Ein Schimmel im Galopp, tiefstehende Wintersonne und ein Mann mit Cowboyhut samt hinein-retuschierter Deutschlandfahne: So sieht das Januarbild des "Patriotenkalenders" für 2026 aus, den der AfD-Abgeordnete Miguel Klauß in seinem Online-Shop bislang 837 Mal verkauft hat. Auch auf der Februarseite findet sich eine überdimensionierte Deutschlandfahne, die auf eine Startbahn retuschiert wurde, nebst abhebendem vierstrahligem Passagierflugzeug.
Die Online-Kunden sind begeistert: "Neues Design und das Abschiebeticket! Herrr Klauss ist wie gewohnt zuverlässig! Vielen Dank!", heißt es in einem Kommentar nach Kauf. Ein anderer zufriedener Kunde bestätigt den Kauf im Kommentarfeld mit einer Nazi-Parole.
Klauß selbst posiert auf der Titelseite des Kalenders, mit Blick auf eine Deutschlandfahne, samt Unterschrift und Hinweis auf sein AfD-Mandat. Dem SWR erklärte der Abgeordnete: "Andere Politiker wie Özdemir oder Hagel haben Bücher, ich habe einen Kalender für meine Community."
AfD will Einsparungen zum Wahlkampfthema machen
Klauß wird als einer von bis zu 400 Delegierten am Sonntag beim Landesparteitag in Hechingen (Zollernalbkreis) über das neue AfD-Wahlprogramm abstimmen. Die Partei fordert darin, die Zahl der Landesministerien von zwölf auf mindestens acht zu verringern. Auch beim Personal in der Verwaltung solle gekürzt werden. Erklärtes Ziel: jährlich 250 Stellen weniger. Auch einen landeseigenen Investitionsfonds fordert die AfD, finanziert durch Einsparungen. Ziel: Mehr Straßenbau heißt es im Entwurf des Wahlprogramms.
Der Vorschlag des Landesvorstands, der dem SWR vorliegt, ist 55 Seiten dick und hat insgesamt 13 Kapitel. "Es wird hier noch gewerkelt werden an Details und Formulierungen", so AfD-Chef Markus Frohnmaier auf Nachfrage des SWR.
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"Widerspruch birgt Gefahr des Widerspruchs"
Irritiert zeigt sich Kommunikationswissenschaftler Frank Brettschneider von der Universität Hohenheim über einige der Überschriften im AfD-Wahlprogramm: "Wenn die AfD beispielsweise von besserer Vereinbarkeit von Familie und Beruf schreibt, dann ist das nun das genaue Gegenteil von dem, was die AfD auf anderen Kommunikationskanälen, TikTok beispielsweise, versucht zu verbreiten."
Brettschneiders Erklärung: "Die AfD will zusätzlich zu ihrem Stamm-Klientel eine neue Zielgruppe ansprechen, genauso wie sie dies mit einzelnen Auftritten ihrer Spitzenpolitiker tut, während gleichzeitig in den sozialen Medien eine ganz andere Tonart herrscht." Die AfD bespiele also zwei Bühnen ganz unterschiedlich. "Für die Partei ist so etwas auf einem Parteitag ein Problem, weil das die Gefahr des Widerspruchs birgt."
Die AfD, aktuell in Bundesumfragen gleichauf mit der Union, geht auch an anderer Stelle in die kommunikative Offensive. Zum Beispiel beim Auftritt von Markus Frohnmaier bei der Wahlarena des Baden-Württembergischen Industrie- und Handelskammertags in Stuttgart, dem ersten Aufeinandertreffen aller Spitzenkandidaten für die Landtagswahl. Frohnmaier sprach damals von Bürokratieabbau und geringeren Stromkosten - und dass es keine Staatsbürger erster und zweiter Klasse gebe: "Wer die deutsche Staatsbürgerschaft hat, der ist Deutscher, basta. Das möchte ich ein für alle Mal klarstellen."
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Proteste während des Parteitags erwartet
Am Rande des Parteitags in Hechingen erwartet die AfD in jedem Fall Protest: Geplant ist ein Konzert und ein Auftritt des Chors "Omas gegen Rechts" aus Tübingen. Manfred Daika, Gitarrist der Band "Saidon Train", die während des Parteitags am Rande einer Kundgebung am Obertorplatz spielen will, beobachtet den Parteitag mit Skepsis: "Ich habe nicht vergessen, dass die AfD den Parteitag ursprünglich auf den 8. und 9. November angemeldet hat, den Jahrestag der Reichspogromnacht. Dass sie ursprünglich diesen Termin wollten und erst nach einem Gerichtsentscheid den Parteitag auf diesen Sonntag verschoben haben, das nehme ich denen schon übel."
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Kalenderverkäufer und AfD-Abgeordneter Miguel Klauß hat seinen gewerblichen eBay-Verkauf übrigens inzwischen gestoppt und bei seinem Verkaufsportal "miguel_klauss_mdl" die Abkürzung "mdl", die für "Mitglied des Landtags" steht, entfernt. Grund ist eine Aufforderung der Landtagsverwaltung verbunden mit dem Hinweis, dass die Nebentätigkeit des Abgeordneten unzulässig sei. Ein Landtagssprecher hatte dem SWR erklärt: "Im vorliegenden Fall betreibt der Abgeordnete kein Geschäft neben dem Mandat, sondern er macht sein Mandat selbst zum Geschäft." Der Abgeordnete war auf anschließende Nachfrage des SWR nicht zu erreichen.