Audi, Bosch und Mercedes erlauben mehr

Neue Handyregeln bei Porsche: So machen es andere Großunternehmen im Land

Ab nächster Woche dürfen Produktionsmitarbeiter bei Porsche ihre Handys während der Arbeit nicht mehr privat nutzen. Bei anderen Firmen in BW sind die Regeln weniger streng.

Teilen

Stand

Von Autor/in Michael Herr

Notfallanrufe während der Schicht nur noch per Kopfhörer annehmen, private Handynutzung nur noch im Pausenraum: Die neuen Regeln, die vom 1. April an für die Produktionsbeschäftigten bei Porsche in Stuttgart-Zuffenhausen gelten, sorgen weiter für Gesprächsstoff.

Porsche will Arbeitssicherung steigern

Porsche begründet die Neuordnung damit, dass die Arbeitssicherung gesteigert werden soll. Bei einer Straßenumfrage gehen die Meinungen über den Schritt weit auseinander. Sie reichen von großem Verständnis bis zu großer Empörung.

Ich finde das gut! Die Handys stören den Arbeitsablauf!

Porsche erklärt, die neue Regel habe das Ziel, die Arbeitssicherheit zu verbessern. Auch dieses Argument trifft auf ein geteiltes Echo. Eine Frau hält die Begründung für stichhaltig. Ein junger Mann meint dagegen, um zu erkennen, bei welchem Arbeitsschritt man das Smartphone besser in der Tasche lässt, reicht der gesunde Menschenverstand. Dass für Beschäftigte in der Produktion bei dem Thema in Zukunft andere Regeln gelten wie für die Mitarbeitenden in anderen Bereichen, empfinden einige als unfair.

Bei Audi in Neckarsulm gilt ein Fotoverbot

Andere Großarbeitgeber aus Baden-Württemberg haben bei dem Thema weniger strenge Regeln. Bei Audi in Neckarsulm beispielsweise ist die Nutzung der Privathandys auch in der Produktion grundsätzlich gestattet, so ein Sprecher gegenüber dem SWR.

Bluetooth-Anwendungen müssen die Beschäftigten allerdings ausschalten, weil diese Maschinen stören könnten. Außerdem gilt für die Mitarbeiter in der Produktion und in produktionsnahen Bereichen ein striktes Fotoverbot.

Mercedes untersagt in Einzelfällen

Ähnlich ist die Praxis auch bei Mercedes. Der Hersteller erlaubt die private Nutzung von Handys während der Arbeitszeit - allerdings nur, solange die Arbeitserledigung und der Arbeitsablauf dadurch nicht beeinträchtigt werden, teilt Mercedes schriftlich mit. Im Einzelfall dürfen Vorgesetze die Nutzung untersagen.

Auch Kopfhörer sind am Arbeitsplatz bei Mercedes nicht grundsätzlich verboten. Vor Erlaubnis oder Verbot müsse in jedem Fall eine Gefährdungsbeurteilung stehen. Akustische Gefahren- oder Warnhinweise müssen die Mitarbeiter allerdings jederzeit wahrnehmen können.

Bosch: Nutzung unterliegt Regelungen

Auch beim größten Zulieferer im Land Bosch gibt es kein zentrales Handyverbot in den Werken: "Wir vertrauen auf das verantwortungsbewusste Handeln unserer Mitarbeitenden", teilt eine Sprecherin mit. Die Nutzung unterliege allerdings Regelungen, um die Sicherheit, den Schutz von Unternehmensdaten und einen ungestörten Betriebsablauf zu gewährleisten.

Und auch bei Bosch gilt in der Produktion ein striktes Verbot von Bild- und Tonaufnahmen.

Arbeitsrechtler: Selbst Komplettverbot zulässig

Arbeitsrechtlich sind solche Regeln übrigens absolut zulässig. Im Prinzip könnten Arbeitgeber sogar noch einen Schritt weitergehen - und Handys auf dem Werksgelände komplett verbieten, erklärt Arbeitsrechtsexperte Michael Felser:

Der Arbeitgeber darf bestimmen, was in seinem Betrieb passiert. Dazu gehört auch, dass er bestimmen darf, ob man ein Handy mitnehmen darf auf die Arbeit oder nicht.

Eine Ausnahme wäre, wenn ein Beschäftigter aus medizinischen oder sicherheitsrelevanten Gründen auch im Dienst unbedingt erreichbar sein muss - und keine anderen Kommunikationsmittel zur Verfügung stehen. In diesem Fall dürften Beschäftigte trotz eines Verbots darauf bestehen, ein Handy mitzuführen.

Hypothetische Überlegungen, die bei den allermeisten Betrieben in Baden-Württemberg keine Rolle spielen dürften. Auch nicht bei Porsche, wo es viele Produktionsmitarbeiter im Dienst erlaubt ist, Köpfhörer zu tragen. Auch deshalb, um Notfallanrufe der Familie annehmen zu können.

Stuttgart

Zukunft des Automobilherstellers Erste Bilanz mit neuem Porsche-Chef: Michael Leiters kündigt neuen Stellenabbau an

Seit Anfang 2026 ist Michael Leiters neuer Chef des Sportwagenherstellers Porsche. Er muss das Unternehmen zurück auf die Erfolgsspur bringen. Eine Herausforderung.

Stuttgart

Kriselnde Automobilwirtschaft Porsche will mehr Modelle mit Verbrennermotoren bauen

Der Stuttgarter Sportwagenbauer Porsche sucht nach Wegen aus der Krise. Dafür setzt das Unternehmen wieder verstärkt auf Autos mit Verbrennermotor.

SWR Aktuell Baden-Württemberg SWR BW

Baden-Württemberg

Krisenstimmung bei Sportwagenhersteller Porsche baut 1.900 Stellen ab - Weissach und Zuffenhausen betroffen

Bis 2029 will Porsche in BW 1.900 Menschen weniger beschäftigen. Die Stellen sollen durch Altersteilzeit abgebaut werden. Was nach 2030 kommt, ist noch offen.

SWR1 Baden-Württemberg SWR1 Baden-Württemberg

Erstmals publiziert am
Stand
Autor/in
Michael Herr
Ein Mann mit langen Haaren steht mit verschränkten Armen und in legerem Hemd in einer hellen Halle und lächelt

Unsere Quellen

Transparenz ist uns wichtig! Hier sagen wir Ihnen, woher wir unsere Infos haben!