Eine Bürgermeisterwahl und weit und breit kein Kandidat für das höchste Amt in der Gemeinde: Mit dieser ungewöhnlichen Situation waren die Wahlberechtigten in Limbach (Neckar-Odenwald-Kreis) am Sonntag konfrontiert. Sie mussten auf einem komplett leeren Stimmzettel Personen vorschlagen, die sie für geeignet halten, die 4.500-Einwohner-Gemeinde in den kommenden acht Jahren zu führen.
Der neue Bürgermeister ist der alte: Thorsten Weber
Am Ende dieser "wilden Wahl" gibt es einen neuen Bürgermeister. Es ist der alte. Mehr als 90 Prozent der Wählerinnen und Wähler schrieben den amtierenden Rathauschef Thorsten Weber (parteilos) auf den Stimmzettel, Weber nahm die Wahl an. Er erreichte 1636 von 1727 gültigen Stimmen.
Ein so gigantisches Ergebnis kann ich nicht ignorieren
Bürgermeister Thorsten Weber (60) hatte schon vor Monaten angekündigt, aus verschiedenen Gründen nicht mehr antreten zu wollen.
Das gab es seit 35 Jahren nicht mehr im Kreisgebiet
Die Stelle war zehn Wochen lang offiziell ausgeschrieben. Aber nicht eine einzige Bewerbung folgte. Ein Zustand, den es so in mehr als 35 Jahren im gesamten Neckar-Odenwald-Kreis nicht gegeben hat, heißt es bei der Kreisverwaltung, wo sich niemand an eine vergleichbare Situation erinnert. Nach Bewerbungsschluss, vier Wochen vor dem Wahltermin, stand die Gemeinde ohne Kandidaten da.
Im Vorfeld mehr als 30 Spontan-Bewerber
Dann das Kuriosum: Kaum war die Bewerbungsfrist verstrichen, meldeten sich mehr als 30 Interessenten für den Job im Rathaus. Per Mail, per Telefon, per Post. Mehrere davon starteten sogar noch einen kleinen Wahlkampf, um Wählerinnen und Wähler zu überzeugen, ihren Namen auf dem Stimmzettel zu vermerken.
Den Parteien und Gruppierungen in Limbach machten diese Spontan-Bewerber Sorge. So platzierten sie im Amtsblatt mehrfach eine Anzeige und riefen die Bevölkerung dazu auf, "Bürgermeister Thorsten Weber" auf den Stimmzettel zu schreiben. In der Hoffnung, dass dieser die Wahl dann auch annehmen werde.
Besonderer Aufwand durch die "wilde Wahl"
Die "wilde Wahl" ohne vorgegebene Kandidaten und mit leerem Stimmzettel sorgte für eine Wahlbeteiligung von 53 Prozent. Und für besonderen Aufwand beim Auszählen, denn insgesamt fanden sich auf den Stimmzetteln zahlreiche verschiedene Namen. Weil die notierten Personen eindeutig identifizierbar sein mussten - beispielsweise durch aktuelle Anschrift oder Geburtsdatum - war die Zahl der ungültigen Stimmen mit über 260 ungewöhnlich hoch, denn viele Wahlberechtigte hielten sich nicht an diese Regelung.