Die Kinder- und Jugendpsychiatrie der Uniklinik Freiburg kämpft seit Jahren mit zu wenig Platz und extrem langen Wartezeiten. Obwohl zusätzliche Tagesklinikplätze bereits seit 2016 vom Land genehmigt sind, fehlte dem Land bislang das Geld für neue Gebäude. Am Freitag hat der Finanzausschuss des Landtags 40 Millionen Euro für die Kinder- und Jugendpsychiatrie der Uniklinik in Freiburg bewilligt. Das Geld kommt aus dem Sondervermögen des Bundes.
Familie berichtet von Belastung
Es ist kein leichter Gang für Christoph Präkelt und seine 14-jährige Tochter. Die Jugendliche leidet an einer psychischen Erkrankung und wird derzeit an der Freiburger Uniklinik behandelt. Ein Kraftakt für die ganze Familie.
Man ist auch als Elternteil ein Stück weit überfordert.
Man stelle sich die Frage, wie man seinem Kind bestmöglich helfen könne, sagt Präkelt. Oft sei unklar, an wen man sich als Elternteil wenden könne. Für alle Betroffenen sei das eine sehr schwierige Zeit. Doch Familie Präkelt hatte Glück. Sie haben einen Platz für ihre Tochter in der psychiatrischen Tagesklinik des Uniklinikums Freiburg bekommen. Viele andere würden monatelang warten – teils über ein Jahr.
128 Kinder warten auf einen Therapieplatz in Freiburg
Am Hauptstandort der Klinik für Psychiatrie im Kindes- und Jugendalter gibt es Platzmangel. Die Musiktherapie findet in einem Tiny House im Garten des Klinikums statt, das extra für Therapiezwecke gebaut wurde. Büro- und Behandlungsräume liegen im Keller, sagt der kommissarische ärztliche Direktor, Christian Fleischhaker. Zustände, die es so nicht geben sollte. Außerdem habe die Spezialklinik viel zu wenig Betten für psychisch kranke Kinder und Jugendliche.
Wir versorgen über 110.000 Kinder und Jugendliche mit aktuell 25 Betten und haben 128 Kinder auf der Warteliste.
128 Kinder auf einer Warteliste stehen zu haben, ist laut Fleischhaker "völlig indiskutabel". Vor allem da diese Kinder zum größten Teil mehr als ein Jahr lang auf einen Therapieplatz warten würden. Er beschreibt die Freiburger Kinder- und Jugendpsychiatrie als die am schlechtesten ausgestattete Fachklinik in Baden-Württemberg. Das könnte sich nun ändern.
Finanzausschuss bewilligt 40 Millionen für Klinikneubau
Mehr Plätze wären längst möglich. Die Genehmigungen des Landes für den Betrieb von insgesamt vier neuen Tageskliniken liegen teilweise seit 2016 vor. Die Plätze sind schon lange im Landesbettenplan vorgesehen. Doch bislang fehlte das Geld.
Am Freitag hat der Finanzausschuss des Landtags beschlossen, dass 800 Millionen Euro aus dem Sondervermögen des Bundes für die Unikliniken des Landes und Kinder- und Jugendpsychiatrien verwendet werden. 40 Millionen Euro sind ausdrücklich für den Ausbau der Kinder- und Jugendpsychiatrie des Uniklinikums Freiburg vorgesehen. Darüber hatte die Freiburger Landtagsabgeordnete Gabi Rolland (SPD) informiert.
Diese Mittel sind ein dringend benötigtes Signal für alle betroffenen Kinder, Jugendlichen und Familien. Die Platznot ist dramatisch, und wir können nicht länger warten.
In der kommenden Woche muss noch der Landtag darüber entscheiden. Bewilligt dieser die Gelder aus dem Sondervermögen, könnten die dringend benötigten Plätze für psychisch kranke Kinder und Jugendliche ausgebaut werden. Eine neue Tagesklinik wird jedoch frühestens 2030 eröffnen können.