Kinder- und Jugendcoach Angelika Fuchs

Mobbing: So könnt ihr euren Kindern helfen

Die Kinder- und Jugendcoach Angelika Fuchs gibt Eltern, Kindern und Lehrkräften Tipps, wie man Mobbing bekämpfen und am besten damit umgehen kann.

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Mobbing hinterlässt immer Spuren. Es ist nicht so, dass man aus der Schule rausgeht und dann ist es vorbei. Es hinterlässt Spuren auf der Seele.

Was kann ich tun, wenn mein Kind gemobbt wird?

Eltern stehen häufig vor der Frage, wie sie ihrem Kind helfen können, wenn es gemobbt wird. Angelika Fuchs gibt den klaren Rat, mit den Verantwortlichen der Schule zu sprechen. Die Schule müsse den Schutz der Kinder gewährleisten, betont sie. Als Coach spricht sie mit den Kindern, aber auch den Eltern und Lehrkräften. Mobbing sei kein Teil der Lehrkräfte-Ausbildung, daher sehe sie an Schulen auch viel Hilflosigkeit und Überforderung.

Schulen haben so viel zu leisten – es ist überhaupt kein Lehrer-Bashing. Es gibt wenig, was da ist, wenn Mobbing stattfindet.

Helikopter- und Rasenmäher-Eltern: Kindern nicht alles abnehmen

Die meisten Eltern meinen es gut, wollen ihre Kinder vor schlechten Erfahrungen schützen und möglichst jede Schwierigkeit aus dem Weg "mähen". Dadurch würden die Kinder aber nicht lernen, mit ihren Gefühlen umzugehen. Viel mehr müssten sie erfahren, dass man beispielsweise enttäuscht werden kann und es in Ordnung ist, dieses Gefühl zu haben. Nur so könnten sie die notwendige Resilienz (psychische Widerstandskraft) erlangen, so die Expertin.

Mobbing: Wie sinnvoll ist es, die Schule zu wechseln?

Ein Schulwechsel ist nicht automatisch eine gute Lösung bei Mobbing, meint Angelika Fuchs. Das könne helfen, es könne aber auch sein, dass das Kind als der/die Neue Pech hat und erneut gemobbt wird. Das führe zu einer noch schwereren Situation für das Kind, wenn es denkt, es läge "doch an ihm selbst". Ein Schulwechsel birgt daher auch immer eine Gefahr, so Angelika Fuchs.

Coaching könne bei einem Schulwechsel, auch von der Grundschule in die weiterführende Schule, hilfreich sein, damit die Kinder einen "guten Start" haben. Mobbing verhindern kann ein Coaching jedoch nicht.

Wie kann ein Coaching für Kinder und Jugendliche ablaufen?

Das Erstgespräch im Coaching finde immer mit den Eltern und dem Kind zusammen statt, erklärt Angelika Fuchs. Der erste Schritt sei, das Mobbing zu stoppen. Das könne das Kind nicht selbst und dafür sei es auch nicht zuständig. Mobbing-Betroffene fühlen sich häufig ohnmächtig.

Die Eltern müssen mit der Schule reden, auch der Coach kann mit der Schule Kontakt aufnehmen. Versperre sich die Schulleitung mit Aussagen wie "hier gibt es kein Mobbing", empfiehlt Angelika Fuchs, die Schule zu wechseln, um Leid zu verhindern.

Es ist wichtig, dass die Schulen verstehen, dass Mobbing an einer Schule zu haben kein Makel ist. Das ist ein gesellschaftliches Thema und es ist völlig normal, dass vom Kindergarten an überall Mobbing stattfindet. So sind die Menschen eben.

Mobbing möglichst von Anfang an verhindern

Es werden drei Phasen des Mobbings unterschieden. Die wichtigste sei dabei die erste "Testphase", so Fuchs. In dieser Phase laufe tatsächlich ein Test ab: Jemand macht immer wieder dumme Sprüche oder schubst und schaut, wie das Opfer reagiert. Vor allem schaut er/sie aber auch, wie die anderen drum herum reagieren: "Lachen die, finden die mich cool?"

Menschen, die mobben, fühlen sich klein und machen sich durch Mobbing größer. Es fehle ihnen an Empathie. Das könne durch Helikopter-Eltern entstehen, aber auch durch einen kalten Erziehungsstil. Kinder, die andere mobben, würden häufig nach dem Prinzip handeln:

Ich erlebe zu Hause viel Druck und Unterdrückung. Dann muss ich das, was mich so klein fühlen lässt, rauslassen, indem ich andere noch kleiner mache.

Wer die Angriffe in der Testphase abprallen lassen kann, könne verhindern, zum "nächsten Opfer" zu werden, so Fuchs. Entscheidend sei aber vor allem die Gruppe drum herum: Wenn andere nicht lachen, wenn sie direkt sagen "das ist uncool, wollen wir nicht", findet Mobbing nicht statt.

Es geht darum, die Gesellschaft zu stärken, einfach anders miteinander umzugehen und achtsamer zu sein.

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