Während in Wolfsburg ab dem Nachmittag der Aufsichtsrat von VW über die Sparpläne beraten hat, gab es bundesweit Proteste, organisiert von der Gewerkschaft IG Metall und dem Betriebsrat. Auch vor dem Audi-Werk in Neckarsulm (Kreis Heilbronn). Hintergrund ist, dass eine Werksschließung ab 2034 zur Debatte steht. Bereits im Frühjahr hatte VW-Konzernchef Oliver Blume angekündigt, den Sparkurs deutlich verschärfen zu wollen. Weltweit könnten 100.000 Stellen wegfallen.
Aus von Audi in Neckarsulm? Reihe von Protesten erwartet
Vor dem Audi-Werk in Neckarsulm haben am Nachmittag rund 800 Gewerkschafter und Vertrauensleute des Unternehmens gegen die Sparpläne protestiert. Ein Sprecher der IG Metall bezeichnet die Veranstaltung als kleineren Auftakt für eine ganze Protestserie, spricht von einem Marathon statt einem Sprint. Gestreikt wird ausdrücklich nicht, denn es herrscht Friedenspflicht.
Vor Ort waren auch Neckarsulms Oberbürgermeister Steffen Hertwig (SPD), Heilbronns Oberbürgermeister Harry Mergel (SPD) und Landrat Norbert Heuser (parteilos). "Diese Unsicherheit, die da ausgestrahlt wurde, dass dieser Standort tatsächlich ernsthaft in Gefahr sein könnte, das ist dramatisch", sagte Hertwig dem SWR. "Deswegen war auch heute wichtig, dass man damit das Signal sendet gegen eine mögliche Schließung, weil das ist ja das, was jetzt gerade seit einigen Tagen und Wochen intensiv diskutiert wird", ergänzte Landrat Heuser.
Wir kämpfen hier natürlich in erster Linie um die Erhaltung der Arbeitsplätze bei Audi, aber es geht natürlich um die gesamte Region und den Wohlstand und damit auch die Zukunft in der Region.
Damla Krause arbeitet seit zwölf Jahren in der Lagerlogistik und hat am Donnerstag am Protest teilgenommen. Auch sie sei verunsichert. Ganze Familien würden ohne Job dastehen, sollte es zur Schließung kommen.
Werksschließungen, Stellenstreichungen und weniger Gehalt Nach Aufsichtsratssitzung bei VW: Autoindustrie im Südwesten im Unklaren
Die Autoindustrie im Südwesten steht unter Druck. Aber auch nach einer Sitzung im VW-Aufsichtsrat über die Sparpläne gibt es keine Klarheit.
VW-Aufsichtsratssitzung: Keine Angaben zum Standort Neckarsulm
Bei vielen der rund 15.000 Beschäftigen ist die Verunsicherung groß. In sechs Jahren sollen bei Audi die Verbrennermodelle auslaufen. Zumindest bis jetzt gibt es für Neckarsulm noch kein Elektro-Nachfolgemodell für eine größere Serie.
Baden-Württembergs Ministerpräsident Cem Özdemir (Grüne) stärkte den Mitarbeitenden den Rücken, mit einem Brandbrief an den VW-Vorstandsvorsitzenden Oliver Blume. Es gehe nicht nur um die 15.000 Arbeitsplätze bei Audi, es gehe um ein "industrielles Gravitationszentrum", so Özdemir.
Lutz Heyser aus der SWR-Wirtschaftsredaktion ordnet die Ergebnisse der VW-Aufsichtsratssitzung ein:
Der VW-Aufsichtsrat hat bis in den Donnerstagabend beraten. Zur Zukunft des Werks in Neckarsulm jedoch liegen auch nach der Sitzung keine konkreten Informationen vor. Fest steht bislang, dass die Modellpalette um bis zu 50 Prozent und die Ausstattungsoptionen um bis zu 75 Prozent reduziert werden sollen. Das teilte der Konzernvorstand am Abend nach der Aufsichtsratssitzung mit.