Abschlussberichte über schwere Zugunglücke wie das von Riedlingen (Kreis Biberach) mit drei Toten und zahlreichen Verletzten werden selten in weniger als einem Jahr fertig, erklärte ein Sprecher der Bundesstelle für Eisenbahnunfalluntersuchung (BEU) am Donnerstag auf SWR-Anfrage. Anders als bei den Ermittlungen von Polizei und Staatsanwaltschaft geht es dabei um nicht um Schuld- oder Haftungsfragen. Das Ziel sei herauszufinden, wie solche Unglücksfälle auf der Strecke künftig vermieden werden können, so die BEU.
Fahrtenschreiber des entgleisten Zugs ist ausgelesen
Der Behörde zufolge wurden mittlerweile Daten aus dem Fahrtenschreiber des entgleisten Regionalexpresses gesichert. Sie zeigten die Geschwindigkeiten, wann der Zug gebremst hat und viele weitere Infos. Im nächsten Schritt sollen die Experten die Daten auswerten, so der Sprecher.
Hangrutsch nach Starkregen Tödliches Zugunglück in Riedlingen: Schacht eine Woche vor Bahnentgleisung kontrolliert
Laut Ermittlungen soll ein Hangrutsch zu dem Zugunglück mit drei Toten geführt haben. Zuvor war ein Abwasserschacht übergelaufen. Für den ist der Kreis Biberach zuständig.
Unter anderem prüfen Experten seit Donnerstagmorgen, wie sehr die Schwellen und Schienen beschädigt worden sind. Zudem werde untersucht, welche Reparaturen nötig seien, teilte die Deutsche Bahn mit. Bei der Halbjahreskonferenz der Bahn sagte Vorstandschef Richard Lutz, es verbiete sich im Moment, über die Unfallursache zu spekulieren. Die Bahn sei nach wie vor das sicherste Verkehrsmittel. Allerdings sei man auch dabei, sich mit Riedlingen vergleichbare Fälle anzuschauen, um nachzusteuern.
Bahnstrecke bleibt nach dem Zugunglück vorerst gesperrt
Am Mittwoch hatten Expertenteams nach Angaben der Bahn begonnen, mehrere Hundert Meter der Strecke zu inspizieren, um Schienen, Schwellen, Erdmaterial und weitere Komponenten der Trasse zu untersuchen.
SWR übertrug Gedenkgottesdienst am Freitag Nach Zugunglück bei Riedlingen: Bergung ist beendet
Drei Tage nach dem Zugunglück bei Riedlingen (Kreis Biberach) ist die Bergung der entgleisten Triebwagen und Waggons abgeschlossen. Am Freitag gab es einen Trauergottesdienst.
Wann dort wieder Züge fahren können, ist noch offen. Erst nach Ende der Untersuchung wird laut Bahn klar sein, wie viel repariert und was ausgetauscht werden muss.
Drei Menschen starben in dem entgleisten Zug
Die Wagen des entgleisten RE55 Sigmaringen-Ulm hatten sich am Sonntagabend ineinander geschoben. Unfallursache ist laut Polizei und Staatsanwaltschaft vermutlich ein Erdrutsch, der wegen eines übergelaufenen Abwasserschachts die Gleise teilweise verschüttet hatte. Allerdings sind die Ermittlungen noch nicht abgeschlossen.
Bei den Toten handelt es sich um den Lokführer (32), einen Auszubildenden des Zugbetreibers (36) aus dem Schwarzwald-Baar-Kreis sowie eine 70-jährige Reisende aus dem Kreis Sigmaringen. 36 Menschen waren bei dem Unfall verletzt worden, unter ihnen zwei Kinder im Alter von 7 und 13 Jahren.
SWR übertrug Gedenkgottesdienst am Freitag
Zu einem ökumenischen Gedenkgottesdienst für die drei Toten und 36 Verletzten des Zugunglücks bei Riedlingen im Kreis Biberach waren Bahnchef Richard Lutz und Bundesverkehrsminister Patrick Schnieder (CDU) am Freitagvormittag im Münster Zwiefalten (Kreis Reutlingen). Außerdem nahmen Baden-Württembergs Ministerpräsident Winfried Kretschmann und Landesverkehrsminister Winfried Hermann (beide Grüne) teil.
Zur dieser Trauerfeier am Freitag geladen hatten die Diözese Rottenburg/Stuttgart und die Evangelische Landeskirche in Württemberg. Die Gedenkveranstaltung wurde im SWR live übertragen.