Hat das Chemiewerk Solvay in Bad Wimpfen (Kreis Heilbronn) jahrelang mehr Treibhausgas ausgestoßen als offiziell gemeldet? Das Unternehmen hat nun geliefert: Bis zum Ablauf der behördlichen Frist am Montag legte Solvay dem Regierungspräsidium (RP) Stuttgart ein Konzept zur Kontrolle und Verringerung seiner SF6-Emissionen vor. Das RP will das nun "genau prüfen", teilte die Behörde dem SWR mit.
Behördlicher Druck: Massive Abweichungen bei Emissionen
Damit kommt Solvay einer Anordnung nach, gegen die das Unternehmen zunächst rechtlich vorgegangen war. Erst nachdem das RP einen Sofortvollzug angeordnet hatte, blieb dem Konzern keine andere Wahl. Die Frist zur Vorlage des Konzepts endete am Montag. Im Raum stehen massive Unterschiede zwischen gemeldeten und vermuteten Emissionsmengen des Gases Schwefelhexafluorid (SF6).
Es gilt als eines der klimaschädlichsten bekannten Treibhausgase. Studien zufolge könnten im Großraum Heilbronn über Jahre hinweg rund 30 Tonnen SF6 in die Atmosphäre gelangt sein. Solvay hingegen meldete nach eigenen Angaben lediglich 56 Kilogramm pro Jahr.
Das Unternehmen betont, es sei nicht erwiesen, dass das Werk in Bad Wimpfen der Verursacher der erhöhten SF6-Werte sei. Für die Behörden allerdings komme derzeit niemand anderes in Betracht.
Mess-Ergebnisse legen Chemiewerk als Quelle nahe Gefährliches Treibhausgas: Ministerium nimmt Solvay in Bad Wimpfen in Fokus
Nach einer Studie gehen Forscher davon aus, dass in Bad Wimpfen rund 30 Tonnen des klimaschädlichen Treibhausgases SF6 freigesetzt wurden. Sie vermuten die Firma Solvay als Quelle.
Bad Wimpfen: Unabhängige Messungen sollen Klarheit bringen
Das Regierungspräsidium verlangt nicht nur ein Überwachungskonzept, sondern auch unabhängige Messungen. Sie sollen belegen, wie viel SF6 aktuell tatsächlich aus dem Werk in Bad Wimpfen entweicht. Ergebnisse der Messungen werden Ende Januar erwartet.
Zudem muss Solvay nachweisen, dass Umweltauflagen umgesetzt wurden, die bereits im Mai 2024 beschlossen worden waren.
Umweltverbände erhöhen den Druck auf Solvay
Die Deutsche Umwelthilfe (DUH) hat inzwischen Strafanzeige gegen das Chemiewerk gestellt. Sie wirft Solvay vor, gegen geltende Grenzwerte für SF6 verstoßen zu haben. DUH-Bundesgeschäftsführer Jürgen Resch fordert klare Konsequenzen: Sollte sich der Verdacht bestätigen, müssten die Behörden notfalls ein Betriebsverbot für den betroffenen Anlagenteil verhängen.