an denen man sich fragen könnte: 'Habe ich wirklich verdient, das zu bekommen, oder wäre es nicht besser verteilt gewesen?' Das ist auch nicht nur eine Frage einer Gesellschaft in einem Staat in Deutschland, sondern eigentlich eine globale Frage, die wir uns stellen müssen.

Die Entscheidung, auf sein Millionenerbe zu verzichten, bereut Kai Viehof in jedem Fall nicht.

Mir gibt es ein sehr viel besseres Gefühl, als auf so einem Riesenberg [Geld] zu sitzen und es zu verwalten und meinen, es vermehren zu müssen.

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