Kartoffeln ausliefern, Felder kontrollieren, Insektenfallen aufstellen – für einen Tag hat Bürgermeister Philipp Klotz aus Kappel-Grafenhausen (Ortenaukreis) sein Jacket gegen die Mistgabel getauscht. Gemeinsam mit Landwirt Philipp Andlauer war Klotz auf dem Andlauer-Hof unterwegs.
Anlass war der Weltbauerntag am 1. Juni. Bundesweit nehmen elf Bürgermeisterinnen und Bürgermeister an der Aktion teil, organisiert vom "Netzwerk Junge Bürgermeister". Ziel ist es, dass politische Entscheidungsträger die Herausforderungen der Landwirtschaft besser verstehen – nicht vom Schreibtisch aus, sondern direkt auf dem Feld.
Hohe Kosten, ungewisse Einnahmen
Direkt auf dem Feld - dort begann der Tag für Bürgermeister Philipp Klotz. Eine kurze Blütenkontrolle auf dem Weizen- und Dinkelfeld, eine Schädlingskontrolle bei den Kartoffeln. Schnell wird klar: "Einfach säen und Abwarten" - so einfach ist es nicht.
"Allein das Saatgut für einen Hektar Kartoffeln kostet rund 3.500 Euro", erzählt Landwirt Andlauer. Bezahlt wird es im Voraus. Wie viel er und sein Vater, mit dem er den Hof betreibt, am Ende einnehmen, ist dagegen ungewiss, denn die Preise bestimmt der Markt. Auch ob es genügend Niederschlag und Sonne gibt, ist nicht absehbar. Das stimmt auch Bürgermeister Klotz nachdenklich: "Es ist schon verstörend, wenn man sieht, wie viele Stunden Arbeit darin stecken und was am Ende dabei herauskommt."
Viel Bürokratie im Alltag
Neben den wirtschaftlichen Risiken ist auch die Bürokratie ein großes Thema. Wenn Andlauer Pflanzenschutzmittel einsetzt, muss er zahlreiche Details dokumentieren – von Wetterbedingungen bis hin zu technischen Einstellungen der Geräte. Teilweise dauere die Dokumentation länger als die eigentliche Arbeit auf dem Feld. Für viele Landwirte ist das seit Jahren ein zentraler Kritikpunkt.
Klotz will diese Eindrücke nun in seine politische Arbeit einfließen lassen. Auf kommunaler Ebene etwa bei der Verpachtung von Flächen, darüber hinaus im Austausch mit Abgeordneten in Land und Bund.
Besser Bürgermeister oder Landwirt?
Mit 28 Jahren ist der Bürgermeister von Kappel-Grafenhausen noch verhältnismäßig jung. Einen Berufswechsel zum Landwirt käme für ihn dennoch nicht infrage. Zu groß sei die Unsicherheit in der Branche – durch schwankende Preise, klimatische Risiken und politische Vorgaben.
Nebenerwerbslandwirt kann ich mir vorstellen, aber im Haupterwerb wäre mir die Unsicherheit zu groß.
Vielleicht kann Philipp Klotz nun selbst dazu beitragen, diese Unsicherheit und andere Hindernisse abzubauen.