Zu viel klimaschädliches Gas ausgetreten?

Solvay legt Überwachungskonzept vor: Behörde will Emissionen in Bad Wimpfen "genau prüfen"

Der Chemiekonzern Solvay hat fristgerecht ein Konzept zur Überwachung seiner SF6-Emissionen beim Regierungspräsidium eingereicht. Die Behörde kündigte eine genaue Prüfung an.

Teilen

Stand

Von Autor/in Ulrike Schirmer

Hat das Chemiewerk Solvay in Bad Wimpfen (Kreis Heilbronn) jahrelang mehr Treibhausgas ausgestoßen als offiziell gemeldet? Das Unternehmen hat nun geliefert: Bis zum Ablauf der behördlichen Frist am Montag legte Solvay dem Regierungspräsidium (RP) Stuttgart ein Konzept zur Kontrolle und Verringerung seiner SF6-Emissionen vor. Das RP will das nun "genau prüfen", teilte die Behörde dem SWR mit.

Behördlicher Druck: Massive Abweichungen bei Emissionen

Damit kommt Solvay einer Anordnung nach, gegen die das Unternehmen zunächst rechtlich vorgegangen war. Erst nachdem das RP einen Sofortvollzug angeordnet hatte, blieb dem Konzern keine andere Wahl. Die Frist zur Vorlage des Konzepts endete am Montag. Im Raum stehen massive Unterschiede zwischen gemeldeten und vermuteten Emissionsmengen des Gases Schwefelhexafluorid (SF6).

Es gilt als eines der klimaschädlichsten bekannten Treibhausgase. Studien zufolge könnten im Großraum Heilbronn über Jahre hinweg rund 30 Tonnen SF6 in die Atmosphäre gelangt sein. Solvay hingegen meldete nach eigenen Angaben lediglich 56 Kilogramm pro Jahr.

Das Unternehmen betont, es sei nicht erwiesen, dass das Werk in Bad Wimpfen der Verursacher der erhöhten SF6-Werte sei. Für die Behörden allerdings komme derzeit niemand anderes in Betracht.

Bad Wimpfen

Mess-Ergebnisse legen Chemiewerk als Quelle nahe Gefährliches Treibhausgas: Ministerium nimmt Solvay in Bad Wimpfen in Fokus

Nach einer Studie gehen Forscher davon aus, dass in Bad Wimpfen rund 30 Tonnen des klimaschädlichen Treibhausgases SF6 freigesetzt wurden. Sie vermuten die Firma Solvay als Quelle.

Bad Wimpfen: Unabhängige Messungen sollen Klarheit bringen

Das Regierungspräsidium verlangt nicht nur ein Überwachungskonzept, sondern auch unabhängige Messungen. Sie sollen belegen, wie viel SF6 aktuell tatsächlich aus dem Werk in Bad Wimpfen entweicht. Ergebnisse der Messungen werden Ende Januar erwartet.

Zudem muss Solvay nachweisen, dass Umweltauflagen umgesetzt wurden, die bereits im Mai 2024 beschlossen worden waren.

Umweltverbände erhöhen den Druck auf Solvay

Die Deutsche Umwelthilfe (DUH) hat inzwischen Strafanzeige gegen das Chemiewerk gestellt. Sie wirft Solvay vor, gegen geltende Grenzwerte für SF6 verstoßen zu haben. DUH-Bundesgeschäftsführer Jürgen Resch fordert klare Konsequenzen: Sollte sich der Verdacht bestätigen, müssten die Behörden notfalls ein Betriebsverbot für den betroffenen Anlagenteil verhängen.

Bad Wimpfen

Grenzwerte bei SF6 sollen überschritten worden sein Umwelthilfe stellt Strafanzeige gegen Chemiekonzern Solvay

Die Deutsche Umwelthilfe hat jetzt doch Anzeige gegen den Chemiekonzern Solvay gestellt. Sie wirft dem Unternehmen vor, zu viel von dem Treibhausgas SF6 freigesetzt zu haben.

Landkreis Heilbronn

Umwelthilfe will Solvay anzeigen Klage gegen Regierungspräsidium: Solvay will Emissionen nicht unabhängig überprüfen lassen

Das Stuttgarter Regierungspräsidium will den Chemiekonzern zwingen, seine Emissionen zu senken. Dagegen klagt Solvay. Doch die Behörde will durchgreifen.

Bad Wimpfen

BUND fordert Ende des "Emissions-Hotspots" Treibhausgas-Leck in Bad Wimpfen schon seit 2024 bekannt - Kritik an Chemiewerk und Behörden

Große Mengen des Treibhausgases SF6 sollen in Baden-Württemberg in die Luft geraten sein. Der Verdacht fällt auf ein Chemiewerk in Bad Wimpfen. In der Kritik stehen auch Behörden.

SWR Aktuell Baden-Württemberg SWR BW

Erstmals publiziert am
Stand
Autor/in
Ulrike Schirmer
Ulrike Schirmer

Unsere Quellen

Transparenz ist uns wichtig! Hier sagen wir Ihnen, woher wir unsere Infos haben!