Im Tierhotel Bad Waldsee hat die Feuerwehr den Ernstfall geprobt: Bei einem Brand müssten bis zu 70 Tiere in wenigen Minuten aus den Zimmern gerettet werden. Eine gemeinsame Übung sollte zeigen, wie Hunde und Katzen sicher ins Freie gebracht werden können - und welche Vorkehrungen die Tierpension dafür treffen sollten.
Aus Sorge wird Übung: Betreiber bittet Feuerwehr um Hilfe
Kai Scherrn und Horst Fallenbeck führen ein Tierhotel in Bad Waldsee (Kreis Ravensburg). Wenn Frauchen und Herrchen im Urlaub sind, wohnen hier deren Hunde und Katzen - bis zu 50 Hunde und 20 Katzen gleichzeitig. In Ferienzeiten ist die Pension oft komplett belegt. Nach mehreren heftigen Gewittern mit Blitz und Donner stellte sich Fallenbeck eine beunruhigende Frage: Was, wenn es hier nachts brennt?
Aus dieser Sorge entstand die Idee, gemeinsam mit der Freiwilligen Feuerwehr Bad Waldsee eine Übung im Tierhotel zu organisieren. Das Ziel: Herausfinden, wie sich Hunde und Katzen im Ernstfall möglichst schnell und sicher in Sicherheit bringen lassen - und was die Feuerwehrleute dabei beachten müssen.
Feuer im Tierhotel: "Ein Wettlauf gegen die Zeit"
Im Tier-Service-Zentrum Bad Waldsee, zu dem das Tierhotel gehört, werden die Tiere abends in ihre Zimmer gebracht. "Wir schließen die Räume gegen 21 Uhr ab, morgens um 6 Uhr wird geöffnet", erklärt Horst Fallenbeck, Betreiber des Tierhotels. Würde in der Nacht ein Feuer ausbrechen, wäre das ein Wettlauf gegen die Zeit. Jedes Zimmer müsste geöffnet werden. "Alle haben eine Balkontür, die wir öffnen können, damit die Hunde ins Freie können."
Genau hier setzt die Übung im Tierhotel an: Wie finden sich Einsatzkräfte im dichten Rauch zurecht, wo liegen die Zimmer, wie lassen sich die Türen ins Freie öffnen?
Gefährliche Hunde: Wo müssen die Warnhinweise angebracht sein
Schon bei der Vorbesprechung mit der Feuerwehr kommt ein wichtiges Detail zur Sprache: In der Pension werden gelegentlich auch als gefährlich eingestufte Hunde aufgenommen. Entsprechende Warnhinweise sind zwar angebracht - aber an einer Stelle, die Feuerwehrleute eventuell gar nicht sehen. "Die Feuerwehr hat uns gesagt: So ein Schild da oben bringt uns nichts, denn wir robben rein", berichtet Horst Fallenbeck. Das heißt: Wenn Einsatzkräfte im Rauch auf dem Boden kriechen, müssen Warnhinweise möglichst tief und gut sichtbar angebracht sein.
Dichter Qualm und enge Flure
Die Feuerwehr übt an diesem Tag ohne echtes Feuer, aber mit dichtem Qualm aus einer Disconebel-Maschine. So können die rund 40 Feuerwehrleute aus Bad Waldsee das Tierhotel realistisch kennenlernen: die engen Flure, die Tierzimmer mit den Ausgängen ins Freie. Eine Tierärztin ist auch vor Ort, sie muss aber nicht eingreifen. Die Tiere werden bei der Übung nicht einbezogen, sie sollen keinen unnötigen Stress haben.
Bei der Übung geht es dann vor allem um Abläufe. Thomas Girmes von der Freiwilligen Feuerwehr Bad Waldsee beschreibt das Problem: "Mit Menschenrettung haben wir Routine. Bei Hunden haben wir das Problem: Wir wissen nicht, wie wir sie packen dürfen." Deshalb gibt er die Order aus: Wenn es brennt, erstmal alle Türen öffnen und die Hunde ins Freie lassen.
Für die Feuerwehr sei die Übung ungewöhnlich und einzigartig gewesen, sagt Matthias Lessig von der Freiwilligen Feuerwehr Bad Waldsee. Auch Tierhotel-Inhaber Horst Fallenbeck zieht ein positives Fazit: "Es hat uns ganz viel gebracht. Einiges, was man umsetzen kann und auch einiges, was man anderen Häusern mitgeben kann."