Es war einer der größten Führerschein-Betrugsfälle in Deutschland. Am Dienstag ist am Heilbronner Landgericht das Urteil gegen fünf Drahtzieher gefallen. Sie sollen sogenannte Stellvertreter organisiert haben, die dann für andere die Theorieprüfung abgelegt haben. Konkret ging es in der Anklage um 59 Fälle. Die Strafen bewegen sich zwischen zwei Jahren und neun Monaten bis hin zu vier Jahren und drei Monaten Haft.
Die fünf Angeklagten waren zuvor geständig. Das habe sich strafmildernd ausgewirkt, auch weil der Prozess dadurch deutlich abgekürzt werden konnte, so der Richter. Dennoch handle es sich hier keinesfalls um ein Kavaliersdelikt. Hier gehe es um die Sicherheit auf den Straßen. Die Fahrschulen seien staatliche Ausbildungsstellen, die sicherstellen sollen, dass Autofahrer mit den Rechtsverordnungen vertraut sind, hieß es weiter. Zum Teil sind die Männer bereits vorbestraft, auch das floss in das jeweilige Urteil mit ein.
Betrug bei Führerscheinprüfungen: Drahtzieher zu mehrjährigen Haftstrafen verurteilt
Zwei der fünf Angeklagten waren Fahrschulbetreiber - unter anderem in Heilbronn und Göppingen. Der Heilbronner muss drei Jahre und neun Monate hinter Gitter. Sein Komplize drei Jahre und acht Monate. Sie haben dem Urteil zufolge eine Schlüsselrolle gespielt, seien von Fahrschülern, aber auch von den anderen drei Angeklagten für die Betrugsfälle angesprochen worden. Sie sollen die Prüfungsreife bescheinigt, die Ausweise der Auftraggeber sowie eine Bezahlung entgegengenommen haben. Ihren Fahrschulbetrieb mussten sie einstellen.
Die anderen drei Angeklagten sollen dann die "Stellvertreter" für die Prüflinge organisiert und zur Prüfung angemeldet haben. Einer dieser Angeklagten erhielt am Dienstag die höchste Strafe: vier Jahre und neun Monate Gefängnis. Er soll dem Urteil zufolge einer der Hauptorganisatoren des Betrugsnetzwerkes gewesen sein. Die beiden anderen müssen jeweils für 2 Jahre und neun Monate in Haft.
Das Urteil ist noch nicht rechtskräftig. Die Beteiligten haben jetzt eine Woche Zeit, Rechtsmittel einzulegen.
Angebliche Schummelei bei Theorieprüfung Betrugsverdacht gegen Fahrschule bei Heilbronn: Ist die Lizenz in Gefahr?
Nach Betrugsvorwürfen bei Theorieprüfungen prüft das Landratsamt, ob einer Fahrschule im Raum Heilbronn die Lizenz entzogen wird. Falsche Prüflinge sollen bezahlt worden sein.
Im Fall um dieses Betrugsnetzwerk gab es auch schon weitere Urteile. Im März wurde einer der sogenannten Stellvertreter vom Landgericht Heilbronn zu dreieinhalb Jahren Haft verurteilt. Ein zweiter bekam schon im November 2025 vom Amtsgericht Heilbronn drei Jahre Haft.
Prozess: Führerscheinbetrüger sollen 180.000 Euro eingenommen haben
Pro Prüfung sollen die Prüflinge mehrere tausend Euro gezahlt haben. Insgesamt sollen die Angeklagten so 180.000 Euro eingenommen haben. Das Geld wurde dann entsprechend aufgeteilt. Sie sollen in einem bundesweit agierenden Netzwerk zusammengearbeitet haben.
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Für einen der "größeren Fälle" hält der TÜV SÜD das Betrüger-Netzwerk, bei dem auch eine Heilbronner Fahrschule beteiligt war. Die Betrugsversuche würden stets aufwändiger.
Betrug beim Führerschein: Bande soll bundesweit agiert haben
Im Prozess ging es um 59 Fälle. Allerdings sollen die Prüfungen nicht in allen Fällen auch erfolgreich gewesen sein. Kurz vor der Verhaftung im Juni 2025 sollen auch immer wieder "Stellvertreter" aufgeflogen sein. Die Fälle sind verteilt auf mehrere Städte in Baden-Württemberg und Bayern, darunter Heilbronn, Eppingen (Kreis Heilbronn) und Göppingen.