Die Linke BW hat ihre Spitzenkandidatin für die nächste Landtagswahl gewählt: Bei einer Landesvertreterversammlung in Fellbach (Rems-Murr-Kreis) erhielt die 26-jährige Kreissprecherin der Partei in Heidelberg die dafür nötigen Stimmen. Das teilte die Partei am Samstag mit. Die Linke geht mit einem weiblichen Spitzentrio in den Wahlkampf: Auf den zweiten Platz und dritten Platz der Landesliste wurden Amelie Vollmer (Offenburg) und Mersedeh Ghazaei (Stuttgart) gewählt.
"Damit setzen wir ein klares feministisches Zeichen bei der Landtagswahl, bei der alle anderen Parteien mit Männern als Spitzenkandidaten antreten. Wir wollen als konsequent soziale Partei mit einer starken linken Fraktion in den Landtag einziehen", sagte Linken-Landessprecherin Sahra Mirow. Bohnen wurde mit 88,1 Prozent auf Platz eins der Linken-Liste gewählt, Vollmer erhielt eine Zustimmung von 90,3 Prozent, Ghazaei auf Platz drei mit 67,8 Prozent.
2026 könnte erstmals der Einzug in den BW-Landtag gelingen
Bei der letzten Landtagswahl im Jahr 2021 scheiterte die Partei klar an der Fünf-Prozent-Hürde: Sie erhielt nur 3,6 Prozent der Wählerstimmen. Bei der nächsten Landtagswahl am 8. März 2026 könnte es erstmals klappen mit dem Einzug in den Landtag in Baden-Württemberg. In der jüngsten Umfrage des SWR kam die Partei auf sieben Prozent. Bei der Bundestagswahl im Februar 2025 bekam die Linke in Baden-Württemberg 6,8 Prozent der Zweitstimmen.
Ursprünglich sollte Ellena Schumacher Koelsch (Schwäbisch Hall) mit der 22-jährigen Amelie Vollmer ein Spitzenduo bilden. Der Landesvorstand entschied sich aber am Tag vor der Wahl für einen umfassenderen Personalvorschlag. Die 38 Jahre alte Schumacher Koelsch unterlag in einer Kampfabstimmung um Listenplatz fünf gegen drei anderen Kandidatinnen. Daraufhin trat sie nicht mehr für einen hinteren Listenplatz an. Amelie Vollmer kandidierte bereits 2021 als damals jüngste Kandidatin für die Landtagswahl.
Kretschmann tritt bei Landtagswahl 2026 nicht mehr an
Der amtierende Ministerpräsident Winfried Kretschmann (Grüne) tritt bei der nächsten Landtagswahl nicht wieder an. Aktuell regiert eine grün-schwarze Koalition das Land. Die CDU wählte Mitte Mai ihren Landes- und Fraktionschef Manuel Hagel auf den ersten Platz der Landesliste. Die Grünen wählten eine Woche später den früheren Bundeslandwirtschaftsminister Cem Özdemir zu ihrem Spitzenkandidaten. Ende Mai wählte die AfD ihren Landeschef Markus Frohnmaier zum Kandidaten für das Ministerpräsidentenamt.
Zuletzt bestimmten SPD und FDP im Juli ihre Spitzenkandidaten. Für die Sozialdemokraten tritt Landeschef Andreas Stoch an, die Liberalen wählten ihren Landesvorsitzenden Hans-Ulrich Rülke auf den ersten Listenplatz.
Infratest dimap sieht CDU bei BW-Landtagswahl vorne
Kretschmann wurde 2011 zum ersten und bisher einzigen Grünen-Ministerpräsidenten in Deutschland gewählt. Vorher hatte die CDU in Baden-Württemberg fast 60 Jahre lang regiert. Umfragen zufolge könnte die CDU die kommende Landtagswahl deutlich vor den Grünen gewinnen. Eine Erhebung des Instituts Infratest dimap für den SWR vom Mai sah die Partei mit 31 Prozent auf dem ersten Platz vor den Grünen mit 20 Prozent.
Auf den dritten Platz kam in der Umfrage die AfD mit 19 Prozent. Die übrigen Parteien schließen eine Zusammenarbeit mit der AfD allerdings aus. Die SPD kam in der Umfrage auf zehn Prozent. Bei der FDP wäre mit einem Umfragewert von fünf Prozent der Wiedereinzug in den Landtag ungewiss. Das BSW würde mit vier Prozent voraussichtlich an der Fünf-Prozent-Hürde scheitern.