Bei den Grabungen für das Großprojekt "SuedLink" in Baden-Württemberg gab es bereits zahlreiche archäologische Funde. Im Mai wurden in Lauda-Königshofen (Main-Tauber-Kreis) ein Mammutstoßzahn sowie Teile des Skeletts gefunden. Eine jungsteinzeitliche Siedlung entdeckten die Archäologen im März in Grünsfeld (Main-Tauber-Kreis). Auf fast jeder Baustelle gab es Hinweise auf menschliches Leben weit vor unserer Zeit.
SWR-Reporterin Luisa Funk war auf einer "SuedLink"-Baustelle zwischen Neudenau und Möckmühl (beide Kreis Heilbronn) und erzählt hier von ihren Eindrücken:
Viele archäologische Funde: Querschnitt durch die Zeit der ersten Siedler
"Wir haben hier einen kompletten Einblick in die Siedlungsgeschichte", sagt René Wollenweber vom Landesamt für Denkmalpflege. Er begleitet die Ausgrabungen auf den Baustellen. Von den ersten sesshaften Bauern im Neolithikum, der Jungsteinzeit, über die Schnurkeramik bis hin zur Bronze- und Eisenzeit sei alles vertreten.
So haben die Archäologen unter anderem sogenannte Hockergräber gefunden. Das sind Gräber, in die die Verstorbenen wortwörtlich hineingesetzt wurden, mit angewinkelten Armen und Beinen. Neben den Skeletten lagen oft viele Grabbeigaben, zum Beispiel Schmuck aus Tierknochen. Aber auch viel Keramik wurde gefunden. Meist waren das allerdings nur Scherben, komplett erhaltene Krüge sind eher selten, so Wollenweber.
Nicht alle Funde bei Grabungen für "SuedLink" sind gleich spektakulär
Oft gab es aber auch Funde, die erst auf den zweiten Blick als solche erkennbar sind. Auf einer Baustelle zwischen Neudenau und Möckmühl haben die Bagger viele dunkle Flecken sichtbar gemacht. Hier standen früher mal Pfosten eines Hauses. In die Löcher ist durch Erosion, wenn Boden abgetragen wird, grobes Material eingeschwemmt. Dadurch ist dieser Bereich nun dunkler, erklärt der Grabungsleiter Manuel Birker.
Neben den vielen Pfostenlöchern, die vermutlich zu einem Haus gehört haben, ist noch ein großer dunkler Fleck. Laut Manuel Birker war das früher eine Grube, in die die Menschen ihren Müll geworfen haben. "So etwas ist für uns Alltagsgeschäft", erzählt Birker.
Einen spannenden Fund gab es dann aber doch: Ein Stück weiter links neben dem ehemaligen Haus haben die Archäologen Teile eines Krugs gefunden. Stück für Stück wurde er freigelegt, ganz vorsichtig, damit nichts kaputt geht. Mit Pinsel und Spatel hat der Archäologe die Erde abgetragen. Vollständig erhaltene Krüge sind allerdings selten, weiß René Wollenweber.
Stoßzahn und Skelett des Mammuts aus Lauda-Königshofen sollen ausgestellt werden
Der Mammut-Fund aus Lauda-Königshofen ist inzwischen in Konstanz beim Landesamt für Denkmalpflege angekommen. Hier sollen der Zahn und die Knochen genauer untersucht werden. Vorher lag der Fund noch einige Zeit auf der Baustelle. Hier mussten die Mammutreste von einem Sicherheitsdienst überwacht werden, weil Grabungsräuber dort unterwegs waren.
Mammut-Fundstelle bei Lauda-Königshofen wird bewacht Mit dem Spaten auf Stoßzahn-Suche: Grabungsstelle im Visier von Räubern
Bei Arbeiten an der SuedLink-Trasse bei Lauda-Königshofen ist ein 12.000 Jahre alter Mammut-Stoßzahn entdeckt worden. Die archäologische Sensation muss inzwischen bewacht werden.
Laut Johannes Gillhaus, Archäologe von Transnet BW, dem Betreiber des "SuedLink"-Projekts, gibt es schon Pläne für den Mammutfund. Der Stoßzahn und die Knochen sollen bald der Öffentlichkeit präsentiert werden.
Wir bemühen uns darum, [...] eine Lösung zu finden, wie wir vielleicht Teile von dem Fund auch restaurieren können und dann möglichst zügig auch der Öffentlichkeit vorstellen können.
Weitere spektakuläre Funde sind allerdings erstmal nicht zu erwarten. Die Grabungsarbeiten für das "SuedLink"-Projekt sollen bereits bis Jahresende abgeschlossen sein. Allerdings: Wenn die Kabel für die Stromtrasse verlegt werden, muss hier und da noch mal gegraben werden. Da könnte es nochmal passieren, dass Spannendes zutage kommt, meint Johannes Gillhaus.
Bagger und Archäologen arbeiten auf "SuedLink"-Baustellen Hand in Hand
Trotz der vielen archäologischen Funde ist das "SuedLink"-Projekt nach wie vor im Zeitplan. Bereits vor den Grabungen wurde genügend Zeit eingeplant, um eventuelle archäologische Funde auszugraben. Dafür war eine gute Planung wichtig. Gemeinsam mit dem Landesamt für Denkmalpflege wurden die Gebiete, in denen gegraben wird, genauer angeschaut: Sind hier archäologische Funde zu erwarten? Gab es in der Nähe schon entsprechende Funde?
Während die Bagger die Gruben auf der Baustelle ausheben, schauen sich die Archäologen den Boden an. "Die Archäologen geben Anweisungen, wie tief gegraben werden soll", erklärt Grabungsleiter Manuel Birker. Die Fundstellen werden dann mit Planen abgedeckt und nach und nach markiert sowie dokumentiert. So soll nichts übersehen werden und die Baustelle muss nicht stillstehen.