Trockene Böden, steile Hänge und extreme Temperaturen: Die Waldbrände bei Zell am Harmersbach im August haben den Ortenauer Einsatzkräften einiges abverlangt. Auf rund 20 Hektar standen Teile des Waldes in Flammen. Feuerwehr, Technisches Hilfswerk (THW) und Bergwacht, Polizei und Malteser waren im Einsatz. Unterstützung kam außerdem von zahlreichen Landwirten, die mit Traktoren und Wassertanks Löschwasser an die Brandstellen brachten. Jetzt blickten die Helfer gemeinsam zurück.
Am Donnerstagabend bedankten sich der Ortenauer Landrat Thorsten Erny und der Bürgermeister von Zell am Harmersbach, Günter Pfundstein, mit einem Fest bei den Brandbekämpfern. Über 400 Einsatzkräfte aus dem gesamten Ortenaukreis waren dabei.
Der Wald ist noch immer vom Feuer gezeichnet
Zurück am einem der Brandorte an den Steilhängen an der Ortsgrenze Zwischen Zell am Harmersbach und Biberach: Mehr als einen Monat später sind die verkohlten Überreste des Feuers noch sichtbar. Und für die Feuerwehrleute sind die Erinnerungen daran noch immer präsent. Der stellvertretende Feuerwehrkommandant Jan Alender erinnert sich vor allem an die Geschwindigkeit, mit der sich das Feuer ausgebreitet hat. Sie hätten gerade einmal Zeit gehabt sich oberhalb des Feuers zu positionieren, schon sei auch das Feuer dort angelangt.
Wenn man so zurückdenkt, was hier geleistet wurde, kriegt man wieder ein bisschen Gänsehaut.
Besonders die meterhohe Feuerwand und die Rauchentwicklung sind Alender im Gedächtnis geblieben. Der Anblick sei gleichzeitig beeindruckend und furchteinflößend gewesen, sagt er. Die äußeren Bedingungen machten den Einsatz zusätzlich schwierig. Bei großer Hitze mit Temperaturen von bis zu 35 Grad - außerhalb des Brandgebietes - mussten sich die Einsatzkräfte durch unbefestigtes und steiles Gelände arbeiten. Das sei körperlich enorm belastend gewesen, berichtet Feuerwehrkommandant Alexander Zwick.
Landwirte aus der Region boten von sich aus Hilfe an
Nicht nur Feuerwehr, THW und Bergwacht waren gefordert. Auch zahlreiche Landwirte aus der Region machten sich auf den Weg, um die Einsatzkräfte zu unterstützen. Einer von ihnen war Stefan Vollmer aus Nordrach. Mit seinem Wasserfass brachte er wie viele andere Landwirte aus dem Kinzigtal Löschwasser den Berg hinauf oder löschte direkt selbst an der Hangböschung.
Besonders beeindruckt hat Vollmer, wie schnell die Unterstützung organisiert wurde. Viele Landwirte aus dem mittleren Kinzigtal seien einfach losgefahren, ohne zuvor alarmiert worden zu sein. Für Einsatzleiter Zwick war diese Eigeninitiative besonders wichtig. Die spontanen Helfer aus der Landwirtschaft seien für die Einsatzkräfte eine große Unterstützung gewesen.
Gefahr im Wald durch instabile Hänge
Obwohl die Flammen längst gelöscht sind, ist der Einsatzort noch nicht wieder sicher. Durch die Hitze und das Feuer wurden auch die Wurzeln der Bäume beschädigt. Dadurch kann der Untergrund seine Stabilität verlieren. Bei starkem Regen drohen deshalb Hangrutsche oder kleinere Schlammlawinen, so Feuerwehrkommandant Zwick. Auch beschädigte Bäume könnten bei stärkerem Wind umstürzen. Die Absperrungen bleiben deshalb bestehen und das Wandergebiet zwischen Zell und Biberach ist noch nicht wieder zugänglich.
Beim Dankesfest am wurden die Helferinnen und Helfer aus der Ortenau bei einem Fest in Zell am Harmersbach vom Landratsamt für ihren Einsatz in diesem Sommer geehrt. Landrat Erny sagte, er sei stolz auf die Einsatzkräfte und die gesamte Ortenau. Die Waldbrände hätten gezeigt, wie wichtig es sei, vorbereitet zu sein - und wie viel erreicht werden könne, wenn viele Helfer ihre Möglichkeiten zusammenbringen.
Wir sind sensibler geworden, an welchen Stellen wir besser zusammenarbeiten müssen.
Die Lehren aus den Großeinsätzen
Die Erfahrungen aus den Einsätzen hätten jedoch auch gezeigt, an welchen Stellen die Region nachbessern müsse. Dazu gehöre aus auch die Ausstattung der Feuerwehr. Angesichts zunehmender Hitze müsse geprüft werden, wie die Einsatzkräfte besser vor hohen Temperaturen geschützt werden können. Auch technische Unterstützung soll künftig eine größere Rolle spielen. So könnten Drohnen helfen, Waldgebiete aus der Luft zu überwachen und Brandherde schneller zu erkennen. Auch der Einsatz von Branddetektoren in Wäldern wird als mögliche Ergänzung diskutiert. Ziel ist es, Brände möglichst früh zu entdecken, bevor sie sich großflächig ausbreiten können.
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Bei den Einsätzen habe sich zudem gezeigt, wie wichtig es sei, zusammenzuarbeiten, so Erny. Das gelte insbesondere für die Wasserversorgung. Die Region müsse noch sensibler dafür werden, wo Wasser zur Verfügung stehe und wie diese Vorräte im Ernstfall gemeinsam genutzt werden könnten.