Die Getreideernte in Baden-Württemberg hat 2025 Erträge von etwa drei Millionen Tonnen eingebracht. Den Bäuerinnen und Bauern machen aber unter anderem niedrige Preise und Wetterextreme zu schaffen.
Ernte in BW: Trockenheit und schließlich zu viel Regen
Ein deutliches Plus von durchschnittlich elf Prozent bei der Gerste und vier Prozent beim Winterweizen - so lautet die Bilanz des Landesbauernverbands. Beim Hafer gibt es hingegen ein Minus von sieben Prozent verglichen mit dem langjährigen Mittel. "Dennoch ist die Stimmung mehr als gedrückt, weil die Preissituation im Markt desaströs ist", sagte Joachim Rukwied, Präsident des Landesbauernverbandes. Das liege zum einen daran, dass Russland den Weltmarkt mit billigen Getreide flute. Zum anderen seien die deutschen Produktionskosten im internationalen Vergleich kaum wettbewerbsfähig.
Aber auch die Wetterextreme machen den Landwirtinnen und Landwirten zu schaffen: erst monatelange Trockenheit und dann zu viel Regen während der Erntezeit. Außerdem sorgt ein Schädling, die Glasflügelzikade, für immer größere Ausfälle bei Zuckerrüben, Kartoffeln und anderen Gemüsearten. Trotz dieser Herausforderungen sei die Erntebilanz insgesamt zufriedenstellend, teilte der Landesbauernverband am Montag mit. Das gelte aber nicht für alle Landwirte - regional gab es erheblich Unterschiede.
Die lang anhaltende Regenphase im Juli war zwar schlecht für die Getreideernte, aber wichtig für Mais, Zuckerrüben oder auch Wein. Wenn das Wetter bei der Ernte mitspielt, rechnen die Winzer mit einem Jahrgang der von Qualität und Menge "hervorragend" ist. Aber auch hier sei der Preisdruck enorm.
Landwirt setzt auf Speicherteich und sät früher
Der Klimawandel sei aber eine dauernde Herausforderung, auf die die Bäuerinnen und Bauern mit zahlreichen Anpassungsstrategien reagierten, teilte der Landesbauernverband mit. Doch dafür bräuchte es politische Rückendeckung. Kürzungen in der Agrarförderung, wie auf EU-Ebene geplant, ist nach Einschätzung des Landesbauernverbandes der falsche Weg.
Michael Kinzinger, Landwirt aus Vaihingen/Enz-Enzweihingen (Kreis Ludwigsburg), hat auf die Dürrephasen reagiert und einen Pufferspeicherteich gebaut. In dem werde Regenwasser von den Dachflächen über den Winter gesammelt und dann zur Beregnung verwendet, erzählt er. Nur so habe Kinzinger seine Kartoffeln in diesem Frühjahr zum Keimen gebracht. Außerdem sei er dazu übergegangen, sie früher zu säen und früher zu ernten, was aufgrund der wärmeren Temperaturen mittlerweile gut funktioniere.
Verband fordert bessere Erzeugerpreise
"Die diesjährige Ernte zeigt erneut, wie anpassungsfähig unsere Landwirtinnen und Landwirte sein müssen", sagte Bernhard Bolkart, Präsident des Badischen Landwirt-schaftlichen Hauptverbands (BLHV). Wechselhaftes Wetter mit starken Regenperioden, schwankenden Temperaturen und ein anhaltend hoher Marktdruck verlangten schnelle, oft risikobehaftete Entscheidungen auf dem Feld - und einen langen Atem, so Bolkart.
Für einen wirtschaftlich tragfähigen Anbau seien jedoch deutlich bessere Erzeugerpreise erforderlich. Besonders im Bereich der Sonderkulturen wirkten sich steigende Kosten, etwa durch den höheren Mindestlohn, massiv auf die Betriebe aus, heißt es in einer Mitteilung des BLHV. Auch die Preise für Betriebsmittel seien in den vergangenen Jahren stark gestiegen. "Bei den aktuellen Erlösen ist in keiner Kultur ein verlässlicher Gewinn möglich - viele Betriebe arbeiten unter dem Strich defizitär", so Bolkart. Zudem fordert der BLHV von der Politik mehr Planungssicherheit und verlässliche Rahmenbedingungen - etwa beim Stallbau oder beim Einsatz von Pflanzenschutzmitteln.
Gerste, Raps, Kartoffeln - so viel wurde geerntet
Mit Erträgen zwischen sechs und acht Tonnen je Hektar liegt die Gerstenernte nach Angaben des BLHV im langjährigen Mittel. In der Rheinebene sei die Qualität von Sommer- und Winterbraugerste erfreulich: trocken, guter Vollgerstenanteil und stabile Hektolitergewichte. In den höheren Lagen wie der Baar oder dem Bodenseeraum habe sich die lange Regenperiode negativ auf die Qualität ausgewirkt - vor allem bei der Braugerste.
Beim Weizen melden viele Betriebe gute Erträge zwischen acht und neun Tonnen pro Hektar. Sorgenkind bleibe jedoch der Proteingehalt, der mancherorts zu niedrig sei, teilte der BLHV mit. Besonders späte Bestände litten unter den nassen Bedingungen im Juli, was lokal, beispielsweise am Bodensee, zu Qualitätseinbußen führte. Der Raps zeigt sich den Angaben zufolge widerstandsfähig und liefert mit drei bis vier Tonnen pro Hektar "solide Erträge" - am Bodensee stellenweise sogar bis fünf Tonnen. Bei den Mais- und Sojabestände ist der Verband optimistisch: Wenn das Wetter in den kommenden Wochen mitspiele, seien gute Erträge zu erwarten, so Bolkart.
Positive Bilanz auch bei den Biobauern
Auch Biobäuerin Johanna Kaiser und ihr Mann Niklas aus Stühlingen (Kreis Waldshut) sind zufrieden. Es habe weniger Probleme mit Pilzkrankheiten gegeben und die Preise für Bioprodukte seien stabil. Das Anbaugebiet der Kaisers liegt auf rund 700 Metern Höhe, die Hitzewellen sind bei ihnen weniger spürbar. Ihr wichtigster Erfolgsfaktor sei jedoch die Vielfalt ihrer Produkte.
Manche Kulturen wachsen einfach besser mit nasser Witterung und manche wachsen besser mit trockener Witterung.
Außerdem würden sie auf wechselnde Fruchtfolgen setzen. Das bedeutet, dass auf dem gleichen Feld jedes Jahr etwas anderes angepflanzt wird. Das fördere gesunde und fruchtbare Böden, weniger Schädlinge und Krankheiten – ganz ohne Pestizide, so Johanna Kaiser. So seien sie weniger abhängig vom Wetter, erläutert Niklas Kaiser-Schwab. Obwohl Biolandwirtschaft mehr Arbeit und höhere Kosten bedeute, gebe es für das Ehepaar keine Alternative, sagen sie. Mit der Natur zu schaffen, mache sie glücklich.
Obstbauern hoffen auf gute Apfelernte
Bei den Frühkartoffeln melden die Betriebe nach Angaben des BLHV gute Erträge und insgesamt auch gute Qualität - lokal habe es jedoch Hagelschäden gegeben. Der Ernteverlauf gestalte sich zäh: große Mengen, aber nur zögerlicher Absatz, teilte der Verband mit.
Die Erdbeerernte verlief aus Sicht des BLHV "ordentlich". Auch bei Kirschen seien Menge, Qualität und Markt in Ordnung. Wetterwechsel dämpften zwar die Himbeer- und Brombeerernte, doch Johannisbeeren, Stachelbeeren und Heidelbeeren seien in guter Menge vorhanden gewesen, so der Verband. Generell sei die Anbaufläche über die vergangenen Jahre zurückgegangen. Auch bei den Äpfeln verlaufe die Saison bislang gut an, auch hier hoffen die Obstbaubetriebe auf stabile Wetterverhältnisse bis zur Haupternte.