In St. Blasien (Kreis Waldshut) wird seit Montag mitten in der Stadt gesägt, geschliffen und gehämmert. Beim 29. Internationalen Bildhauersymposium verwandeln 14 Künstlerinnen und Künstler aus neun verschiedenen Ländern innerhalb von fünf Tagen massive Baumstämme in Skulpturen. Und Besucherinnen und Besucher können ihnen dabei über die Schulter schauen. Das Event geht noch bis Sonntagnachmittag. Da werden die geschaffenen Skulpturen versteigert.
Bewerbungen aus der ganzen Welt
Mehr als 230 Künstlerinnen und Künstler aus 54 Ländern haben sich in diesem Jahr für die 29. Ausgabe des Bildhauersymposiums in St. Blasien beworben. Auswählt wurden 14 Künstlerinnen und Künstler. Die Teilnehmerinnen und Teilnehmer müssen innerhalb einer Woche aus einem Baumstamm ein Kunstwerk heraus arbeiten. Sie arbeiten in der Innenstadt unter den Augen des Publikums.
Eine der Herausforderungen für die Teilnehmenden seien die heimischen Holzarten, so Mitorganisatorin und Jurymitglied Christel Andrea Steier. Die Stämme sind Fichten aus dem Stadtwald von St. Blasien, etwa 1,60 bis 2,20 Meter lang und 40 bis 60 Zentimeter dick.
Eine weitere Schwierigkeit: wenn die Künstler aus anderen Ländern anreisen, können sie oft ihre Motorsägen nicht mitbringen. Daher gebe es am ersten und am zweiten Tag immer einen ganz großen Run auf die großen Kettensägen und später, zum Ende der Woche, dann eher auf die kleinen Motorsägen, so Steier weiter.
St. Blasien ist eine Woche lang ein Freiluftatelier
Die Künstlerinnen und Künstler arbeiten unter Zelten, verteilt in den Straßen und Gassen der Altstadt von St. Blasien sowie rund um den Dom. Gearbeitet wird im Kurgarten, entlang der Alb, zwischen Cafés und Eisdielen. Die Standorte der Bildhauer wechseln von Jahr zu Jahr, konzentrieren sich aber immer auf das Stadtzentrum und den Platz vor dem Dom. Dort gibt es zum Abschluss neben einer Präsentation auch eine Auktion der Skulpturen.
Christel Steier ist selbst Bildhauerin, Jurymitglied und künstlerische Leiterin des Symposiums. Sie sagt: "Wenn die Künstlerinnen und Künstler hier arbeiten, verändert sich die Stimmung in der Stadt."
Während dem Symposium weht immer so ein anderer Geist durch St. Blasien.
Weiteste Anreise: Jessica Cheng aus Costa Rica
Eine der Künstlerinnen ist Jessica Cheng. Sie kommt aus Costa Rica. Für das Bildhauersymposium ist sie nach St. Blasien gereist. Damit hatte sie die weiteste Anreise auf sich genommen. Fünf Tage hat sie Zeit, aus einem Stamm ihre Skulptur herauszuarbeiten. Dazu steht sie auf einem Podest. Vor ihr: ein gut zwei Meter hoher Eichenstamm, ungefähr einen halben Meter dick. Cheng selbst ist gerade mal 1 Meter 60 groß. Sie trägt Gehörschutz und eine Staubmaske, streckt beide Arme nach vorne und peilt das Holz an.
Das Holz der Eiche macht es Cheng nicht leicht. Es ist sehr hart, ihre Kettensäge eher klein. Immer wieder muss die Kette nachgeschärft werden. Zuerst werden große Holzstücke herausgetrennt. Danach wird ihre Arbeit immer feiner. Für die groben Schnitte nimmt Cheng eine benzinbetriebene Kettensäge. Dann eine kleinere elektrische mit einem speziellen Carving-Schwert. Es folgen Schleifer und Fräsen. Details arbeitet sie am Ende mit Handwerkzeugen heraus.
Während Cheng arbeitet, bleiben immer wieder Menschen stehen. Schauen zu und stellen Fragen. Dann macht sie ihre Maschine aus und redet. Denn hier entsteht Kunst vor Publikum. Bei Jessica Chengs Werk wird dabei schon fleißig spekuliert: Wird das ein Vogel? Ein Fisch? Oder vielleicht doch ein Frosch? Genau das gefällt der Künstlerin. Denn was andere in ihren Skulpturen entdecken, muss gar nicht unbedingt das sein, was sie selbst darin sieht.
Versteigerung am Ende der Veranstaltung
Am Sonntag werden zum Abschluss des 29. Internationalen Bildhauersymposiums die Kunstwerke öffentlich auf dem Domplatz in St. Blasien versteigert. Jede Skulptur startet mit einem Mindestgebot. Interessierte können sich vorab eine persönliche Bieterkarte besorgen. Diese sind am Wochenende am Infostand auf dem Domplatz erhältlich. Wer nicht live mitbieten kann, hat die Möglichkeit, vorab ein schriftliches Gebot per Formular an den Ausgabestellen abzugeben.